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Familienreisen : Kinder, Pizza, Sensationen

Ein Haufen umherhüpfender Flöhe

Vormittags gehört der Zirkus den Ferienkindern, dann heißt er „MitmachCircus“. Eine Woche lang studieren die Kinder ein abendfüllendes Programm ein, mit dessen Aufführung am letzten Tag der Kursus seinen Höhepunkt erlebt. Dass diese Vorstellung selbst bei Sonnenschein ausverkauft ist, liegt freilich weniger an den artistischen Sensationen als an den Eltern und Verwandten der kleinen Stars in der kleinen Manege. Und bei manchem Solo-Auftritt muss man seine Kinder schon sehr lieb haben, um stolz auf sie zu sein. Aber die einzelnen Nummern stehen gar nicht im Mittelpunkt - es geht ums Ganze. Und da kann man nichts anders als staunen, wie innerhalb von fünf Tagen aus einem Haufen wild umherhüpfender Flöhe eine konzentrierte Mannschaft geworden ist.

Tag eins: Am Anfang steht das Schnuppern. Die Eltern werden unter lautem Gegröle fortgeschickt. Dann stellen sieben Trainer sich und ihr Programm vor: von Kugellauf und Ballakrobatik über Seiltanz, Trapez und Tuchkunststücke bis zu Jonglage und Zauberei. Jedes Kind soll alles einmal ausprobieren, um ein Gefühl zu bekommen für das Material, für die Bewegungen, für die Probleme mit dem Gleichgewicht, bevor es entscheidet, womit es auftreten möchte. Aber bei der Einteilung in Gruppen am nächsten Tag scharen sich die Jungens erwartungsgemäß um den Zauberer und um den Jongleur, und die Mädchen rennen zu jenen Disziplinen, bei denen man kurze Röckchen trägt oder hautenge Kostüme und sich grazil bewegt oder zumindest bewegen sollte. Manche wählen auch einfach nach Trainer oder Trainerin aus. Der eine ist so cool. Die andere ist so hübsch. Natürlich werden sie im Laufe der Woche zu Helden, so wie die Skilehrer in den Weihnachtsferien oder die Klassenlehrerin in der Grundschule.

Atemraubende Nummer mit dem Rhönrad

Am Tag zwei fliegen einem die Diabolos nur so um die Ohren und die Einräder vor die Füße. Mädchen halten sich beim Seiltanz zitternd an der Trainerin fest. Und Jungs lassen sich lachend in einer großen Kiste verschwinden. Aber am Tag drei kehrt Ruhe ein, ein Gefühl von Spannung und Nervosität, und man hält es kaum für möglich, wie gesammelt die Kinder an ihrem Programm trainieren und das Gewusel um sie herum gar nicht mehr wahrzunehmen scheinen. Dabei herrscht im Trainingszelt eine Szenerie wie auf einem Wimmelbild. Auf drei Etagen wird geübt. Am Boden, auf dem Seil, am Trapez. Manche balancieren auf riesigen Bällen und bewegen sich in Schlangenlinie durch das Getümmel wie Mopedfahrer durch die Autos im Berufsverkehr. Andere lassen sich aus Tüchern von der Spitze des Zirkuszeltes hinunterrollen. Auf einer Matte liegt aufgeschlagen das Buch „Creating Gymnastic Pyramides and Balances“. Auf der Doppelseite folgt wie im Comic Bildchen für Bildchen, auf denen immer mehr Kinder so spektakulär übereinandergetürmt sind, dass es sich hier schon um Lektion drei bis vier handeln muss. Bis zum Schluss jedenfalls ist diese Pyramide beim Circus Mignon nicht zu erleben. Bei den Jungs der Zauberergruppe klettern zwei kleine Buben in ein Gestell, und nun sieht es aus, als handele es sich um nur noch einen, dafür sehr langen Bub. Die anderen streiten sich derweil darum, wer sägen darf. Dann ist Pause, und alle rennen zu Karussell und Schiffschaukeln.

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