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Korea : Wie fährt man auf dem Regenbogen Ski?

Der eiskalte Atem von Pyeongchang

Ein ganzer Kerl, um im Bild zu bleiben, muss man nicht sein, um im Skigebiet von Yongpyeong zu bestehen. Für alte Alpinhasen mag es Pippifaxkindergeburtstag sein, doch ihr Urteil hat keine Bedeutung, denn Korea ist auch skifahrerisch noch immer ein Land der Morgenröte und Yongpyeong ein Anfängergebiet reinsten Wassers mit einem Dutzend Sesselliften und drei Dutzend Abfahrten, kaum eine länger als zwei Kilometer, die meisten so blau wie der Himmel, nicht eine einzige schwarz wie die Hölle, auch wenn ein paar Schneisen so markiert sind. Gar nicht schlecht fahren sich die vier Olympiapisten mit dem schönen Namen „Regenbogen“, die an der steilsten Flanke des Drachengipfels ins Tal führen und, wie alle anderen Abfahrten auch, so perfektionistisch präpariert sind, als habe man sie mit der Nagelfeile planiert.

Rasen kann man hier fabelhaft, denn auch der Schnee ist eine Wonne. Es fällt zwar kaum mehr als ein Meter pro Saison, den Rest müssen Schneekanonen besorgen. Doch die Luft ist so staubtrocken und eiskalt, dass sie aus dem Schnee feinstes, griffiges Granulat macht - perfekte Bedingungen bei idealem Skiwetter mit Dauersonnenschein, die nur der beißende Wind bei fünfzehn Grad unter null manchmal etwas trübt. Er ist allerdings auch enorm praktisch, wie wir an einer ebenen Stelle bei der Gipfelstation lernen, jedenfalls wenn er aus der richtigen Richtung kommt: Wir sparen uns nämlich das Anschieben und lassen uns stattdessen vom eisigen Atem Pyeongchangs an den Pistenrand bugsieren.

Skistiefel mit Stiletto-Absätzen

Jede Klage über die Kälte verbietet sich schon allein deswegen, weil sich die Kollegen Skifahrer wie die Schneekönige über sie freuen, vor allem die ausländischen Asiaten, die drei von zehn Skifahrern in Pyeongchang stellen. Wir sehen zum ersten Mal in unserem Skifahrerleben verschleierte Wintersportlerinnen aus Malaysia und tiefgefrorene Tropenbewohner von den Philippinen, schlotternde Großfamilien aus Indonesien und chinesische Kleinfamilien mit kugelrunden Kindern, die zu Kleine-Kaiser-Möpsen verhätschelt werden. Nur die grell geschminkten Pelzmützen-Russinnen vom Klischeeabziehbild, die wahrscheinlich am liebsten Skistiefel mit Stilettoabsätzen trügen, kommen uns aus St.Moritz vertraut vor.

Doch anders als dort sind hier fast alle Debütanten auf den Brettern, die kichernd und kreischend, gackernd und krakeelend auf dem Schnee herumrutschen, dass es eine Freude ist, dabei gerne neonfarbenen Partnerlook und großflächig mit Peace-Zeichen oder asiatischen Kastenkopf-Comics bedruckte Overalls tragen und sich trotz aller Vergnüglichkeit immer tadellos benehmen. Hier gibt es keine Raser, Drängler, Nörgler, Pöbler, Trinker und schon gar kein missmutiges Gondelpersonal, sondern lauter zuvorkommende Liftboys, die bei jedem Skifahrer unter Verbeugungen artig ihr Sprüchlein aufsagen. Ob das Missionierungsversuche seien, wollen wir wissen, schließlich gehöre Yongpyeong der Mun-Sekte. Nein, nein, das seien Sicherheitshinweise, sagt man uns, man sei eben noch nicht so geübt im Liftfahren. Dafür sind die Koreaner Meister im militärisch disziplinierten Schlangestehen, was gar nicht so selten passiert, weil die Neueröffnungen von Resorts mit der epidemisch wachsenden Zahl von Skifahrern nicht Schritt halten können.

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