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Kontrolle ist alles : Die Kunst, sich neu zu erfinden

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Bloß nichts Sexuelles!

„Nacktheit zum Beispiel ist okay, aber nichts Sexuelles“, versucht Thu die Regeln für erwünschte Kunst zu erklären, die so willkürlich scheinen. Politisch dürfe die Kunst nicht sein, und schon gar nicht irgendetwas mit Ho Tschi Minh oder der Partei zu tun haben. Es hilft aber, wenn jemand Verwandte im Kulturministerium hat.

Nicht weit vom „Manzi“ nimmt der Komplex der Hanoi-Universität der Schönen Künste einen ganzen Block ein. Es ist die beste Kunsthochschule des Landes, und die Stadt ist stolz darauf. Gerade präsentiert dort die diesjährige Abschlussklasse ihre Arbeiten: impressionistische Gemälde, auf denen Fischer im Lichtspiel des Mekong ihrer Arbeit nachgehen. Maschinen und Fabriken im Stil des Sozialistischen Realismus. Plastiken nach dem Vorbild der griechischen Klassik. Ausgerechnet hier wirkt die Kolonialzeit fort, die die Partei doch eigentlich vergessen will.

Es gibt zwei Arten von Künstlern in Vietnam. Gut ausgebildete, die innerhalb des Systems arbeiten, oft Mitglied in der staatlichen Künstlerorganisation sind - und die Wahl haben zwischen traditionell vietnamesischer Kunst wie Seiden- und Lackmalerei und dem, was man für europäische Klassiker hält. Dann gibt es solche Künstler, die sich nicht an die Vorgaben des Kulturministeriums halten, Einflüsse in der ganzen Welt suchen - und die von staatlicher Seite am liebsten zum Schweigen gebracht würden.

Und es gibt K-Max. Eigentlich heißt er Kiêt Anh Lê, aber alle nennen ihn nur bei seinem Crew-Namen. Wer Lê und seinen Mitstreitern begegnet, kommt in Versuchung, die Straßenseite zu wechseln: Die Arme zur Pose verschränkt, dunkler Blick und Tattoos bis zum Hals haben alle drei gemeinsam. Außerdem haben sie noch einen kuscheligen Welpen und den einzigen Hiphop-Laden der Millionenstadt Da Nang, etwa 800 Kilometer südlich von Hanoi.

Aus der Reihe tanzen

Lê ist Breakdancer, aber er malt auch, vor allem Graffiti. Die Wände seines Cafés „CCG“ sind übersät davon. Lê braucht dafür keine Lizenz. „Für die Behörden ist das Deko“, winkt er ab. Für ihn aber ist Hiphop das Leben. Schon als Kind tanzte er nach der Schule jeden Tag zu Breakbeats, heute steht auf dem Rücken des 23-Jährigen in dicken Lettern „Born to break“.

„Die Menschen hier denken, Hiphop sei böse“, erzählt Lê. Seine Mutter hatte früher Angst, er würde kriminell werden und Drogen verkaufen. Dabei sei die Botschaft genau das Gegenteil: Spaß haben, freundlich sein, das eigene Leben nicht in ausgetretenen Pfaden denken. Für Lê heißt das: malen, tanzen und den besten Kaffee der Stadt im „CCG“ verkaufen. Alkohol wird hier nicht viel getrunken, dafür kann man sich in einer Ecke die Haare im neuesten Style schneiden lassen oder T-Shirts kaufen, die ein Freund entwirft. Die meisten Gäste kommen morgens vor der Arbeit. Um 22 Uhr dreht Lê die Musik runter und schließt das Café. Die Frage, ob seine Kunst politisch sei, versteht Lê nicht. Er kennt Krieg und Kolonialzeit nur vom Geschichtsunterricht. „Das sind nur Informationen für mich.“ Lê sagt: „Ich will auch nur Teil dieser globalen Welt sein. Am Ende sind wir alle gleich.“ Lê und seine Freunde wissen nichts vom Kampf um Freiheit und Raum in Saigon. Auch nichts von der Kunstpolizei in Hanoi. Bob Marley lächelt von der Wand hinter ihnen. Vielleicht weiß die neue Generation mehr, als es scheint.

Der Weg nach Vietnam

Anreise: Ab circa 600 Euro mit Vietnam Airlines nonstop ab Frankfurt (Main) nach Saigon oder Hanoi, ab Berlin ebenfalls etwa 600 Euro mit Qatar Airways mit Stopp in Doha

„Hotel Majestic Saigon“, Doppelzimmer ab 125 Euro pro Nacht. Weniger historisch-charmant, aber doch empfehlenswert ist in der Hauptstadt des Landes (die eigentlich nur seine zweitgrößte ist) das „Silk Path Hanoi“, Doppelzimmer ab 60 Euro die Nacht

Kunst: Café „L’Usine“ in 151/1 Dong Khoi Street, Saigon, mehr unter www.lusinespace.com „Manzi Art Gallery“ in Hanoi, 14 Phan Huy Ích „CCG“ Das Café des Künstlers K-Max liegt in Da Nang, 35 Nguyn Chí Thanh, facebook.com/ccgmofos.

Veranstalter: Enchanting Travels ist ein führender Spezialist für maßgeschneiderte Reisen in Asien, Afrika und Südamerika, eine 10tägige Vietnamrundreise beispielsweise kostet 1825 Euro pro Person im Doppelzimmer (ohne internationale Flüge) www.enchantingtravels.de

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