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Günstig übernachten : Wir wollen doch nur spielen

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In einem Hotel im Herzen der Stadt braucht man heute weder Restaurant noch Roomservice – dafür eine Bar, die rund um die Uhr geöffnet ist, wie im Berliner Motel One am Tiergarten.
In einem Hotel im Herzen der Stadt braucht man heute weder Restaurant noch Roomservice – dafür eine Bar, die rund um die Uhr geöffnet ist, wie im Berliner Motel One am Tiergarten. : Bild: Motel One

So weit, so verständlich. Nur: Wie kriegen die das mit dem „Luxus“ hin im Lean-Luxury-Erlebnishotel? Und was bedeutet das überhaupt? Die Antwort ist einfach: Weglassen. Halb so große Zimmer wie im Hoteldurchschnitt, schmal wie Schiffskabinen. Kein Schrank, keine Minibar, weder Zimmerservice noch Restaurant, kein Konferenzsaal, weniger Personal. Doch gute Betten, teure Materialien, Designerlampen. Und das Wichtigste: Eine spektakuläre Lounge mit Bar. Dort, unter interessanten Menschen aus der fremden Stadt, nicht einsam im Hotelzimmer, spielt sich das Wohnen ab.

Ein intellektuelles Spiel gegen die Monotonie im Kettenhotel

Die junge Firma „Ruby“, die bis jetzt ein Hotel in Wien und eins in München betreibt - das Motto dort: „Monaco Franze“ - erklärt das auf ihrer Website so: „Luxus heißt für uns unkomplizierter Komfort anstatt Förmlichkeiten.“ In einem Hotel im Herzen der Stadt brauche man weder Restaurant noch Roomservice. „Dafür wollen wir eine lässige Bar, die rund um die Uhr geöffnet ist.“

Es geht bei den jungen Hotels um mehr als nur um eine Mode, es geht um einen Wertewandel bei der Kundschaft - ein Zimmer des Goldman 25hours-Hotel in Frankfurt.
Es geht bei den jungen Hotels um mehr als nur um eine Mode, es geht um einen Wertewandel bei der Kundschaft - ein Zimmer des Goldman 25hours-Hotel in Frankfurt. : Bild: Rüchel, Dieter

Wie Motel One versteht sich auch die noch sehr kleine Ruby-Kette als Anbieter preiswerten Übernachtens. Dabei ist der Preis beim Thema „Lean Luxury“ keineswegs das bestimmende Element. Es geht um ein Lebensgefühl wie schon bei Bürgerschreck Ian Schrager. Die Geschichte wiederholt sich. Mit der legendären New Yorker Disco „Studio 54“ hatte sein Aufstieg vor vierzig Jahren begonnen. Dem folgte mit dem ebenso legendären „Morgans“ das erste Lifestyle-Hotel: ausgefallenes Design, private Atmosphäre und ziemlich viel los.

Gemeinsam mit dem Designer Philippe Starck setzte Schrager ein Hoteltheater nach dem anderen in die avantgardistische Schickeria-Welt: Ein intellektuelles Spiel gegen die Monotonie im Kettenhotel und den Muff des gewöhnlichen Beherbergungsgewerbes. Schrager entwickelte später auch Designhotel-Marken für Hotelkonzerne und Konzepte für das Low-Budget-Segment. Seinen neuen Luxus sollte sich jeder leisten können.

Hotels als Kinderspielplatz für Erwachsene

Das Prinzip Lifestyle statt Unterkunft in allen Varianten zwischen Billighotel und Luxusherberge ist bis heute geblieben. Doch was bei Schrager ein Minderheitenprogramm war, ist heute eine breite Bewegung. Wir haben es lustig im Hotel, aber blicken kaum mehr durch bei dem Ansturm der Hotel-Individuen mit schrägen Namen. Jaz und Andaz, Autograph Collection, Me and All, 25hours, Ruby Sofie in Wien, Ruby Lilli in München. Mal handelt es sich um Einzelkämpfer, die als Start-up ihr Glück versuchen, mal um finanziell gut gepolsterte Ableger von Hotelkonzernen. Übernachtungspreise und Ausstattung reichen von Low Budget bis Luxus.

Ein Spelplatz für Erwachsene: Zooblick mit Affenschaukel in einem Zimmer des 25hours im Bikini-Haus Berlin.
Ein Spelplatz für Erwachsene: Zooblick mit Affenschaukel in einem Zimmer des 25hours im Bikini-Haus Berlin. : Bild: Stephan Lemke for 25hours Hotels

Nehmen wir zum Beispiel „Jaz“, in der Eigenwerbung „dein fancy Designhotel in Amsterdam“: Weiter: „Maximaler Stylefaktor“, Bio-Frühstück, Fitnessraum, Yoga, „Rhythms Bar & Kitchen“. Jaz will „die lokale Szene“ ins Hotel holen, die nächste Neueröffnung in Stuttgart bietet dazu eine Hiphop-Akademie mit Live-Performance auf, samt Roofbar, DJ, Cigar Lounge und Platz für „Meet and greet“ mit den Stars des Abends. Das Ziel: Hotelgäste werden Teil der Szene. Jaz ist eine neue Marke des ehemaligen Steigenberger-Konzerns, der heute „Deutsche Hospitality“ heißt. Die Preise liegen im mittleren Level, auf Bettenqualität werde großer Wert gelegt, heißt es, ein Restaurant ist vorhanden.

Vorbild der deutschen Hotelgeneration „Lifestyle“ ist nicht mehr Ian Schrager aus New York, sondern Christoph Hoffmann aus Deutschland. Wie einst Schrager zeichnet es auch den Miterfinder der Lifestyle-Hotels „25hours“ aus, mit Provokationen und Brüchen zu spielen. Vor wenigen Wochen wurde Hoffmann in Berlin beim deutschen Hotelkongress der renommierte Branchentitel „Hotelier des Jahres“ zuerkannt. So, wie er sich als Edelrebell und seine Hotels als Kinderspielplatz für Erwachsene präsentiert, könnte er ein Bruder Schragers sein.

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