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Neue Langstreckenflüge : Die Welt wird wieder kleiner

  • -Aktualisiert am

Langstreckenflüge werden deutlich angenehmer: Der neue Airbus A350-900ULR. Bild: AFP

Die Nonstopstrecke Singapur-New York kehrt zurück – kommt mit den neuen Flugzeugen ein Trend zum Ultralangstreckenflug?

          5 Min.

          Changi Airport Singapur, Donnerstag kurz nach 23 Uhr Ortszeit, Einsteigen am Gate B4 zum längsten Linienflug der Welt, Ziel: New York.

          So weit wie Flug SQ22 führt ohne Zwischenlandung keine andere Flugverbindung, planmäßige Flugdauer sind 18 Stunden und fünf Minuten. Seit Mitte Oktober nach fünf Jahren Pause die Nonstop-Route wieder aufgenommen wurde, ist sie die einzige auf der Welt, die über 15.000 Kilometer Distanz am Stück überwindet, je nach gewählter Route können es sogar weit über 16.000 Kilometer Entfernung sein. „Würde man eine Stricknadel bei Singapur in einen Globus stechen und genau einmal nach oben auf die gegenüberliegende Seite zielen, käme man bei New York raus“, hatte kurz zuvor S.L. Cheong erklärt.

          Weiter entfernt geht also kaum auf der Erdkugel. Herr Cheong ist Chefpilot der Airbus A350-Flotte von Singapore Airlines (SIA), und hat gerade den Erstflug der Neuauflage dieses Fluges durchgeführt. Ein déjà vu für ihn, ist er doch diese Route unter gleicher Flugnummer bereits zwischen 2004 und 2013 geflogen. Damals mit einem spritdurstigen Airbus A340-500 mit vier Triebwerken. „Auf der Strecke brauchten wir damals 165 Tonnen Treibstoff“, erinnert sich der Chefpilot. Das rechnete sich bei steigenden Ölpreisen irgendwann nicht mehr. Jetzt ist Cheong Kommandant der nächsten Generation, des Airbus A350ULR mit nur zwei Triebwerken, dessen Rumpf nicht mehr aus Aluminium, sondern leichten Verbundwerkstoffen besteht. Ergebnis: Die etwa gleiche Anzahl an Passagieren kann mit gerade hundert Tonnen Kerosin ans Ziel gebracht werden.

          Das Flugzeug als Wellness-Maschine

          Ähnlich fortschrittlich ist der Dreamliner von Boeing, die 787 fliegt seit kurzem erstmals nonstop vom Perth in Westaustralien nach London. Qantas will vermutlich ab 2022 das bisher Unmögliche schaffen: Nonstop von Sydney nach London fliegen, Flugzeit rund 20 Stunden. Derzeit liefern sich Boeing und Airbus ein Wettrennen darum, entsprechend gepimpte Flugzeug-Varianten zu entwickeln. Ultralangstrecken sind gerade in. 2010 gab es nur sieben Flüge über 13.000 Kilometer und mehr, derzeit sind es 22. Allerdings bedroht der aktuell steigende Ölpreis diese Marktnische wieder, denn es braucht viel extra Sprit, um die nötige große Treibstoffmenge überhaupt so weit zu transportieren.

          Auch für Passagiere ist der Unterschied in den neuen Ultra-Langstreckenjets erheblich. Wie hatte doch tatsächlich Betty Wong, bei SIA für den Bordservice zuständig, versprochen: „Sie werden das Flugzeug glücklich, lächelnd und erfrischt verlassen – und die bis zu 19 Stunden nicht fühlen, die es dauerte, ans Ziel zu kommen.“ Kann das wahr sein, ein Flugzeug tatsächlich wie eine Wellness-Maschine wirken? Fluggäste der früheren Flüge zwischen Singapur und New York erinnern sich noch gut daran, wie sie unter der stickigen Kabinenluft litten und nach über achtzehn Stunden mit Kopfschmerzen ans Ziel kamen.

          Keine normale Economy Class mehr an Bord

          Gar nicht weit weg von Gate B4 fliegt fast zur gleichen Zeit ebenfalls ein SIA-Flug nach New York, ein Airbus A380, der allerdings unterwegs in Frankfurt einen Stopp einlegt. Tickets von Singapur nach New York via Frankfurt sind derzeit teurer als die neue Nonstop-Verbindung vom Äquator zum Big Apple. Früher kostete sie zehn Prozent Aufschlag, denn der Zeitgewinn beträgt mindestens fünf Stunden. Aber ohne Zwischenstopp spart man Flughafensteuern, außerdem ist bei SQ22 das Sitzplatzangebot in der Premium Economy größer, was laut SIA zu günstigeren Angeboten in dieser Klasse führt. Auf die normale Economy Class hat man hier bewusst verzichtet, deren Enge wäre für 18 Stunden schwer zumutbar. In dieser Nacht wird hinten im Flugzeug aber nicht einmal die Hälfte aller 94 Sitze in der Premium Economy Class besetzt sein. Die Business Class vorn ist dagegen voll. Nur insgesamt 161 Sitze in diesen beiden aufgewerteten Klassen bietet der Ultra-Langstreckenjet, möglich wäre das Doppelte.

          Genau um 23.51 Uhr Lokalzeit hebt die A350 schwer beladen mit 16.5000 Litern Treibstoff und fast 280 Tonnen Startgewicht auf dem Changi Airport ab. Es könnte ein Rekordflug werden: „Geplante Flugzeit sind genau 17 Stunden“ hatte der Kapitän zuvor durchgesagt, viel schneller als üblich. Auf dem Bildschirm am Sitz erscheint die Flugroute – von Südostasien über China und Russland fast direkt zum Nordpol, an Grönland vorbei nach New York. Das wäre die direkteste sogenannte Großkreisroute, sie misst 15.345 Kilometer. Aber Flug SQ22 nimmt einen anderen Weg: Die Nordpazifikroute, die Japan links liegen lässt, dann an Kamtschatka vorbei und über Alaska, rund 16.500 Kilometer weit.

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