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Kappadokien : Hamam - ein Besuch im türkischen Bad

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Vor die Entspannung hat Allah den Bademeister Duran Kuş gesetzt, der seine Gäste walkt und knetet und rubbelt, bis die Gelenke krachen.

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          Duran Kuş hat kräftige, behaarte Arme, ein schwarzer Schnauzer ziert sein Gesicht, selbst aus seinem runden Bauch sprießen dicht die Haare. Nur ein um seine Hüften geschlungenes Tuch bekleidet ihn. Duran ist Tellak, Bademeister, im örtlichen Hamam. Zu seinen Aufgaben zählt es, seine Gäste zu massieren und zu waschen.

          Unterwegs in Kappadokien sollte man sich nach einer anstrengenden Wanderung wenigstens einmal einen Besuch in einem türkischen Bad, dem Hamam, gönnen. Die Luftfeuchtigkeit im Baderaum ist hoch wie im Dschungel Borneos. Auf dem Göbektasi, einem großen, heißen Liegeplatz aus Marmor, liegen bereits mehrere schwitzende Herren. Durch Öffnungen in der Kuppel fällt diffuses Licht und taucht den Raum in dämmriges Halbdunkel. "Wasser ist nicht nur zum Waschen da - im Hamam wird nicht nur der Körper gereinigt, auch Seele und Geist erfahren Erholung und Entspannung", sagt Duran.

          Der Weg zur Entspannung ist steinig

          Dann beginnt er, einen der Badegäste mit einem harten, grob gewebten Tuch abzurubbeln, bis das Blut ihm wohlig prickelnd durch die Haut strömt. Anschließend presst er durch einen großen Baumwollbeutel Seifenwasser. Augenblicklich bedeckt eine dicke Schaumschicht den Körper seines Gastes. Mit geübtem, hartem Griff wäscht und massiert er die Anstrengungen des Tages fort. Er knetet, biegt die Glieder, bis die Gelenke krachen.

          "Das ist gut, hm?" grinst Duran ihn an, als er mit einem kurzen Schlag seinem Kopf einen Ruck nach links, dann nach rechts versetzt. Eine türkische Massage ist eine raue Angelegenheit. Doch nach einer ausgiebigen Ruhepause auf dem Göbektasi verlässt man das Hamam später wie neu geboren!

          Das Hamam gibt es schon seit 1.000 Jahren

          Das Hamam hat eine mehr als tausendjährige Tradition, die ihren Ursprung in Mittelanatolien und Istanbul hat. Noch heute sind die schönsten Bäder in diesen Regionen zu finden. Dank des strengen Reinlichkeitsgebots des Islams erfreuten sich diese Bäder schon bei den Osmanen großer Beliebtheit. Da es in den privaten Häusern keine Bademöglichkeiten gab, ging jeder, arm wie reich, in das öffentliche Bad. Die meisten türkischen Städte besitzen auch heute ein Hamam. Da jedoch immer mehr Haushalte über eigene Bäder verfügen, werden sie im Westen der Türkei immer seltener.

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