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Hotel empfängt wieder Gäste : „Datai“ öffnen

Die Datai-Bucht und das vorgelagerte Inselchen. Auch dort wohnen ein paar Affen. Bild: TD

Irgendwas singt immer: Das Regenwald-Refugium „The Datai“ auf dem Archipel Langkawi in Malaysia ist zurück. Fast automatisch gerät der Aufenthalt zum Biologie-Intensivkurs.

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          Der Ton ist schrill und hoch, ein bisschen so wie bei einem nicht entlüfteten Heizkörper. Nur lauter und anhaltender. Aber es gibt gar keine Heizungen auf Langkawi. Wozu auch, bei ganzjährigen Temperaturen zwischen 26 und 32 Grad, Tag und Nacht. Es kann auch kein bremsdefektgeplagter ICE sein, denn nichts liegt hier an der Straße von Malakka ferner als ein deutscher Bahnhof, wenngleich die Meerenge zwischen Sumatra und der malaiischen Halbinsel eine der am meisten befahrenen Handelsrouten der Welt ist.

          Barbara Liepert

          Verantwortlich für das Ressort „Reise“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Je länger man hineinhorcht in den Regenwald, der das vor wenigen Wochen wiedereröffnete Hotel „Datai“ umschlingt, desto mehr Geräuschquellen entdeckt man, ein Symphonieorchester verhält sich dazu wie ein müdes Panflötentrio. Rund 60 Millionen Dollar hat die Renovierung des „Datai“ gekostet. Als es vor 25 Jahren von Kerry Hill erbaut wurde, setzte es Standards, die noch heute kopiert werden. Mächtige Treppen, Pooldecks wie Bühnen, Pavillons, die im Dickicht verschwinden: So werden die Tropen inszeniert. Der Wald, in dem diese Gebäude nisten, ist unbezahlbar: Mehr als 500 Millionen Jahre alt ist die Landschaft hier im Nordwesten des Archipels, weshalb die Unesco ihr den Titel „Geopark“ verliehen hat – Muscheln finden sich hier nicht nur am Strand, sondern als Fossilien auch in den Hügeln. Wie viele Inseln genau den Archipel Langkawi ausmachen, hängt davon ab, wann und ob man einzelne Felsen, die aus dem Wasser ragen, schon als Inseln bezeichnen will – weil aber die 99 in Südostasien als gute Zahl gilt, hat diese sich etabliert. Das Heizungsgeräusch ist mittlerweile verschwunden, dafür zirpen und geigen nun andere Tiere. Hier und dort kracht es im Blätterdach, zuerst kommt eine Baumhörnchen mit einem schier nicht endenden Schwanz angehuscht, danach laufen Brillenlanguren über die Köpfe hinweg.

          Von Geräuschquellen verschlungen

          Den ganzen Radau hier kann vor allem ein Mann erklären, von dem wir bereits Hunderte Kilometer östlich, auf Borneo, gehört haben. Sein Name ist Synonym für Naturschutz auf Langkawi: Irshad Mobarak. Seit über 30 Jahren ist er der Flora und Fauna verfallen, pflanzt Bäume und zeigt Hoteliers, wie sie Gästekomfort und Naturerlebnis möglichst schonend zusammenbringen. Er hebt ein etwa drei Zentimeter langes Insekt vom Boden auf, eine Zikade, „die den Tag nicht überleben wird“. Ameisen haben sie bereits erklommen. Zurück liegen sechs Wochen Gezirpe, um die Gunst der Weibchen auf sich zu lenken und sich zu paaren. Davor lebte das Tier im Boden. Mehr als 150 Arten von Zikaden gibt es in Malaysia, 22 davon auf Langkawi. Die meisten leben nur eine bis sieben Wochen über der Erde, vorher verbringen sie ein Jahr oder länger in der Erde. Wenn sie schlüpfen, entsteht ein kleiner Erdvulkan auf dem Waldboden (ohne Mobarak wäre uns auch das entgangen). Ihr Liebeslied hängt vom Sonnenlicht, der Luftfeuchtigkeit und von den Temperaturen ab, jede Art hat ihre Tageszeit, und der Einzige, der ihre Lieder offenbar genau auseinanderhalten und imitieren kann, ist Irshad Mobarak. Manche Zikaden höre er zwei, drei Jahre nicht, „also müssen sie länger als ein Jahr im Boden verbringen“, vermutet er.

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