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150 Jahre Kanada : Nord mit Aussicht

  • -Aktualisiert am

Land der Leuchttürme. Bild: Nink

Der „wahre Norden“ feiert seinen 150. Geburtstag. Dass es zu diesem Jubiläum kommt, liegt an den Bibern. Aber nicht nur. FAZ.NET hat elf Erklärungen gesammelt, warum Kanada so besonders ist.

          Das Ahornblatt

          Gibt es ein perfekteres Blatt? So sattrot, so wild gezackt und symmetrisch zugleich? Und existiert in Kanadas tiefen Wäldern ein Baum, der ähnlich glutherzig den Herbst begrüßt wie acer saccharum, der Zucker-Ahorn? Na also. Schon die Franko-Kanadier entlang des St. Lawrence erkannten das im 18. Jahrhundert; sie waren die ersten, die das Ahornblatt als Emblem verwendeten. Die Anglo-Kanadier wiederum schmetterten bei jeder Gelegenheit Alexander Muirs „God save our Queen and Heaven bless The Maple Leaf forever!“. Dass sich in Kanada alle darauf einigen konnten, passiert nicht so oft, und deswegen war klar, was auf der kanadischen Flagge sein musste, die 1965 vorgestellt wurde. Von da an lief alles ganz von selbst für das Ahornblatt.

          Ahornsirup.

          Mittlerweile prangt es von jedem nur erdenklichen Souvenirgedöns, Pyjamas, Kaffeetassen, Frisbeescheiben und Schulranzen, wo ein Ahornblattmotiv Platz hat, wird eines drauf gepappt. Besonders beliebt ist es bei Amerikanern. Die nähen sich Maple-Leaf-Sticker auf ihre Rucksäcke, damit sie auf Europareisen für Kanadier gehalten werden. Bis vor ein paar Monaten machten sie das aus Angst vor Beschimpfungen, Entführungen und anderen Dingen, vor denen sich Amerikaner auf Reisen fürchten. Mittlerweile fremdschämen sie sich einfach nur für ihren Präsidenten.

          Die Hudson’s Bay Company

          Für viele Kanadier ist das eine Kaufhauskette mit Filialen in allen größeren und mittleren Städten, und wenn man das mitbekommt, kann einen schon plötzlich ein Hauch von Melancholie umwehen. Einst nämlich war die HBC das mächtigste Handelsunternehmen der Welt, eher schon eine Art eigenes Königreich, das ein Drittel des heutigen Kanadas beherrschte. Einfluss und Reichtum der HBC basierten auf dem Handel mit Fellen und Pelzen, die eine Flotte Dreimaster während der eisfreien Monate über die Hudson Bay nach Europa schipperte. Das funktionierte zwei Jahrhunderte lang prächtig. Als der Pelzhandel dann zusammenbrach, orientierte sich die HBC anderweitig. Im ersten Weltkrieg transportierten ihre 300 Schiffe Proviant, Treibstoff und Truppen zu diversen Kriegsschauplätzen; allein 1918 lieferte die Company täglich 11000 Tonnen Fracht in französische Häfen. Später machte man in Öl und Gas, bevor die HBC sich vor etwa zwanzig Jahren auf den klassischen Einzelhandel konzentrierte. Zumindest da ist nun wieder Alles beim Alten: Wer warme Kleidung für den langen kanadischen Winter braucht, bekommt die bei der Hudson’s Bay Company. Auch, wenn Mäntel, Mützen und Jacken heute nicht mehr aus Pelz, sondern aus Kunstfaser sind.

          Der Totempfahl

          Bei Karl May und Hollywood stehen die Dinger quer über den Wilden Westen verteilt, in Wirklichkeit aber haben nur einige Native-American- und First-Nation-Stämme im Pazifischen Nordwesten Totempfähle geschnitzt und aufgestellt. Die beeindruckendsten Originale findet man auf den Inseln des Haida-Gwaii-Archipels vor der Küste British Columbias: verwitterte, schief in den Himmel ragende Zedernstämme mit stilisierten Orca-, Bären- und Rabengesichtern, die meist die Geschichte der Besitzerfamilie erzählen – was die Totempfähle vergleichbar mit den europäischen Hauswappen macht.

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