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Korea : Wie fährt man auf dem Regenbogen Ski?

Die Abfahrtpisten von Alpensia sind allerdings nicht wettkampftauglich, sondern bessere Idiotenhügel. Doch alpine Maßstäbe und sportheorische Verklärungen des Mythos Berg sind hier unangebracht. Denn wir befinden uns in einem Freizeitpark, in dem der Schnee nur ein Teil der Vergnügungen ist. Der andere sind eine Geisterbahn mit einem Riesenplastikgorilla als Eingangstür, allerlei Spielhöllen, Karaoke-Bars, Bowlingkaschemmen und Bierkneipen, die alle „Hof“ heißen als stark verknappte Hommage an das Münchner Hofbräuhaus. Die Stimmung ist dort allerdings deutlich gedämpfter als im Original und auch als in den notorischen Spaßstätten der Alpen. Wir zumindest warten vergebens auf Après-Ski-Orgien mit Skistiefel-Striptease und sitzen stattdessen recht einsam am Tresen unseres „Hofs“. Später werde es bestimmt voller, sagt der Wirt, ein freundlicher junger Mann mit Grundschulenglischkenntnissen. Er meint vermutlich 2018.

Darauf einen Süßkartoffelschnaps

Wir ziehen lieber weiter, dorthin, wo man sich zwar nicht das Hirn aus dem Schädel säuft, dafür aber die Seele aus dem Leib singt: in eine Karaoke-Bar, dem Klimax des Exzesses im Nachtleben von Pyeongchang. Während wir in Plüschsesseln versinken wie der letzte Mohikaner, hören wir auf der kahlen Bühne einer versprengten Gruppe von Koreanern zu, die derart inbrünstig und so unfassbar schief singen, als wollten sie einmal, ein einziges Mal im Leben dem koreanischen Perfektionierungs- und Disziplinierungszwang entrinnen.

Die alpenländischen Hüttengrölhits vermissen wir trotzdem kein bisschen, nein, wir sind heilfroh, hier zu sein, und bestellen zur Feier des Tages Wein. Er habe nur einen Italiener da, einen Lambrusco dolce, sehr gute Wahl, einer der Lieblingstropfen seiner Nation, sagt der Kellner mit ganz ernsthaftem Lächeln und ohne jede Spur von Heimtücke. Wie kann das bloß sein, fragen wir uns schockiert, dass diese Italiener doch noch ein Land gefunden haben, dem sie ihre Steinzeitbilligplörre zu Barolo-Preisen andrehen können, den übelsten aller Schädelspalter, den man vermutlich in keinem einzigen anderen Skigebiet der Erde mehr bekommt? Diesen feinen Unterschied finden wir jetzt vollkommen überflüssig und bestellen nach Landessitte lieber Süßkartoffelschnaps, aber ja nicht dolce, Herr Ober.


 

Skifahren in Korea

Anreise: Korean Air (www.koreanair.com) fliegt täglich nonstop von Frankfurt nach Seoul. Vom 25. März an kommt der Airbus A380 zum Einsatz. Die Flugzeit beträgt 10,5 Stunden, die Preise beginnen bei 450 Euro in der Economy Class, 2745 Euro in der Prestige Class und 9250 Euro in der First Class. Die Prestige Class (Business Class) bietet Sitze, die sich zu einem flachen Bett verstellen lassen. Korean Air ist mehrfach für seine Bordmenüs ausgezeichnet worden, etwa für Bibimbap, ein nährstoffreiches Gericht aus Reis, Gemüse und Fleisch. Zum Skigebiet geht es vom Flughafen in drei bis vier Stunden mit Bus, Bahn oder Mietwagen.

Einreise: Für einen bis zu drei Monate dauernden Aufenthalt brauchen deutsche, österreichische und schweizerische Touristen nur einen Reisepass.

Informationen: Über das Skigebiet von Pyeongchang, die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 2018 und Südkorea als Reiseziel informiert die Koreanische Zentrale für Tourismus, Telefon: 069/233226, Internet: www.visitkorea.or.kr.

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