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Fünf Länder, fünf Berge : Der Mensch wird ruhig

Naturschauspiel: Der Gletscher am Kitzsteinhorn ist seit 1965 für Skifahrer erschlossen. Der Nationalpark Hohe Tauern liegt gleich dahinter. Bild: Gletscherbahnen Kaprun AG

Das Kitzsteinhorn bei Kaprun in den Hohen Tauern ist viel mehr als nur ein Skiberg. Es ist – nicht zuletzt wegen seiner tragischen Geschichte – auch eine Mahnung und ein Menetekel.

          8 Min.

          Der Berg ist überall. Er ist auf T-Shirts, Mützen und Skibrillen, auf Gondeln, Flyern und Menüs und selbst auf dem Etikett einer Wodkaflasche, über dem Schriftzug „Pure Glacier Vodka“. So ist das, wenn ein Berg wie geschaffen ist für ein schickes Logo dank seiner markanten Gestalt, der herrlich modellierten Gipfelpyramide. In und um den Talort Kaprun stießen wir allenthalben auf den steil emporschießenden Zacken, der das 3203 Meter hohe Kitzsteinhorn symbolisiert. Nur den Berg selbst, den sahen wir nicht an diesem Tag. Denn über Nacht war der Winter zurückgekommen in die Hohen Tauern, mit einem Temperatursturz und lange ersehntem Schneefall. Blickdichte Wolkenwatte verhüllte die Bergkämme. Und dagegen kam selbst die Strahlkraft des Kitzsteinhorns nicht mehr an.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Am Kitzsteinhorn im Bundesland Salzburg ist 1965 das erste Gletscherskigebiet Österreichs entstanden. Nicht, weil der Berg so schön anzuschauen ist oder ein so schönes Logo abgibt, sondern weil Wilhelm Fazokas, Betriebsleiter bei den nahen Tauernkraftwerken in Kaprun, im Schmiedingergletscher ein ideales Skigelände erkannt hatte. Das wollte er mit einer Seilbahn erschließen. Im Jahr 1961 wurde Fazokas Bürgermeister, kurz darauf begann der Bau der Bahn. Am 12. Dezember 1965 wurde das Gletscherskigebiet eröffnet, womit der Aufstieg des Kitzsteinhorns zum Ski-Hotspot begann.

          Weißer Rausch auf der Black Mamba

          Der Maschinenbauer und Elektrotechniker Fazokas wäre sicher begeistert, könnte er heute einen Blick auf das Skigelände werfen. Das Gletscherbecken ist durchzogen von Liften, Bahnen, Gondeln. Mittendrin thront das Alpincenter, der Knotenpunkt, umringt von Liften, Restaurants, Sportgeschäften, Skischulen und dem Bundessport- und Freizeitzentrum. Das Kitzsteinhorn ist zu einem Erlebnispark für Wintersportler aller Art geworden: Es gibt eine Halfpipe für Snowboardprofis, Funparks für Freestyler, markierte Aufstiegsspuren für Tourengeher, eine Höhenloipe für Langläufer und einen Winterwanderweg für Spaziergänger. Der führt hinüber zum Ice Camp, drei mächtigen Iglus mit strahlend weißen Kuppeln, in denen jedes Jahr neue Eiswelten erschaffen werden und an der Eisbar im Eisglas der erwähnte Gletscherwodka serviert wird.

          Halligalli ist anderswo: Zum Kitzsteinhorn kommt man wegen des Skifahrens.
          Halligalli ist anderswo: Zum Kitzsteinhorn kommt man wegen des Skifahrens. : Bild: Jan Roeder

          Skifahren kann man übrigens auch noch. Je nach Neigung geht es über breite Pistenteppiche, die auf den leicht abfallenden Gletschern ausgerollt sind, mittelschwere Genussabfahrten oder schwarze Pisten wie die Black Mamba mit bis zu dreiundsechzig Prozent Gefälle, deren erfolgreiche Befahrung mit Stickern und Tattoos belohnt wird – wenn man das will. Wer sein Heil abseits der Pisten sucht, kann auf fünf liftnahe Freeride-Routen einbiegen, die mit Informationstafeln gekennzeichnet sind. Am besten aber hält man sich an einen Ski-Guide wie Christoph Enslen, besonders an Tagen wie diesem, wenn der Blick so vernebelt ist, dass er sich nach zehn Metern in undurchdringlichem Weiß verliert. Enslen kennt die Hänge, auf denen die Rennsportteams gern trainieren, er weiß, wo einst Stars wie Lindsey Vonn und Marcel Hirscher ihre Spuren zogen, und er ist im Gelände, so scheint es, mit jedem Stein vertraut – jedenfalls kann er genau erklären, warum man hier besser weiter links bleibt und sich dort eher rechts hält und wo man am besten gar nicht erst einfährt, weil der Hang lawinengefährdet oder mit Steinen durchsetzt ist.

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