https://www.faz.net/-gxh-a20zi

Zurück auf dem Meer : Eine Kreuzfahrt unter Corona-Bedingungen

Die Einsamkeit des Kreuzfahrers: Die Aussichtsbrücke am Heck erlaubt kontemplative Momente. Bild: Andrea Diener

Mit der Mein Schiff 2 wagt sich TUI Cruises als erster Kreuzfahrtanbieter wieder aufs Meer. Wie sieht eine Schiffsreise unter Corona-Bedingungen aus?

          7 Min.

          Wo sind eigentlich die ganzen Leute? Am Pooldeck findet man noch leere Liegen, eine Familie sitzt allein im Whirlpool, ein paar Paare verlieren sich, in Decken gepackt, auf den Sesseln, ein vereinzeltes Kind steht mit seinem Vater am Eisstand. Gewimmel sieht anders aus. Nirgendwo Schlangenbildung, kein wildes Gemurmel am Büfett, sondern Mitarbeiter, die das Gewünschte reichen und sogleich mit der Glosche verdeckeln, damit einem auf dem Weg zum zugewiesenen Tisch niemand darauf hustet. Die Bars locker besetzt, die Barhocker abgesperrt, einige Sessel müssen frei bleiben, einige Tische wurden aus den Restaurants entfernt. Vier Menschen teilen sich den Aufzug, jeder steht diszipliniert in seiner markierten Ecke. Gruppen und Familien sitzen zusammen, der Rest hält Abstand. Und ohne Maske läuft hier niemand über den Gang. Wenn Kreuzfahrtschiffe schwimmende Städte sind, dann ist hier gerade deutlich weniger los als samstags in den meisten Fußgängerzonen.

          Andrea Diener
          Redakteurin im Feuilleton.

          Es sieht so aus, als wüssten die Passagiere der Mein Schiff 2 sehr gut, dass momentan einiges von ihnen und ihrem Wohlverhalten abhängt. Seit einer Woche ist das Kreuzfahrtschiff der Reederei TUI Cruises wieder unterwegs, als erstes großes Schiff weltweit. Im Hamburger Hafen legen wir vom Cruise Terminal Steinwerder ab, werden kontaktlos eingecheckt, gründlich desinfiziert, temperaturgecheckt und mit den neuen Regeln vertraut gemacht. Diese sehen erst einmal keine Landgänge vor, sondern vier Nächte auf der Nordsee und einen technischen Stopp in Oslo, als „Blaue Reise“ vermarktet TUI diese Fahrten. Die Passagiere stört es nicht. Nur zwei Wochen Zeit hatte TUI Cruises, die Reise bei Reisebüros und über Newsletter und Social-Media-Kanäle zu vermarkten, immerhin tausendeinhundert Passagiere haben sich eingebucht. Bei den nächsten Reisen werden es 1300 und 1400 Reisende sein, die sich auf die 2900 Betten verteilen – was recht gut erklärt, warum überall so viel Platz ist. Vorerst wird das auch so bleiben, denn die Reederei hat sich verpflichtet, maximal sechzig Prozent der Betten zu belegen.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Spezialisiert: Akasol liefert Batterien an Autozulieferer.

          Batteriespezialist Akasol : In einer Liga mit Tesla

          Aus einer studentischen Forschungsgruppe namens Akasol ist in Darmstadt ein „Hidden Champion“ geworden, der im Begriff ist, den Weltmarkt zu erobern. Für den Standort Hessen ist das Sieg und Niederlage zugleich.
          Edgar Engist mit seinen Hunden und Schafen auf seiner Wiese in Bollschweil. Der Schäfer fragt sich, warum Wölfe so viel mehr wert sein sollen als seine Arbeit.

          Landfrust : Im Würgegriff der Bürokraten

          Von Wolf bis Windkraft: Gut gemeinte Vorschriften, die in fernen Großstädten erdacht werden, treiben die Selbständigen auf dem Land in den Wahnsinn.