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Kabeljau-Weltmeisterschaft : Dicke Dinger unterm Kiel

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Was in Gottes Namen ist ein Rubby Dubby?

Starker Wellengang bei sechs bis sieben Beaufort. Das Boot rollt. Die Stimmung ist gut, obwohl ein Teil der Mannschaft seekrank auf den Sitzbänken das Ende der Ausfahrt herbeisehnt. Pim aus Holland geht es natürlich blendend, denn er ist Profi. Schon am Flughafen war er von ferne als Angel-Freak zu identifizieren: Sein schwarzer Blouson ist über und über mit Stickern erfolgreicher Turniere und Fischzüge bedeckt. „Ein Fisch braucht vor allem Rubby Dubby“, sagt Pim, der erst vor kurzem ein Wettangeln am Nordkap gewonnen hat. Was das wieder ist, Rubby Dubby? „So nennt man Fischabfälle in einem Netz. Gibt’s auch fertig zu kaufen. Diesem Odeur kann kein Raubfisch widerstehen.“

Seit Generationen kommen Fischer aus allen Regionen auf die Lofoten, um von Februar bis April Fisch zu fangen. Zu dieser Zeit wandert der Kabeljau zu den geschützten Laichgebieten an der norwegischen Küste, und die Lofoten sind dabei sein Lieblingsterrain. „Der Dorsch kommt aus der Barentssee in den Sund geschwommen, die Fische sind dann sechs bis sieben Jahre alt, und ihr Fleisch hat weniger Fett und mehr Muskeln“, sagt unser Skipper, der unvermittelt zu grinsen beginnt. „Die Dorsche haben nur eines im Sinn: poppen und unter Wasser die größte Sex-Party der Welt feiern.“ Damit hat er die Lacher auf seiner Seite. „Eier und Samen sinken zu Boden, sie brauchen genau diese Wassertemperatur von vier Grad, die an der Küste wegen des Golfstroms herrscht.“ Jim hilft der Anfängerin, einen weiteren Köder auszuwerfen, es ist ein silberfarbener Pilker, zwanzig Zentimeter lang. Nebenan hängt Rainer orangefarbene Gummi-Makks an den Haken. Die Attrappe soll die Fische an einen schmackhaften Wurm erinnern. „Den Größten fangen ist Glück. Die meisten fangen ist Technik“, sagt Pim, der eigentlich Biologielehrer ist. Er baut wie Rainer seine Ruten selbst und schleppt sie in vier Meter langen Behältern im Flugzeug mit.

Bussi aufs Maul des Kabeljaus

Zurück an Land. In der großen Halle wird gefeiert, ausgelassene Menschen mit Kapitänskäppi oder Norwegerstrickmützen prosten sich zu. Am späten Nachmittag kommt das Ergebnis: Der Siegerfisch wiegt unglaubliche 28,3 Kilogramm, der Norweger Kjetil Bjordal aus Andenes hat ihn angelandet. Jetzt hält er den Fisch wie ein Riesen-Baby auf beiden Armen und lacht in die Kameras. Andere drücken dem Siegerdorsch im Vorbeigehen ein Bussi aufs Maul. Es ist der bis dato größte bei der WM geangelte Fisch. In der Nebenhalle werden die Kabeljaus gewogen und ausgenommen. Profis filetieren das Fleisch im Sekundentakt. Die besten Stücke werden eingepackt. Draußen auf der Straße schleifen die Menschen den Fisch in schweren Plastiktüten hinter sich durch den Schnee, um in den umliegenden Kneipen weiter zu feiern. Der Fisch der Angelnovizin hat ihr übrigens die Plazierung 149 bei der internationalen Kabeljau-Weltmeisterschaft eingebracht. Und das war garantiert erst der Anfang.

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