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Zeitenwende für Kuba : Götterdämmerung im Tropensozialismus

  • -Aktualisiert am
Dann spielen wir eben Domino: Zeittotschlagen in der sozialistischen Mangelwirtschaft.

Wenn die Karibik eine Metropole hervorbringt, dann geht das natürlich nicht ohne eine Melange aus Europa und Lateinamerika, Afrika und Nordamerika, angereichert mit einer Prise Asien. Havanna verfügt deshalb über eine Casa de Asia und eine Casa de los Árabes, und die Casa de África dokumentiert mit Tausenden von Exponaten die Geschichte der Sklaverei in der Karibik, die Kulturen der Herkunftsländer auf dem Heimatkontinent und die afrokubanischen Religionen Santería und Abakuá. Dass vor allem die Musik – ob Rumba oder Son, Mambo, Bolero, Salsa oder Trova – vom afrikanischen Erbe lebt, ist in Kuba Tag und Nacht zu spüren. Wenn am frühen Nachmittag im Café Paris ein Sextett kubanische Rhythmen spielt, hält es auch ältere Damen nicht mehr auf ihren Stühlen, der Koch kommt aus seinem Verschlag, und sogar die Klofrau schwingt die korpulenten Hüften.

Warten auf den „Buena Vista Social Club“

Die zahlreichen Touristen sind dabei kein Fremdkörper, schließlich ist auch ihnen der globale Erfolg der kubanischen Musik zu verdanken. Das gilt selbst für Kubas heimliche Nationalhymne „Guantanamera“: Die Melodie stammt vom Kubaner Joseíto Fernández, später wurde sie mit den berühmten Versen des Nationaldichters und Freiheitskämpfers José Martí unterlegt: „Yo soy un hombre sincero, de donde crecen las palmas.“ Aber erst als in den sechziger Jahren der nordamerikanische Sänger Pete Seeger das spanische Original mit englischen Texten kombinierte, wurde das Lied zu einer Hymne der weltweiten Protestbewegung.

Nicht anders erging es dem beinahe vergessenen Sound des Son, einer Musik der Campesinos und Quelle vieler kubanischer Rhythmen: Als der nordamerikanische Musiker Ry Cooder 1996 für seinen „Buena Vista Social Club“ die alten Herren Compay Segundo, Ibrahim Ferrer und andere Veteranen dieser Musik aufstöberte und Wim Wenders dazu den passenden Film drehte, kam der Son auf dem Umweg seiner Weltkarriere zurück nach Havanna. Jetzt ist er wieder überall zu hören, das Grab von Ibrahim Ferrer auf dem Cementerio Colón gilt längst als Wallfahrtsort, und das ehemalige Wohnhaus von Compay Segundo im Stadtteil Miramar ist zum Museum umfunktioniert worden. Nun fehlt nur noch die Wiederentdeckung des ursprünglichen „Social Club“, den es im westlichen Stadtbezirk Buena Vista tatsächlich gab. Das Haus steht noch heute, aber kaum etwas erinnert daran, dass dort einst die besten Musiker des Landes auftraten. Die Renaissance dieses Etablissements dürfte aber nur noch eine Frage der Zeit sein – vorzumerken für den nächsten Besuch in Havanna.

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