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Alaska : Der große Fang

Lachs bestimmt das Leben im amerikanischen Norden seit Jahrtausenden. Bild: Getty

Der Pazifische Lachs ernährt Wale, Robben, Bären und Vögel – und prägt ein ganzes Ökosystem. Auch der Alltag der Menschen in hohen Norden Amerikas ist bestimmt vom Fisch und der Jagd nach ihm.

          7 Min.

          Am Hafen von Auke Bay ist an diesem Morgen nicht viel los. Das kleine Örtchen bietet einen Blick auf Mount McGinnis. Nicht weit entfernt ist der prächtige Mendenhall-Gletscher, der bläulich schimmernd im Tal liegt. Möwen kreischen. Auf einem Laternenmast sitzt ein Weißkopf­seeadler-Paar. Whale-Watching-Schiffe schaukeln verlassen an ihren Anlegestellen. Ende September neigt sich die Fischsaison in Juneau, der kleinen Hauptstadt Alaskas, ihrem Ende zu. Viele pazifische Lachse sind schon zum Laichen die Flüsse hinaufgeschwommen.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Kapitän Grant Moore ist dennoch zuversichtlich, noch ein paar Exemplare im Ozean zu fangen. Er habe da eine Idee, sagt der 46 Jahre alte bärtige Mann und zeigt auf sein Trolling-Boot. Vom Hafen aus geht es vorbei am Tongass National Forest durch den Saginaw Channel. Ziel ist der Leuchtturm am Point Retreat. Eine gute Stunde fährt man raus, vorbei an der nördlichsten Spitze der neunzig Meilen langen Admiralty Island.

          Bären und Fichten

          Touristen sehen den Leuchtturm zumeist bei der Einfahrt nach Juneau von ihren Kreuzfahrtschiffen aus. Nur wenige gehen aber hier an Land. Auf der Insel gibt es nur ein kleines Dorf namens Angoon, eine Siedlung der Tlingit. Die Tlingit, das größte einheimische Volk im südöstlichen Alaska, nennen die Insel Kootznahoo, was sich mit Braunbär-Festung übersetzen lässt. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine dichter lebende Braunbär-Population. Die Landschaft in der Panhandle Alaskas, die im Osten an die kanadische Provinz British Columbia grenzt, ist geprägt vom ozeanischen Klima, das erst weiter nördlich subpolar wird: Gemäßigter Regenwald bestimmt die Insellandschaften. 220 Regentage im Jahr gibt es in der Region. An diesem Tag aber strahlt die Sonne. Die Tannen- und Fichtenwälder in den Bergen leuchten blaugrün.

          Grant hat angesichts des schönen Wetters gute Laune. Während er sein Boot losmacht, erzählt er Anekdoten aus seinem Fischerleben. Er ist ein erfahrener Angler. Ein Foto zeigt ihn neben einem Heilbutt. Der Fisch, der im nördlichen Pazifik ebenfalls verbreitet ist, ist deutlich größer als er. Grants Leidenschaft ist aber das Lachsfischen. Der Kapitän besitzt fünf Charterboote. Seit 17 Jahren verleiht er sie oder fährt selbst kleine Anglergruppen aus. Auch an diesem Morgen hat er einen guten Riecher.

          Boote im winterlichen Auke Bay, im Südosten Alaskas.
          Boote im winterlichen Auke Bay, im Südosten Alaskas. : Bild: Picture Alliance

          Am Point Retreat angekommen, hält er das Trolling-Boot an und schnappt sich die Schleppangelruten vom Dach. Er steckt sie nun hinten in die Halterungen ein, verbindet Schnur und Köder und kramt dann einen bespiegelten „Flasher“ hervor, ein Lockblech, dessen Lichteffekte unter Wasser die Lachse neugierig machen sollen.

          Zum Schleppangeln gehört schließlich ein sogenannter Downrigger: Der elek­trische Ausleger, an dessen Stahlseil eine Bleikugel befestigt wird, sorgt dafür, dass die Angelschnur den Wobbler genannten Kunstköder auf die richtige Tiefe bringt: dorthin, wo die Lachse schwimmen. Die Angelschnur wiederum ist mit einer Klemme mit dem Stahlseil verbunden. „Wenn die Fische anbeißen, löst sich die Schnur, und die Rute fängt an zu wackeln“, erklärt Grant. „Also: Augen auf.“ Er gehe auf eine Tiefe zwischen 20 und 70 Fuß, sagt der Kapitän und zeigt auf die Tiefenskala.

          Da ist was am Haken

          Es dauert nicht lange, dann ruft Grant: „Fish on.“ Jetzt heißt es: Angler gegen Lachs. Nun holt man die Rute aus der Halterung, klemmt sie sich vor den Bauch und fängt an aufzuspulen. Dann beginnt der Drill, der Kampf des Anglers mit dem Fisch. Man spult auf, gibt mitunter Schnur und zieht die Rute dann wieder ein Stück höher. So entkräftet der Fisch mit der Zeit. Als er an der Wasseroberfläche sichtbar wird, gibt Grant dem Angler Anweisung, auf welche Seite er den Fisch zu ziehen hat. Dann schnappt er sich den Kescher und hievt damit den Fisch an Bord: „Wow, ein Coho!“, ruft Grant. Es ist ein Silberlachs. „Eine echte Schönheit.“

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