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Deutschland : Die Welt als Streichelzoo

  • -Aktualisiert am

Auch wenn es Bindfäden regnet und der Lagerkoller nah scheint, hat das Kinderhotel Oberjoch noch ein Herz für den Nachwuchs. Bild: dpa

Kinderhotel? Klingt für Eltern wie eine Drohung. Aber wenn das Wetter nicht mitspielt, ist es ein Segen. Wie etwa im Kinderhotel Oberjoch im Allgäu.

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          Was haben wir für ein Pech, ausgerechnet solche Eltern erwischt zu haben! Eltern, die gleich neben dem Esstisch keine Turnhalle bieten können, mit echten Toren und Basketballkörben. Die in der Küche keine Zapfanlage für Saft und Limo auf Kinderaugenhöhe installiert haben. Die im Keller weder Go-Kart-Fahrten noch Kino ermöglichen. Eltern, in deren Garten es keinen Rodelhang, keinen Abenteuerspielplatz mit echtem Iglu gibt, und die auch keinen Streichel-Zoo mit Alpakas, Esel und Ziegen aufbieten können. Eltern, die einfach nicht erkennen wollen, dass man, um täglich neue Freunde zu finden, eine Riesenwasserrutsche braucht. Der Drei- und der Sechsjährige ließen, wieder daheim, unverblümt durchblicken, dass es zu Hause im Alltag an elementarsten Dingen mangelt.

          Die übliche Resozialisierung nach Urlaubstagen hat jedenfalls länger gedauert als gewohnt, nach dem Aufenthalt im Kinderhotel Oberjoch. Kinderhotel? Das mag für manche klingen wie ein Urlaubsort, in dem Kinder Könige und Eltern nur noch Überlebende sind, deren eigene Ansprüche und Wünsche in einer Melange aus Chaos, Trubel und Geschrei bis zur Auflösung erodieren. Nicht in diesem auf 1200 Meter Höhe oberhalb von Bad Hindelang gelegenen Haus mit wunderbarem Allgäuer Panorama. Zwar ist die Geräuschkulisse mitunter ausgeprägt und die Unruhe entsprechend in einem Restaurant, in dem an jedem Tisch mindestens ein Kind sitzt. Doch bleiben die Erwachsenen vor lauter Kinderfreundlichkeit nicht auf der winterlichen Strecke.

          Kein Mensch-Ärgere-Dich-Nicht, kein Lagerkoller

          Wie Momente wie diese belegen: Die Eltern frühstücken in Ruhe zu Ende, während die Söhne vom Tisch Richtung Turnhalle ziehen, um mit vollem Magen Vollgas zu geben mit allerlei sportlichem Spaßgerät. Oder: Die Jungs starten im Miniclub durch – es gibt Angebote vom Säugling bis zum Teenager, rund dreißig Angestellte kümmern sich nur um die lieben Kleinen – und die Eltern ziehen ihr eigenes Sportprogramm durch. In einem erst vor Kurzem aufs Hoteldach gesetzten, sehr gut ausgestatteten gläsernen Kubus, in dem es heißt: „work out und guck‘ weit“. Und im unlängst vergrößerten Wellnessbereich gibt es anschließend noch eine Dosis wohlige Zweisamkeit.

          Bild: Illustration Robert Samuel Hanson

          Seit knapp drei Tagen stürmt und schneit es ohne Unterlass, so dass man kein Kind vor die Tür jagen möchte. Im Schwimmbad mit der längsten Hotelwasserrutsche der Republik (128 Meter) planscht und tobt es sich zu jeder Tageszeit ganz wunderbar. Herrliche Mutproben ergeben sich im Außenbereich des Pools: Wer hält es im Flockenwirbel mit beiden Füßen im Schnee länger außerhalb des Beckens aus? Und zwischen Rutschpartie und Tauchgang graust der Gedanke, wenn man bei diesem Wetter als Familie jetzt in einer kleinen Pension im Ort oder einem puristischen Ferienhäuschen am Hang säße. So viele Bücher kann man gar nicht vorlesen, so viele Partien Mensch-ärgere-Dich-nicht kann man gar nicht spielen, um einen handfesten Lagerkoller zu vermeiden. Im Kinderhotel gilt stattdessen: Kein Ski- und Schlittenfahren? Kein Problem.

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