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150 Jahre Kanada : Nord mit Aussicht

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Eisberg.
Eisberg. : Bild: Nink

Der Moskito

Neubürger Kanadas bekommen von der Regierung in Ottawa ein Welcome!-Kit, und in einer Broschüre findet sich dort folgender Satz: „Moskitos sind kleine Insekten, die stechen. Viele Leute versuchen, sie zu vermeiden.“ Ja, möchte man da ausrufen, wie nett, dass Ihr die Leute aus Syrien und Afghanistan darauf hinweist! Aber müsstet Ihr Euren Neubürgern nicht eher mitteilen, dass es im schönen Kanada exakt 82 aggressive und nimmermüde Arten gibt, die einem Leben, Aufenthalt und Reise zur Hölle machen können? Und sie sich am besten schleunigst das potenteste Moskitospray anschaffen, das es zu kaufen gibt, das in der orangefarbenen Sprühflasche? Je nach Jahreszeit und Wohnort empfiehlt sich auch noch eines dieser Moskitonetze, die man über den Kopf ziehen kann, um zumindest Augen, Ohren, Mund und Nase zu schützen. In Kanadas Moskitohauptstadt ist das ein Muss. Im sommerlichen Churchill weit oben in Nordens Manitobas fliegen mehr Moskitos als irgendwo sonst auf der Welt, bis zu tausend Insekten pro Kubikmeter Luft, das kann und will man sich überhaupt nicht vorstellen. Auch die Einheimischen halten die Invasion nur aus, indem sie sich in Sarkasmus flüchten: Die Fliegen seien mittlerweile so groß, geht ein typischer Churchill-Witz, dass sie demnächst Identifikationsnummern unter ihren Flügeln tragen müssten – wie andere Flugzeuge auch.

Der Inukshuk

Rund um Churchill und überhaupt in den Weiten des hohen Nordens ist Kanada ein sehr leeres und sehr flaches Land, dessen Landschaften kaum Orientierungspunkte bieten. Die Inuit haben deswegen vor langer Zeit ein komplexes Wegzeichensystem entwickelt: Sie stapeln Steine zu bestimmten Gebilden, an deren Form andere Inuit erkennen können, in welche Richtung sich die Karibus davon gemacht haben. Zum Beispiel. Aus welchen Gründen auch immer hat Restkanada diese Skulpturen adoptiert. Jetzt sind die Inukshuks überall, große und kleine und winzige, in den Vorgärten, auf den Schreibtischen, als Anhänger beim Juwelier und vor ein paar Jahren sogar als Emblem der Olympischen Winterspiele. Bloß: Das, was alle Inukshuk nennen, ist eigentlich keiner, sondern – ein Inunnguaq. So bezeichnen die Inuit nämlich jene Steinfiguren, die wie kleine Menschen aussehen, mit einem breiten Stein für die Arme und obendrauf einen für den Kopf. Die echten und eigentlichen Inukshuks sind eher unauffällig. Meistens sehen sie aus, als habe jemand einen Haufen Steine übereinander geworfen.

Der Biber

Und damit wären wir beim Wappentier Kanadas, dem Biber. Auf den ersten Blick ist diese Wahl natürlich eine Katastrophe. Der Biber! Ausgerechnet! Schlimme Zähne, nackter Schwanz, Mitleid heischender Watschelgang, mal ganz abgesehen von einer desaströsen Umweltbilanz – sowas soll den zweitgrößten Staat der Welt repräsentieren? Wie denn das bitteschön?

Ganz einfach: Der Biber ist Kanadas Wappentier, weil es ohne den Biber Kanada nicht geben würde. Was wiederum mit der bereits erwähnten Hudson Bay’s Company zu tun hat. Der Staat Kanada existierte damals noch nicht, und die Grenzziehung zwischen den noch sehr jungen Vereinigten Staaten und den Weiten im Norden verlief eher willkürlich. Deswegen reklamierten die Pelzhändler flugs ziemlich viele Jagdgründe für sich. Ohne es zu wissen, ebneten sie so dem modernen Kanada den Weg: Es waren die 173 Handelsposten der Hudson’s Bay Company, die ein Vordringen der US-Pioniere nach Kanada verhinderten. Die Pelzjäger duldeten nämlich keine amerikanischen Siedler. Sie duldeten überhaupt keine Siedler. Siedler störten die Biber. Siedler waren schlecht fürs Geschäft.

Später haben die Kanadier den Nager zum Wappentier ernannt und ihn gleich auch noch auf ihre 5-Cent-Münze geprägt. Als kleine Wiedergutmachung dafür, dass sie ihm so vehement an den Pelzkragen gegangen sind. Und zum Dank dafür, dass er die Amerikaner nicht ins Land gelassen hat. Und man deshalb in diesem Jahr den 150. Geburtstag feiern kann.

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