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Kabeljau-Weltmeisterschaft : Dicke Dinger unterm Kiel

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Der Angler lacht, der Kabeljau nicht: ein Wettkampfteilnehmer mit seinem stolzen Fang. Bild: Franziska Horn

Jedes Jahr im März bevölkern Angler aus aller Welt das Dorf Svolvær auf den Lofoten. Denn dann ist Kabeljau-Weltmeisterschaft. Und wer keinen Fisch mag, geht in verschneiten Buchten wintersurfen, begleitet von Adlern und Seehunden.

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          Fette Beute machen, das will jeder in dieser schmalen Zwei-Propeller-Maschine, ein ganzes Flugzeug voller ausgelassener Angelsportler mit auffälligem Sperrgepäck und Jagdfieber im Blick. In Leknes auf den Lofoten sind die Meeresjäger am Ziel, und die Reisegruppe für die nächsten Tage formiert sich: zehn Männer und eine Frau. Während Letztere zum ersten Mal unter Wettkampfbedingungen den Köder nach kapitalen Schuppenträgern auswirft, machen die zehn Sportangler beinahe nichts anderes.

          Erstes Ziel der Truppe ist das Nyvågar Hotel, ein originales Hoteldorf aus Rorbuer, also den typisch rotbemalten Fischerhütten mit den weißgerahmten Fenstern. Ein echter Farbknaller, erst recht im Winter, wenn alles drum herum wie in Watte gepackt ist. Das ist jetzt der Fall, obwohl es schon März ist. Über Nacht hat ein halber Meter Neuschnee Land und Berge zugedeckt. Schroff ragen Klippen und Bergspitzen aus dem blaugrauen Meer, eine typische Lofoten-Szenerie. Das Innere der Rorbuer antwortet mit nordisch schlichter Klarheit auf die rauhe Außenwelt, zeigt sich dabei rundherum „hyggelig“ - und beweist, dass Gemütlichkeit keine deutsche Erfindung ist.

          Ein Vermögen hängt an den Trockengestellen

          Zum Abendessen gibt es Fachgesimpel über Köder, Ruten, Rollen, Blinker und dazu Stockfisch, sehr appetitlich mediterran interpretiert mit Oliven und Tomaten. Dafür wird der luftgetrocknete Fisch vor dem Zubereiten tagelang in klarem Wasser gespült. Trockenfisch aus hiesigen Gewässern landet auf Tellern in der ganzen Welt, in Afrika ebenso wie in Portugal. Wie muss erst frischer Kabeljau schmecken, den wir hoffentlich bald aus der Tiefe hieven? Schließlich gilt der Edelfisch als ausgemachte Delikatesse. „Skrei“ nennen die Norweger ihren Winterkabeljau übrigens. Zum Akklimatisieren fahren wir erst einmal übers Land, vorbei an Buchten und bizarren Bergen, die abrupt aus dem Wasser ragen, von Insel zu Insel, über Brücken und Sunde. Immer neue, immer spektakulärere Anblicke breiten sich draußen vor den Autofenstern aus, unberührter Neuschnee, Gipfel, Meer, ein Urbild des Winters. Beim nächsten Stopp weht, noch bevor das Auge den Grund erahnt, ein markanter Geruch in die Nase. Das ist doch nicht etwa Fisch? Aber ja doch. Nur fünf Meter neben der Straße baumeln Abertausende von Fischköpfen dicht an dicht an zwanzig Meter langen, aufgebockten Holzlatten. Sogar jetzt in der kalten Winterluft verbreiten sie ein deutliches Aroma. „The smell of money“ nennt Kristian, unser norwegischer Begleiter, diese Duftwolke - im Handel sind 25 Euro für ein Kilo Stockfisch ein gängiger Preis. Auf jedem der Trockengestelle reift also ein wahres Vermögen seiner Dehydrierung entgegen.

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