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Kleine Antillen : In der geheimen Welt

Im Mittelpunkt, ganz weiß: Colin Tennant, der die Insel vor 50 Jahren gekauft hat. Daneben trohnt Prinzessin Margarete. Bild: Getty

Fünfzig Jahre Tourismus auf Mustique: Die kleine Insel mit nur sechs Quadratkilometer gilt als exklusivstes Refugium der Karibik. Was ist ihr Geheimnis?

          10 Min.

          Das Boot des Fischers hatte die Größe eines Ruderkahns, es sah nicht wie etwas aus, das aufs offene Meer gehört, es sah aus, als hätte es seine besten Tage schon hinter sich, aber der verölte Motor sprang gleich beim ersten Mal an und ging nicht wieder aus, und so verließen wir, als alle anderen noch schliefen, die Britannia Bay. Die Sonne war gerade erst aufgegangen und schickte ein paar Strahlen durch die zu Phantasiegebirgen aufgetürmten Wolken, die sich diese Einmischung verbaten und die Sonne umgehend wieder verschwinden ließen. Es war trotzdem warm, ein leichter Wind wehte über die Berge leerer Muschelschalen, die die Fischer im Hafen zu einer Mole aufgetürmt hatten und die im Licht und in der Hitze und der salzigen Luft ihre rosa Farbe verloren und kalkweiß wurden. Der Fischer schaute schweigsam unter seiner blauen Baseballkappe hervor, klemmte sich die Pinne unter den rechten Arm und befestigte einen Köderfisch am Angelhaken. Ein quergelegtes Brett, dessen Ende auf einem Benzinreservekanister ruhte, diente als Sitzbank.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Hinter uns lag Mustique: nicht einmal sechs Quadratkilometer groß, 13 Strände, etwas mehr als 100 Villen, ein Fischerdorf. Wir überholten ein paar andere Fischer, die in noch winzigeren Booten in der Dünung trieben, und die Bucht wurde, als das Boot sich in die Wellen vorkämpfte, kleiner, man konnte jetzt nur noch die hellen Umrisse von Basils Bar erkennen.

          Mustique gehört zu St. Vincent und den Grenadinen
          Mustique gehört zu St. Vincent und den Grenadinen : Bild: MC

          Der Fischer mochte Basil, aber jeder auf der Insel mochte Basil, außer vielleicht Colin Tennant in dem Moment, als Basil über den Tresen gesprungen war und ihm einen Schlag unters Kinn versetzt hatte, weil Tennant ihm vorher ein Glas Wasser über den Kopf gekippt hatte – aber das war im Jahr 1976 gewesen, und ein paar Tage später waren sie schon wieder Freunde. Jeder, der nach Mustique kommt, bekommt die Geschichte von Colin Tennant und Basil Charles erzählt, ohne die beiden gäbe es die Insel nicht, jedenfalls nicht in dieser Form. Der 1926 geborene Colin Tennant hatte Mustique 1958 für 45 000 britische Pfund gekauft und war trotzdem von seinen Freunden für wahnsinnig erklärt worden, weil er aus ihrer Sicht für die damals auch nicht geringe Kaufsumme nicht viel mehr als ein paar verlassene Baumwollplantagen, eine Fischersiedlung und zahllose Mücken erstanden hatte, die der Insel ihren Namen gaben; niemand konnte damals ahnen, dass sich ein paar Buchten weiter die stillsten, wildesten, schönsten Strände der gesamten Karibik versteckten – und dass nur gut ein Jahrzehnt später Adlige, Superreiche und Rockstars hier mit ihren Propellermaschinen landen und von Mustique so ehrfürchtig sprechen würden, als schreibe man die Insel „Mystique“, mit Ypsilon.

          Die Schwester der Königin

          Die Verwandlung der kleinen Insel begann mit einem Geschenk. Tennant, der später zum Lord Glenconner geadelt wurde, hatte nach dem Militärdienst Völkerrechtsgeschichte in Oxford studiert, er hatte dort Prinzessin Margaret, die jüngere Schwester von Königin Elizabeth, kennengelernt, sich aber entgegen anderslautenden Gerüchten nicht mit ihr verlobt, und als die Prinzessin schließlich den Fotografen Antony Armstrong-Jones heiratete, fragte Tennant sie der Legende nach, ob sie zur Hochzeit lieber ein paar Cocktail-Shaker oder Land auf Mustique geschenkt haben wolle. Sie entschied sich für das Land und reiste bald mit dem frisch zum Earl of Snowdon geadelten Ehemann an, der schnell erkannte, dass es sich bei diesem Geschenk um einen romantischen Giftpfeil handelte, den Tennant ihm mitten in die Hochzeitstorte geschossen hatte – und als sich der Earl und die Prinzessin bald trennten, fragte sie ihren alten Freund Colin Tennant, ob zu dem geschenkten Grundstück auf Mustique, das der Earl erbost nur „Mustake“ nannte, denn auch ein Haus gehöre. Tennant bejahte die Frage, heuerte den berühmten Kulissenbauer Oliver Messel an und ließ ihr ein Haus entwerfen, das mit offenen Flügeln wie eine gebaute Liebeserklärung am schönsten und einem der höchsten Punkte der Insel steht: „Les Jolies Eaux“ ist kein protziger Palast, sondern eine großzügige, aber dezente Villa im Stil alter Kolonialbauten, mit Blick über menschenleere Palmendschungel und aufs offene Meer – im Osten auf den weiten Atlantik, der an die Felsen brandet, im Westen auf das weiche Idyll karibisch stiller, helltürkisfarbener Buchten und weißer Strände. Margaret kam und brachte Freunde mit, und Tennant machte alles richtig: Versuchte nicht, mit Hotelkästen viel Geld zu machen; baute das Dorf der Einheimischen neu auf, ließ Kokospalmen pflanzen, baute ein paar dezente Villen und eine Landebahn, aber eine, auf der keine Jets landen können, weswegen auch heute selbst Milliardäre entweder per Boot oder mit einer der kleinen weißgrünen Propellermaschinen einfliegen müssen, die ein wenig an Landrover mit Flügeln erinnern. So hielt er sich die Massen vom Hals.

          Der englische Adel spielt Verkleiden: Prinzessin Margarete mit Turbanhaube und Colin Tennant mit Veilchen.
          Der englische Adel spielt Verkleiden: Prinzessin Margarete mit Turbanhaube und Colin Tennant mit Veilchen. : Bild: Getty

          Tennant kontrollierte mit der ihm eigenen britischen Exzentrik genau, wer auf die Insel kommt. Man wurde und wird nur auf die Insel gelassen, wenn man sich in einem der beiden Hotels oder in einer Villa eingemietet hat, die für den Preis eines kleinen bis luxuriösen Autos zu haben sind – pro Woche. In der Nebensaison gibt es schon Villen für 11 000 Euro, in der Regel beginnen die Preise bei 20 000 Euro und hören bei 85 000 Euro an Weihnachten nicht auf. Das klingt erst einmal obszön, aber wenn man sieht, dass die Villen mit bis zu 18 Leuten belegbar sind, ist man theoretisch pro Tag ab 160 Euro dabei – und dafür haben die Villen auch noch einen ausgewiesen großartigen Koch (Kunden in diesem Segment reagieren besonders verschnupft, wenn das Essen verkocht ist, also wird bei der Auswahl sehr genau hingeschaut) und mehrere Angestellte im Preis eingeschlossen. Andererseits hielt von Anfang an ein gut funktionierender Sicherheitsdienst Schaulustige von der Insel fern, und auch das sprach sich herum – und so kamen all die, die nicht wollen, dass zu viele andere kommen; Mick Jagger, Bryan Adams und schließlich Tommy Hilfiger, der sich ein Anwesen im Stil alter Baumwollbarone bauen ließ, was für einen Modemacher naheliegend ist, dazu kamen ein paar Fondsmanager, die Großnichte von Sergei Rachmaninow, der Waffenproduzent Andreas Heeschen (Heckler & Koch) und der Chef der Firma Accumulata Immobilien aus München, dessen Villa beweist, dass die Akkumulation von Immobilien nicht automatisch zu einer Akkumulation von Stilempfinden führen muss.

          Das umgebaute Baumwolllager

          Der Tourismus begann aber damit, dass Tennant 1968 das alte „Cotton House“, ein ehemaliges Baumwolllager, von Messel zu einem Clubhouse mit Restaurant und mittlerweile 15 Zimmern und Suiten umbauen ließ, weswegen dieses Jahr auch „fünfzig Jahre Mustique“ gefeiert werden. Tennant ist bei dieser Feier nicht mehr dabei, er starb, überworfen mit den Betreibern der Mustique Company, 2010 in Soufrière auf St. Lucia, nachdem er von der Hauseigentümer-Gemeinschaft unsanft von der Insel herunterkomplimentiert wurde, seine Anteile veräußert und sein eigenes Haus an den dritten Ehemann von Christina Onassis, den früheren KGB-Agenten Sergei Kauzov verkauft hatte.

          Eine der stilvollste Villen auf Mustique: Villa America
          Eine der stilvollste Villen auf Mustique: Villa America : Bild: MC

          Der wahre Fürst der Insel ist jetzt ein anderer: Basil Charles, heute Anfang siebzig, wuchs in St. Vincent auf, der Vater war Fischer, ließ sich aber selten sehen, seine Mutter starb, als er neun war. „Ich habe die Schule verlassen, als ich vierzehn war, um meine Großmutter zu unterstützen“, erzählt Basil heute; und wie er bei einem Motorradunfall fast starb; und wie er von jemandem ins Krankenhaus gebracht wurde, dem er später wiederbegegnete auf Mustique, wo er erst im „Cotton House“ aushalf, eher zufällig zum Barkeeper erklärt wurde, den Job dann aber so gut machte, dass Tennant ihn gern zu haben begann (der Weg ins Herz der britischen Gentry führt immer durch Eiswürfel). Ermuntert von Tennant, eröffnete er schließlich an der Britannia Bay „Basil’s Bar“, tanzte mit Jerry Hall und Margaret („Sie tanzte wirklich fabelhaft“, erzählt Basil, „wild und elegant, krieg das mal hin!“), sang mit Mick Jagger und versuchte, melancholischer als Bryan Ferry zu schauen (eine der wenigen Dinge, die ihm nicht gelangen). Er wurde zum legendärsten Barkeeper der Karibik. Das lag einerseits daran, dass Mustique zum überhitzten Außenposten des britischen Adels mit all seinen Spleens und kolonialen Eigenartigkeiten wurde, Colin Tennant andererseits aber große Freude daran hatte, den dunkelhäutigen Basil Charles auf seine Reisen nach England mitzunehmen und bei krachkonservativen Hochadelsdinners als gleichberechtigten Gast extra neben die verstocktesten und rassistischsten Lords und Ladys zu setzen. Mustique wurde zu einer utopischen Gegenwelt zum nassen, kalten, in Etiketten erstarrten alten Europa. Die Insel war sozusagen das 1968 der Oberschicht, eine Hippiekommune für ihre Highness: Einige kamen bloß, um auszuruhen, viele aber, um ihr Leben grundlegend zu ändern.

          Das Gesicht der Insel: Basil Charles in seiner Bar
          Das Gesicht der Insel: Basil Charles in seiner Bar : Bild: mauritius images

          Die Sonne brach jetzt durch die Wolken, im Osten sah man die Steilküste von Petit Mustique. Der Wind wurde stärker, wir näherten uns dem offenen Meer. Ein Fisch biss an, für eine Sekunde sah man knapp unter der Wasseroberfläche etwas, das wie ein silbernes Geschoss aussah, dann tauchte die Gischtspur des Fisches auf, der nicht zufällig Pfeilhecht genannt wird: Es war ein Barrakuda, der sich aber losriss und in der Tiefe eines Wellentals verschwand. Der Fischer hängte regungslos einen neuen Köder an und warf die Angel aus. Die Silhouette von Petit Canouan erschien hinter den Wellentälern. Wir hielten jetzt eng auf Savan Island zu; der Fischer stand trotz des Seegangs auf seinem Boot, wie es zahllose seiner Vorfahren taten. Fregattvögel kreisten in der Luft. Der Wahnsinn der Maßstäbe: Jede Welle war größer und schwerer als das Boot, das Meer endlos und in rhythmischem Aufruhr, aber all das beunruhigte den Fischer nicht. Fischfang gibt es seit Zigtausenden von Jahren, in Ägypten finden sich die ersten Angeln schon um 3500 vor Christus, die Technik muss sich an mehreren Stellen der Welt gleichzeitig entwickelt haben: Schon 1667 beschreiben europäische Seefahrer die Kariben, die von ihren Kanus aus Fische mit Schnüren fangen und mit Haken aus Schildkrötenpanzer die Monster aus der See ziehen, die den Europäer schauern lassen: Die starren Augen, das aufgerissene Maul, der Unterkiefer, der mit grässlichen Zähnen besät den Oberkiefer überragt, gaben ihnen eine Idee von dem, was unter der Wasseroberfläche stattfinden musste.

          Hinter Savan gab es einen heftigen Ruck an der Leine. Ein knapp halbmeterlanger Barrakuda tauchte auf, der Fischer holte ihn seitwärts heran und zog ihn mit einem Ruck aus dem Wasser. Wir fuhren zurück. Eine verlassene kleine Insel tauchte auf, der Fischer freute sich jetzt, dies hier, sagte er, sei das exklusivste Haus von ganz Mustique, nämlich nur mit Fischerbooten erreichbar, ohne Wasser und Strom. Und es sei nicht zu mieten: „Wenn du da hinwillst, musst Du ein Fischer sein, kein Millionär.“

          Vom Wasser aus sah man wenig später auch das Domizil des belgischen Hedgefondsmanagers Pierre Lagrange, der vor allem für eine der teuersten Scheidungen der Welt berühmt ist und dafür, dass er der ältesten Kunsthandlung der Welt, der 1846 gegründeten Galerie Knoedler in New York, nachweisen konnte, dass der Pollock, den er dort für 17 Millionen Euro gekauft hatte, die Fälschung eines sehr begabten chinesischen Straßenmalers namens Pei-Shen Qian war; kurz danach machte die Galerie für immer zu. Auf Mustique besitzt er das weitgehend aus Bambus errichtete Beach House, das einen Minimal-Art-Preis verdient hätte; die riesige Anlage verwächst mit der Natur, man kann sie ab 26 000 Euro die Woche mieten, im Preis enthalten sind neben dem üblichen Aufgebot aus Butler, Gärtner, Koch und zwei Angestellten auch ein spektakulärer Außenaufzug, der zu einem versteckten weißen Robinsonaden-Strand hinunterführt. Und es gibt keinen Stuck, keinen Toskana-Kitsch – was man nicht über alle Villen auf der Insel sagen kann, die für jeden Geschmack etwas bereithalten, wobei der Begriff Geschmack in einigen Fällen stark gedehnt werden muss.

          Es gibt mehrere Typen von Villen auf Mustique – einerseits die dezent modernen, andererseits die in einem hellen Kolonialstil gehaltenen wie Les Jolies Eaux, die zehn Gäste zu Preisen von 20 000 bis 54 000 Euro aufnimmt, oder auch die von einem feinen Schindeldach beschützte Azomboi, die es ab 11 000 Euro gibt. Dann gibt es aber auch die Villen, in denen Stil und finanzieller Aufwand in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis stehen, die an den Nachbau eines gigantischen Aztekengrabes durch einen mittelamerikanischen Dosenhersteller erinnernde Villa Hummingbird, zum Beispiel, die für die massive Auftürmung von teuren Materialien immerhin 85 500 Euro pro Woche aufruft. Der Architekt Julian Bannerman errichtete gleich nebenan einen guavenfarbenen Riesenkasten namens Sienna mit antikischer Tempelfront, Möbeln im Nessuncento-Stil und einer goldenen Krone, die auf der Fontäne des Springbrunnens im Eingang tanzt, lauter Gestaltungseinfälle, die man in der leichten, karibischen Umgebung definitiv nicht braucht, es sei denn, man möchte hier einen monströsen Sandalenfilm drehen. Aber der Vergoldungseifer einiger Villenbauer ist auch schon fast alles, was man – neben den Sandflöhen, die in der Dämmerung alles attackieren, was durchblutet ist – an der Insel aussetzen kann.

          Blauer wirds nicht: Villa Jacaranda liegt direkt am Meer
          Blauer wirds nicht: Villa Jacaranda liegt direkt am Meer : Bild: MC

          Der Weg zum „Cotton House“ war hell mit Fackeln erleuchtet. Jeden Donnerstag gibt es hier Cocktails, es ist der soziale Höhepunkt der Inselgemeinschaft. Ein paar Gäste parkten eines der seltsamen kleinen, mit Motorradmotoren betriebenen Vehikel namens Mule, die man hier fährt, direkt auf dem Rasen. Ausgerechnet Mustique, die immer als Insel der Superreichen bezeichnet wird, ist keine zu Tode manikürte Luxuswelt. Man kann am Strand parken, wo man will, es gibt sandige Pisten, im Hafen riecht es nach Fisch und Arbeit und Benzin. Man hält sich nur den Massentourismus entschlossen vom Hals – deswegen kann alles so entspannt und weitgehend ungeregelt sein; es gibt keine Massen, die durch Fußgängerzonen und mit Kantsteinen und Halteverboten kanalisiert und geordnet werden müssen. Es gibt einsame Strände, wo die Angestellten der Villen das Picknick aufbauen. Buchten, in denen die Meeresschildkröten schlüpfen und in der Dämmerung in die Wellen kriechen, wenn sie nicht von den Lichtern der Villen irritiert werden. Die Zeit, die zerfällt wie die Muscheln in der Hitze im Sand. Die Gezeiten, die frühe Dunkelheit, das Glitzern der Wellen, das Gegenlicht, die Musik in „Basil’s Bar“, die Stille, mehr Sterne als sonst. Irgendwo dort im Dunkel saß Basil mit einem Gast und erzählte von früher. Der Fischer reparierte Netze und hörte Radio.

          Bild: F.A.Z.

          Auf der Veranda des „Cotton House“ waren die Tische gedeckt, die grünblaue Endeavour Bay leuchtete mit dem türkisfarbenen Schuppen der Tauchschule um die Wette, an der kleinen Strandbar hatten sie eine Leinwand aufgestellt, auf der Filme für Kinder liefen. Hier, im „Cotton House“ hatte Basil im Winter des Jahres 1976, als sie sich wieder vertrugen, Colin Tennants 50. Geburtstag ausgerichtet. Jetzt standen da ein paar Herren in weißen, beigen und hellblauen Hosen, ein tropisch erhitzter Herrenclub, zu dem drei Damen in wehenden Gewändern stießen, die aus München und Brüssel kamen und den Tag damit verbracht hatten, mit ihren Pferden im Meerwasser zu reiten. Da war Michael Bunbury, der Inselarzt, seine Frau Lotty, die im Pink House unten am Hafen geschmackvolle selbstentworfene Karibikmode verkauft. Da war Roger Pritchard, der Managing Director, ein vierschrötiger Typ mit einem beeindruckenden Quadratschädel, der lange bei der Armee war und weiß, wie man Paparazzi, die sich als Urlauber tarnen wollen, ohne ein Bild wieder von der Insel jagt, und auch die wenigen dunklen Seiten der Insel kennt – die Geschichte des einzigen Inselmordes etwa in einer Nacht im Februar 1998, als Suzie Mostberger, die ehemalige Geliebte des Industriellen Henri Dreyfus, in Fort Shandy, einer Villa an der Britannia Bay, umgebracht wurde, nachdem sie an einem Dinner teilgenommen hatte, bei dem auch Sir James Mitchell, damals Premierminister der Grenadinen, zugegen war. Wenig später wurde festgestellt, dass ihr Konto in der Schweiz leergeräumt worden war. Der Fall wurde nie aufgeklärt. „War keiner von hier“, sagt Basil. Der Verdacht fiel schnell auf ihren damaligen Geliebten, einen jungen Osteuropäer, eine Vermutung, die ihm nicht gut bekam, erzählt Pritchard: Er sei ein paar Jahre später in Tanger ermordet worden.

          Ich kam spät nach Haus. Das schwarze Wasser in der Bucht glitzerte im Mondlicht. Auf dem Tisch lag das Inseltelefonbuch. Da waren die Nummern der Villen von Mick Jagger und Tommy Hilfiger. Die Nummer der Tankstelle (8530), und die des Fischmarkts (8609). Vielleicht erkennt man die Nähe zum Paradies ja auch an der abnehmenden Länge der Telefonnummern.

          Der Weg nach Mustique auf den Grenadinen

          Anreise Von Deutschland aus am schnellsten über London mit British Airways oder Virgin nach Barbados oder St. Lucia (ab 1200 Euro in der Economy); der Weiterflug mit Mustique Airways auf die zu St. Vincent und den Grenadinen gehörende Privatinsel dauert 30 Minuten und wird von der Mustique Company organisiert. Transfer hin und zurück von St. Lucia oder Barbados kostet 460 Euro pro Person. mustique-island.com

          Hotels Auf Mustique gibt es zwei Hotels, die für internationale Gäste zu buchen sind: Das „Cotton House“ liegt inmitten einer weitläufigen Gartenanlage am Strand und ist das älteste Gebäude der Insel. Es hat 17 Zimmer und Suiten, Doppelzimmer kosten ab etwa 800 Euro; es gibt ein Restaurant und eine Bar, ein kleines Spa und ein Fitnesscenter sowie einen Swimmingpool mit Sonnenterrasse. www.cottonhouse.net

          Das andere kleine Hotel hat nur sieben Zimmer, heißt „Firefly“, liegt in den Hügeln der Insel und hat einen dementsprechend erhabenen Blick. Doppelzimmer ab 650 Euro in der Nebensaison, www.fireflymustique.com Es gibt noch eine dritte, sehr einfache Unterkunft, „Lisas Bar“, auf einem Hügel im Dorf über dem Hafen – allerdings können dort nur einheimische Touristen aus den Grenadinen absteigen; andere Gäste nur in Ausnahmefällen. Aber zu Abend essen auf Lisas Sonnenterrasse darf jeder.

          Die Villen Jede der 104 Villen ist ein Unikat, sie alle unterscheiden sich in Architektur, Einrichtung und Größe und auch im Preis; von 10 000 bis 50 000 Euro die Woche in der Nebensaison, an hohen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern kann das bei den großen Häusern bei einem Vielfachen liegen; die Villen stehen relativ weitläufig auf der Insel verteilt – man sieht sich nicht, wenn man nicht möchte; die meisten Anwesen werden von ihren Eigentümern nur wenige Wochen im Jahr selbst genutzt, in der übrigen Zeit sind sie zu mieten. Zu jedem Haus gehört ein mehrköpfiges Team aus Koch, Gärtner, Zimmermädchen, und wer dieses nicht gut behandelt, kann sicher sein, dass er nie wieder ein Haus auf Mustique wird mieten können. Eine Übersicht findet sich auf www.mustique-island.com

          Villa America ist die vielleicht geschmackvollste moderne Villa der Insel – mit viel Sichtbeton, italienischen Möbeln und Designklassikern, elegant, weitläufig und mit spektakulärem Blick über die Insel; ab 10 000 Euro/Woche; www.mustique-island.com/villa/villa-america

          Les Jolies Eaux war das Hideaway von Prinzessin Margaret und eines der ersten Häuser von Designer Oliver Messel. Das Haus hat 360 Grad Ausblicke über das Karibische Meer, fünf Schlafzimmer mit en-suite Bade- und Ankleidezimmern und Balkonen; www.mustique-island.com/villa/les-jolies-eaux Jacaranda ist mit seinen blauen Dachziegeln nicht zu verwechseln und hat acht Schlafzimmer, die auf mehrere Gebäude im Kolonialstil verteilt sind; direkt am Strand, unweit von Palm Beach, dem Anwesen von Tommy Hilfiger; ab 20 000 Euro.

          Blue Waters ist eine der ersten Villen von Mustique, erbaut 1970 von Arne Hasselquist in einem Phantasiekolonialstil mit Anklängen an Südstaatenklassizismus; mit Blick auf die schöne Endeavour Bay; man kann zu Fuß ins „Cotton House“ und zur Strandbar gehen; ab 10 000 Euro.

          Das „Beach Café“ gehört zum „Cotton House“ und ist tagsüber und abends geöffnet; eigener Pizzaofen, einmal in der Woche ist „Barbecue Night“. Der andere Hotspot der Insel ist „Basils Bar“; seit kurzem auch in Besitz der Mustique Company und rundumerneuert und vergrößert, am Hafen, gleich beim Pink House, der wichtigsten Boutique der Insel.

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