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Satiriker auf Corona-Tour : Die Glorreichen schieben

  • -Aktualisiert am

Corona-Ride der „Kraftradgruppe Frohsinn“ 2020 Bild: Til Mette

Mystische Vogelwesen, malade Maschinen: Wie eine Clique deutscher Cartoonisten und Satiriker als „Kraftradgruppe Frohsinn“ auf Tour ging, um die Welt vor der zweiten Seuchenwelle zu bewahren.

          8 Min.

          Man muss doch was tun! Immer weiter rollt und rauscht die Corona-Welle, von der ersten nun zur zweiten, ganze Städte und Regionen fallen zurück in den lähmenden Lockdown. Doch solange kein seriöser Impfstoff da ist, helfen wohl nur die alten Hausmittel: Händewaschen und Abstandhalten – oder ein rettender, uns alle schützender Corona-Ride! Die „Kraftradgruppe Frohsinn“ opferte sich auf und ging auf große Büßer-, Pilger- und Fürbittfahrt. Gegen Corona. Für alle Pestilenz- und Seuchenkranken.

          Nicht selten, das gebe ich freimütig zu, steckt hinter einer solchen Unternehmung ja auch der ganz eigene, egoistische Überlebenswille. In der Enge der Metropolen nistet und gedeiht das gefährliche Virus. Wer überleben will, flieht die brodelnden Krisen- und Seuchenherde: raus mit der Maschine, rein in die sichere, freie und gutgelüftete Natur. Selbstverständlich trug die Kraftradgruppe die vorgeschriebene Schutzkleidung: gegerbte Lederhäute an den Extremitäten und obendrauf polyamidverstärkte Schutzhelme. Manche steckten sich sogar kleine, glimmende Heilkräuterstäbchen in den Mund, um giftige Ausdünstungen abzuwehren und die Atemluft zu verbessern.

          In Gütersloh hätte unsere Wallfahrt eigentlich beginnen sollen, doch ohne dass man uns Bescheid gegeben hätte, war die Stadt aus Corona-Gründen plötzlich abgeriegelt worden. Kurzerhand verlegte der Präsident den Start nach Paderborn. „Passt auch viel besser“, raunte der bullige Mann, „dort hat’s wenigstens ’nen ordentlichen Dom.“

          Unser Präsident ist auch der Gründer und spirituelle Führer dieses dubiosen Motorradclubs. Weil er als angesehener Großcartoonist aus Hamburg nicht immer nur alleine auf seiner alten Triumph durch die Gegend knattern wollte, scharte er Satiriker, Cartoonisten und Kabarettisten um sich und gründete die „Kraftradgruppe Frohsinn“. Aufnahmebedingung war lediglich der Besitz eines motorisierten Zweirades. Und weil der Präsident ein großes Herz hat, hält er seinen Verein auch für die Alten und Schwachen geöffnet, für greise Kawasaki-Kabarettisten, kritzelnde Kettenraucher auf BMWs, komplexbeladene Harley-Angeber oder einen spektakulär untermotorisierten Zweitakt-Zeichner aus der ehemaligen DDR, der seine Jawa als postsozialistischen Schrott im Straßengraben gefunden hatte. Sogar ein Rollerfahrer durfte mit! Erst war ich dagegen, weil ich fürchtete, dass man uns dann den Titel „Kraftradgruppe“ wieder aberkennen würde – doch der schnittige Roller hatte als Einziger einen richtigen Fuchsschwanz hinten dran. Und das wirkte eindeutig mankoausgleichend.

          „Wir werden als rollende Hochrisikogruppe ein Zeichen setzen.“

          Paderborn also. Seit fast einem Jahrtausend ist die Stadt der plätschernden Paderquellen das geistige und kulturelle Zentrum der Gegend um Paderborn. Schon im 13. Jahrhundert entstand hier der erste steinerne Dombau, der aber sofort nach Fertigstellung als unbefriedigend, als zu groß, zu steinern empfunden wurde. Weswegen man keine 750 Jahre später das originalgetreu nach Architektenplänen gebaute, als schönster Betonkachelbau Paderborns bezeichnete Diözesanmuseum davorschob; es bildet nun zusammen mit dem trostlosen gotischen Gemäuer eine gelungene Synthese aus Hoch- und Tiefbau. Heute kommen Menschen aus allen Kontinenten, um Paderborn weiträumig zu umfahren.

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