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Fußpilz am Flughafen : Das Fußkondom

Totaldurchleuchtung: Der Körperscanner sieht alles, nur keine Hustenbonbons. Bild: dpa

Wehe, man steht im Körperscanner am Flughafen – und fragt dann nach den hygienischen Bedingungen am Boden. Ein Erfahrungsbericht.

          Ein Freund war mit einer langwierigen Fußpilzinfektion von einer Fernreise zurückgekehrt. Den Pilz, sagte er, habe er sich vermutlich in den Fußrahmen der Ganzkörperscanner am Flughafen geholt, auf die täglich Hunderte Passagiere mit ungewaschenen Socken treten. Deshalb bat ich, als ich auf dem Rückflug von Amsterdam nach Berlin an der Handgepäckkontrolle in Schiphol stand, um Plastiküberzieher für meine Füße.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Der fettleibige Uniformierte, den ich angesprochen hatte, starrte mich erst unwillig, dann breit grinsend an. „Dieser Mann will Überzieher!“, brüllte er durch die Halle. „Für seine Füße! Fußkondome!“ Eine seiner Kolleginnen reichte mir mit erboster Miene ein Paar blassblaue Plastikhauben. Dann trat ich in den Körperscanner. Der Bauchträger folgte mir mit hasserfülltem Blick.

          „Haben Sie Ihre Hosentaschen vollständig geleert?“

          Hinter dem Scanner wartete ein sehr großer, sehr blonder Holländer mit blassblauen Augen. „Haben Sie Ihre Hosentaschen vollständig geleert?“, fragte er. „Ja“, sagte ich. – „Das stimmt nicht. Da ist noch etwas in Ihren Taschen.“ Ich zog ein Stofftaschentuch aus meiner linken Vordertasche. „Sie haben recht, ein Taschentuch.“ – „Nehmen Sie es in Ihre Hand. Und halten Sie die Hände nach oben.“ Er griff mir mit masseurhafter Gründlichkeit zwischen die Beine. „Sie haben immer noch etwas in der Hosentasche.“ – „Ich glaube nicht.“ – „Zeigen Sie mir, was Sie in den Taschen haben.“ Ich schob das Stofftaschentuch in meine linke Hand und zog mit der rechten ein Papiertaschentuch aus meiner Gesäßtasche. „Das ist ein Papiertaschentuch. Ich habe einen Schnupfen.“ – „Nehmen Sie es in die Hand. Und beide Hände nach oben.“ Er griff mir abermals an die Weichteile. „Zeigen Sie mir, was da noch in Ihrer Tasche ist.“ Ich wühlte in meiner Hose, bis ich in der Tiefe der rechten Vordertasche ein Bonbon fand. „Das ist gegen meinen Husten. Ich habe Schnupfen und Husten.“ – „Nehmen Sie es in die Hand. Und ziehen Sie Ihre Brille aus.“ Er betrachtete meine Brille gründlich von allen Seiten. „Sie können gehen.“

          Aldous Huxleys Roman „Schöne neue Welt“ erschien 1932, George Orwells „1984“ siebzehn Jahre später. Die Anzahl von Körperscannern an europäischen Flughäfen nimmt stetig zu. Der Durchseuchungsgrad der Bevölkerung mit Fußpilz liegt nach einer älteren Statistik in Deutschland und den Niederlanden um die zwanzig Prozent, in Ungarn bei knapp unter fünfzig, in Russland bei über achtzig Prozent. Neuere Statistiken sind nicht zu bekommen. Man ahnt, warum.

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