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Kanareninsel La Palma : Unter uns die Lava, über uns der Exoplanet

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Die kanarischen Raben gucken nach Keksen. Das Observatorium guckt nach Exoplaneten. So hat hier jeder sein Auskommen. Bild: Andrea Diener

La Palma ist kleiner als die Schwestern Teneriffa und Gran Canaria. Und ruhiger. Sehr viel ruhiger. Das Wunder der Insel aber sieht man nur nachts: den schönsten Sternenhimmel – erwiesenermaßen.

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          Samuel lässt uns alle durch sein Teleskop gucken, denn das ist etwas, was man auf La Palma macht: Man schaut in den Nachthimmel, der hier so klar ist wie nirgends sonst. Und er ist auch so oft klar wie nirgends sonst, 260 Nächte im Jahr bester Logenblick auf das weiße Band der Milchstraße und das dunklere Drumherum. Wir stehen mit dem jungen Mann aus der Schweiz, der Touristen den Nachthimmel erklärt, hinter einem Restaurant auf der Weide. Es ist nachts ganz schön kalt hier draußen, aber das macht nichts, das vergessen wir sogleich, denn jetzt richtet Samuel das Teleskop auf den Mond. Da hängt er, der dicke, graue Gesteinsbrocken, der unverdrossen um uns herumgravitiert. Er leuchtet heute so hell, dass man viel weniger Sterne sieht als sonst.

          Was soll’s, gucken wir uns eben den Mond an, den einzigen Lichtverschmutzungsfaktor, der einem auf La Palma den Blick vermiesen kann. Mit allen Kratern. Ganz nah. Der Mond, sagt Samuel, ist geologisch tot. Das ist vermutlich eine Binse, aber darüber haben wir ehrlich gesagt noch nie nachgedacht. Der Mond ist erkaltet bis ins Herz, da tut sich nichts mehr, da bewegt sich nichts und glüht nichts. Ganz im Gegenteil zu dem Flecken Erde, an dem wir uns gerade befinden: Die Erde ist geologisch ziemlich lebendig, und hier auf La Palma spürt man das auf Schritt und Tritt. La Palma liegt nämlich genau auf einem geologischen Hotspot am Rand der Afrikanischen Platte. Die schiebt sich mit der Geschwindigkeit von 1,7 Zentimetern pro Jahr nordostwärts. Da kann der Erdmantel schon einmal aus den Fugen geraten.

          Die Eroberer fanden eine Steinzeitkultur

          Wie ein Faustkeil oder wie ein langgezogenes Herz liegt La Palma im Atlantik. Weniger prägnant als die Form ist leider der Name, man verwechselt die Kanareninsel gern einmal mit Palma de Mallorca oder Las Palmas auf Gran Canaria. Das sollte man tunlichst vermeiden, sonst landet man womöglich im touristischen Getümmel anstatt auf einer ruhigen, grünen Insel. Hier wohnt man in der Pension statt im Bespaßungsgroßkomplex und wandert durch angenehm menschenfreie Gegenden, die alle paar Meter anders aussehen. Und das ist auch der Grund, warum man nicht in Teneriffa aussteigt, sondern mit der Propellermaschine der Kanarenfluglinie eine Insel weiterhüpft.

          Ein Felsbrocken aus Vulkangestein ist diese Insel.

          Im Gegensatz zu den kargen Brüdern war La Palma immer eine Bauerninsel. Ein Bewässerungssystem leitete Wasser aus dem feuchten Norden in den sonnigen Süden. Die Erde ist fruchtbar, es wächst so gut wie alles. Kartoffeln für die Einheimischen, Zuckerrohr für den Export, so schlug man sich nach der spanischen Eroberung, im Jahr 1492 war das, tapfer durch die Jahrhunderte. Einige Zuckerbarone brachten es sogar zu beträchtlichem Reichtum, was immer wieder die Begehrlichkeiten von Piraten weckte. Auch der Wein, heute eher ein landwirtschaftliches Denkmalschutzprojekt, war einst ein Exportschlager.

          Vor der spanischen Eroberung siedelten hier die kanarischen Ureinwohner, die Guanchen, ein Berbervolk, das aus Nordafrika über den Atlantik gekommen war. Die Spanier stießen auf Bewohner, die in einer steinzeitlichen Kultur lebten, Rad oder Pflug waren ihnen unbekannt. Viele Spuren haben sie nicht hinterlassen, nur ein paar Felszeichnungen und Tiegel aus Ton. Die Guanchen wehrten sich tapfer gegen die spanischen Eindringlinge vom Festland, hatten aber keine Chance gegen das überlegene, kampferprobte Militär.

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