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Kabeljau-Weltmeisterschaft : Dicke Dinger unterm Kiel

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Am nächsten Tag wollen wir endlich dem berühmten Fisch mit den Leopardenflecken zu Leibe rücken, der so viele Namen hat - Dorsch, Kabeljau, Cod auf Englisch, Gadus morrhua auf Lateinisch, Skreifiske oder Torsk auf Norwegisch - und ganze Nationen über Jahrhunderte ernährte. Dank einer restriktiven Fischfangpolitik der Norweger geht es dem Bestand heute relativ gut. Im Hafen von Svolvær, mit viertausend Einwohnern Hauptort der Lofoten, treffen morgens um neun Uhr die Teilnehmer der Kabeljau-Weltmeisterschaft ein. Für die elf Angler unseres Teams liegt der zwanzig Meter lange Kutter „Elltor“ startklar. In dicke Thermoanzüge verpackt, deponieren die Sportfischer ihr Gerät an der Reling, dann läuft die „Elltor“ aus und mit ihr achtzig weitere Boote. Vom brummigen Motorboot über die elegante Segelyacht bis zum stotternden Kutter ist alles dabei. Sechshundertfünfzig Teilnehmer verteilen sich auf die Boote, aus der ganzen Welt sind sie gekommen, Profis, Amateure und blutige Anfänger, um hier die Leinen auszuwerfen. Die Regeln sind einfach: Wer den schwersten Brocken herausholt, hat gewonnen.

Siegerfoto nach erfolgreicher Großwildjagd

Noch ist das Meer ruhig, doch schwere graue Wolken über dem Sund verkünden nichts Gutes. Die nächsten fünf Stunden schaukelt die „Elltor“ ein paar Meilen weiter draußen auf den Wellen. Jeder bezieht seine Position an Bord, sucht Köder aus, versucht sein Glück. Kapitän Jim, Berufsfischer vom Nusfjord, gibt letzte Einweisungen und schaut nach dem Rechten. Das Auswerfen ist schnell erklärt. Anschließend heißt es, die Rute soange zu schwenken, bis einer der Flossenträger tief unten das silbrige Stück Metall zum Anbeißen findet. Dann ist es endlich so weit: Die Rute spannt sich, der erste Kandidat reißt an der Leine der Angelnovizin. Jetzt geht alles ganz schnell - den Fisch auf Spannung halten, kurbelnd die Leine einholen, die Rute dabei heben und senken. Das braucht ein wenig Übung. Und schließlich der große Moment, als endlich der schimmernde Leib aus dem Dunkel der Tiefe auftaucht. Es ist wirklich ein Fisch! Ein Helfer zieht den Dorsch mit dem Haken heran, hebt ihn an Bord und in ein Auffangbecken. Der allererste selbstgefangene Fisch wiegt knapp sieben Kilo und ist mehr als einen Meter lang. Was für ein Gefühl! Das Abendessen scheint sicher. Ein stolzes Siegerfoto mit der tropfnassen Trophäe wie bei einer Großwildjagd. Und obwohl es das erste Mal ist, fühlt es sich archaisch an. Von da an lässt die glückliche Jägerin ihre Beute nicht mehr aus den Augen und kann sie auf Anhieb von den anderen unterscheiden.

Auf in den Kampf: ein Kutter voller Kabeljaujäger beim Auslaufen.
Auf in den Kampf: ein Kutter voller Kabeljaujäger beim Auslaufen. : Bild: Franziska Horn

Der Wind legt zu, es wird stürmisch, von Zeit zu Zeit schneit es. Jim verändert immer wieder die Position des Schiffes, um bessere Fischgründe zu finden. Wer ihm auf die Brücke folgen darf, kann sehen, wie das Echolot die Schwärme ortet und dass die dicken Dinger in achtzig bis neunzig Meter Tiefe schwimmen. Angelfuchs Rainer aus Bad Segeberg dagegen fischt in sechzig bis siebzig Meter. „Die Größeren stehen nämlich über den Kleineren“, sagt er schlau. Prompt holt er einen der größten Dorsche überhaupt aus dem Meer. Siegerfoto! Dann ein Stich quer durch die Kiemen, der Fisch ist tot. Einmal mehr ist die Reise eines Wanderers zu Ende. Denn „skrei“ bedeutet im Norwegischen wandern.

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