https://www.faz.net/-gxh-qfmg

: Künstliche Wunderunterwelt: Dubai will Taucher ins Wasser locken

  • Aktualisiert am

Die Behauptung, der Persische Golf sei ein Paradies für Taucher, klingt wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Das Gewässer gilt unter Eingeweihten als noch nicht einmal durchschnittliches Revier.

          2 Min.

          Die Behauptung, der Persische Golf sei ein Paradies für Taucher, klingt wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Das Gewässer gilt unter Eingeweihten als noch nicht einmal durchschnittliches Revier. Sogar Sultan Ahmed bin Sulayem, der Vorsitzende der mächtigen regierungseigenen Entwicklungs- und Erschließungsgesellschaft Nakheel der Vereinigten Arabischen Emirate, sagt: "Der Persische Golf ist zu flach. Damit ist die Vielfalt der Unterwasserwelt dort stark beeinträchtigt." Doch für ihn ist das kein Grund, nicht doch von einem Taucherparadies zu sprechen. Sein Unternehmen plant Gigantisches, wie es längst üblich ist in Dubai: "The Dive Experience" soll mit künstlichen Riffen, Klippen und Unterwasserbergen die Eigenheiten der großen Tauchreviere dieser Erde kopieren.

          Ausgangspunkt für das orientalische Unterwassermärchen, das als weltgrößter, von Menschenhand geformter "Tauchpark" vorgestellt wird und bereits im nächsten Jahr freigegeben werden soll, ist die ebenfalls künstliche Insel "The Palm Jumeirah". Ihre siebzehn mit Villen, Hotels und Einkaufszentren bebauten Palmwedel sind von einem halbmondförmigen Riff vor der See geschützt. Unmittelbar vor dieser insgesamt elf Kilometer langen und zweihundert Meter breiten Barriere beginnt das Phantasiereich der "Dive-Park"-Planer.

          Wer will, kann von dem luxuriösen Tauchzentrum aus jeden Tag eine neue Unterwasserreise zu den schönsten Tauchrevieren der Welt unternehmen, die vor Dubai nur zehn oder zwölf Meter unter dem Meeresspiegel liegen werden. Unterwasserarchitekten versuchten sich in Kopien der Unterwasserwelten von Belize, den Cayman-Inseln und jenen von Südafrika; an der einen Stelle soll sich der Taucher im Roten Meer wähnen, an einer anderen am australischen Great Barrier Reef; die Inselwelt von Palau in der Südsee wird ihm vorgegaukelt ebenso wie die der Malediven.

          Grundlage der künstlichen Riffe sind versenkte Schiffe, Eisenbahnwaggons, ein Airbus 300, eine Iljuschin 86 und zwei F-100 Super Sabre (unser Foto), Kampfflugzeuge der französischen Luftwaffe, die zuletzt in Djibouti stationiert waren. In den von Kanten und Schadstoffen befreiten Wracks sollen sich exotische Fauna und Flora ansiedeln. Aber auch zwischen Repliken römischer Säulen, arabischer Windtürme und ägyptischer Pyramiden werden die Taucher schwimmen können: in der nostalgischen Geschichtsabteilung der Dubai-Wasserwunderwelt, die "Lost City" heißen wird. Spektakulär ist auch der Plan für das innerhalb des Halbmonds gelegene Revier "Snorkler´s Cove". Dort sollen tauchende Schatzsucher auf die Suche nach einem am Meeresboden versteckten Goldbarren gehen. Wird der ein Kilogramm schwere Block gefunden, soll gleich ein neuer hinabgelassen werden.

          Die Unterwasserjagd nach dem Edelmetall macht deutlich, daß es den Planern weniger um eine professionelle Tauchbasis für ernsthafte Taucher geht. Ihnen ist es eher um einen überdimensionierten Unterwasserzirkus zu tun, einen Vergnügungspark am Meeresboden - und nicht zuletzt um einen Superlativ, dessen Echo in aller Welt zu vernehmen sein wird.

          Vom "achten Weltwunder", das am Persischen Golf entsteht, sprechen die Marketingstrategen des Emirats. "The Dive Experience" soll ein Beitrag dazu sein. Spaß sollen dort vor allem solche Menschen haben, die das Surrogat der Wirklichkeit über alles liebengelernt haben. In Belize oder in Südafrika wachsen nun einmal keine römischen Säulen und Pyramiden aus dem Meeresboden. Aber in Dubai. Rainer Schauer

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes gehen am Abend kurz vor Beginn der Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie durch die Innenstadt von Hannover.

          Einheitliche Corona-Regeln : Wann kommt die bundesweite Notbremse?

          Das Kabinett hat die bundesweite Notbremse beschlossen. Bis das Gesetz durch das Parlament kommt, dauert es aber noch. Denn die Opposition will nicht, dass die Beratungsfrist verkürzt wird.
          In der nächsten Saison nicht mehr in Frankfurt: Trainer Adi Hütter

          Hütter verlässt die Eintracht : Schlag ins Gesicht

          Dass Spieler gehen, wenn es läuft, ist im Fußball akzeptierte Wirklichkeit. Das vorzeitige Bye-bye von Sportvorständen und Trainern aber nicht. Vor allem, wenn darin kein sportlicher Aufstieg erkennbar ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.