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Lateinamerika : Hoch hinaus in Panama

  • -Aktualisiert am

Wie Schmetterlingsflügel: Der Trump Ocean Club vom Sockel aus gesehen. Bild: Sven Weniger

Der Trump Ocean Club ist im höchsten Gebäude Lateinamerikas untergebracht - und gibt sich auch sonst nicht mit halben Sachen zufrieden.

          5 Min.

          Eleganz war noch nie sein Ding, weder im Beruf noch im Leben. Wenn Donald Trump baut, dann meist großspurig und klotzig. Ein Grobmotoriker der Immobilienbranche, der den polternden Auftritt liebt, eine gewagte Haartracht und Frauen aus der C-Liga des Showbiz, die er seriell ehelicht. Der Tycoon aus New York mit dem brachialen Ego ist in vieler Hinsicht ein klassischer Entrepreneur amerikanischer Schule. Nun hat er sich erstmals mit einem Bauprojekt ins Ausland gewagt und ein Hotel in Panama City errichten lassen, das in Architektur und Ambiente überraschend feinfühlig und gelungen ist - den Trump Ocean Club.

          Das 369-Betten Haus fällt schon von weitem auf. Ein riesiges, schneeweißes Segel scheint sich am Ende der Halbinsel Punta Pacífica im Seewind zu blähen: siebzig Stockwerke hoch und mit 284 Metern über dem Meeresspiegel das höchste Gebäude Lateinamerikas. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass seine Silhouette frappierend der Hotelikone Burj al Arab in Dubai ähnelt. Die Araber jedenfalls waren not amused und bezichtigten Trump und seine Partner schon zu Beginn der Bauphase des Plagiats. Bei der Justiz Panamas blitzten sie damit erwartungsgemäß ab. Staatspräsident Ricardo Martinelli weihte den Neubau im Herbst 2011 höchstpersönlich ein. Der Trump Ocean Club war von Anfang an ein Prestigeprojekt für das wirtschaftlich aufstrebende Kanalland.

          Die Rezeptionisten verschanzen sich nicht

          Jenseits der hohen Glasfront im Erdgeschoss findet sich der Besucher zunächst in einer sparsam möblierten Wandelhalle wieder. Es gibt viel Licht, viel Platz und eine Batterie Fahrstühle, die ständig bimmelnd ankommt und abfährt. Einen Empfang gibt es auch, nur nicht den richtigen. Hier unten geht es nämlich auch in den hinteren Teil des Gebäudes, das sich zum angedeuteten Mast auf der Seeseite hin stark verjüngt. Dort befinden sich noch mal 635 Eigentumswohnungen, deren Verkauf den Löwenanteil der 430 Millionen Dollar Baukosten wieder hereinbringen soll. Die Hotelrezeption nennt sich Sky Lobby und liegt dreizehn Stockwerke über der Straße. Dort oben erst werden wir zu Hotelgästen und sind noch vor dem Einchecken überwältigt von dem spektakulären Blick auf die Skyline von Panama City jenseits der Bucht.

          Der erste Eindruck: Der Trump Ocean Club vermeidet konsequent Hotel-Stereotypen. Es gibt keine langen Tresen, hinter denen sich Rezeptionisten verschanzen. Das Personal kommt jedem Neuankömmling wie einem Freund entgegen, bittet in locker verteilte Sitzecken, während es die Formalitäten erledigt; ein Konzept, wie es Fluggesellschaften für den Check-in ihrer Erste-Klasse-Passagiere anwenden. Und genau so sollen wir uns fühlen. Schnell werden wir nur noch mit Namen angesprochen. Persönliche Zuwendung für jeden Gast sei oberstes Gebot, sagt Direktor Mark Stevenson.

          Die bestgelaunte Truppe sind die Türsteher

          Dafür sorgen fast tausend Angestellte, deren soziale Kompetenz für die Einstellung wichtiger gewesen sei als die fachliche, wie der Amerikaner betont. Das hört man selten in der Branche, kommt aber gut an. Die bestgelaunte Truppe jedenfalls ist das halbe Dutzend Türsteher an der Hotelvorfahrt, das uns mit seinem Latino-Charme und Witzchen dazu verführt, dort immer einige Momente zu verweilen. Hier soll es Spaß machen anzukommen, ist das Credo.

          Dreh- und Angelpunkt für den Erfolg eines Hotels sind die Zimmer. Auch hier denkt Trump groß. In den beiden Flügeln, die das Doppelsegel bilden, haben die kleinsten Zimmer gut fünfzig Quadratmeter. Die Präsidentensuite kommt auf das Dreifache. Und da der Amerikaner in seiner Freizeit gern bequem vor dem Bildschirm ruht, sind die Flachbild-Fernseher riesig und die Betten so dick und bequem, dass selbst Prinzessinnen nicht einmal eine Kokosnuss unter der Matratze spüren würden. Allein die Dusche ist so geräumig wie eine Sauna, und die frei im Bad stehende Wanne lädt zum Plantschen zu zweit ein. Dankbar registrieren europäische Reisende auch unamerikanische Utensilien wie Teekocher und Nespresso-Maschine samt Kaffeeauswahl.

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