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Kreuzfahrt in Südostasien : „Das wahre Sehnsuchtsland der Deutschen ist doch Oberbayern“

Auslaufen im Abendlicht: Die Aida Bella am Hafen von Bangkok Bild: Julia Bähr

In Koh Samui baden, aber abends deutsch essen, denn da weiß man, was man hat: Wer mit der Aida Bella durch Südostasien reist, hat Deutschland immer im Schlepptau. Ein Erfahrungsbericht.

          7 Min.

          Wir stehen auf dem Oberdeck, als ich mich meiner Mutter am nächsten fühle. Das Schiff feiert eine Alpenglühn-Party mitten im Südchinesischen Meer, von den Lampen hängen Deko-Brezeln aus Plastik, Animateurinnen tragen Dirndl und lassen Gäste Nägel in einen Holzklotz hauen. Unter uns tanzen Hunderte von Passagiere in der feuchtwarmen Nachtluft Discofox zu „Anton aus Tirol“ und „Fiesta Mexicana“. Eine philippinische Bedienung singt mit, während sie Biergläser durch das Feiervolk trägt. Die Pools erstrahlen in leuchtendem Blau, manche Gäste allmählich auch. Meine Mutter wollte nicht zu dieser Party gehen, ich habe sie überredet, es sei doch Teil des Sightseeings auf dieser Reise. „Weißt du“, sagt sie nach einer Weile, „hier sieht man es mal wieder ganz deutlich: Das wahre Sehnsuchtsland der Deutschen ist doch Oberbayern.“

          Julia Bähr
          Audience Managerin bei FAZ.NET.

          Wie recht sie damit hat, wird mir mit jedem Tag an Bord klarer. Wir fahren mit der Aida Bella von Bangkok nach Malaysia und Singapur, aber eigentlich bleiben wir in einer Art schwimmendem Rosenheim, von dem aus wir mit den zweitausend anderen Passagieren Tagesausflüge machen. Hier wird deutsch gesprochen, in den Musicals deutsch gesungen, in den Küchen deutsch gekocht, und zwar mit eigens importierten deutschen Lebensmitteln. Die Einzigen, die südostasiatisches Essen bekommen, sind die Angestellten. Auf den oberen Decks hingegen sind Kartoffeln, Schweinefleisch und das Bier aus einer Zapfanlage zur Selbstbedienung elementar. An einem Abend taucht ein Mitreisender mit äußerst zufriedenem Gesicht und geschmolzenem Raclettekäse am Tisch auf. Das mag sonderbar wirken bei siebenundzwanzig Grad Außentemperatur, aber von denen spürt man in einem vollklimatisierten Speisesaal ohnehin nichts. Drei große Selbstbedienungsrestaurants versorgen die Gäste auf dem Schiff, hinzu kommen eine Sushi-Bar, ein Steakhaus, ein Gourmetrestaurant sowie eine kleine Pizzeria, die immer offen hat.

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