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Jordanien : Begrüßungstee im Land der Beduinen

  • -Aktualisiert am

Eigentlich ist alles da: Natur, Wüste, gastfreundliche Beduinen. Fehlen nur noch die Touristen. Bild: Sven Weniger

Die instabile Situation im Nahen Osten wird dem jordanischen Fremdenverkehr zum Verhängnis. Die Menschen warten auf Besucher, von ihnen hängt ihr Auskommen ab.

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          Die Wüste ist leer. Von dem verfallenen Gemäuer, das sich unter einer Felsnase duckt, als wolle es sich unsichtbar machen, fällt der Blick hinab in eine gleißend helle Ebene. Die Sandsteinwand wirft ihren langen Schatten hinterher. Hier, in einem Seitental des Wadi Rum, baute Thomas Edward Lawrence im Jahr 1917 ein Haus, nachdem er als Lawrence von Arabien mit den Beduinen zum Sieg über das Osmanische Reich gen Aqaba geritten war. Noch im selben Jahr verließ der britische Offizier das Land für immer. Nur die Steinmauern zeugen noch von seiner Anwesenheit. Fast hundert Jahre später sind sie ein Menetekel der unruhigen Zeiten, durch die Jordanien wieder geht.

          Das Königreich liegt inmitten einer Konfliktregion, auch in Jordaniens Hauptstadt Amman wird immer wieder für Reformen demonstriert. Viele Urlauber bleiben deshalb weg. Vor einem Jahr noch zogen Geländewagen regelmäßig ihre Spuren durch den Sand zwischen den Bergketten des gerade erst zum Weltnaturerbe der Unesco erklärten Wadi Rum. Nachts loderten hier und da Feuer westlicher Trekkinggruppen. Die Beduinen-Zeltlager bei der Siedlung Disi waren gut besucht. Nun wirkt die Wüste wieder verlassen. Nur gelegentlich sieht man einen Jeep in der Ferne, ein Echo vergangener Tage. Um zehn Prozent sei der Tourismus in diesem Jahr zurückgegangen, heißt es von offiziellen Stellen. In Besuchermagneten wie der Felsenstadt Petra beklagt man sogar einen Einbruch von über fünfzig Prozent.

          Lawrence von Arabien als pausbäckiges Kind

          Mahmud freut sich sichtlich über unseren Besuch. Mit einem Tablett voller Gläser und breitem Lächeln kommt er uns entgegen. Eine schneeweiße Dishdasha umweht seinen Körper. Chai, der bernsteinfarbene Tee mit Kardamon und Minze, wird hier jedem Ankömmling serviert. In einer Art Partyzelt sitzt schon eine Gruppe Franzosen. Die Beduinen der Region bauen ihre Verkaufsstände nahe den Pisten der Touristenjeeps im Wadi auf und bieten Souvenirs aller Art: T-Shirts, Schmuck, Handarbeiten, Teppiche. Der Tee ist umsonst, so will es die Gastfreundschaft, sie ist oberstes Gebot. Mahmuds Zelt steht neben einem Felsrelief, das Lawrence von Arabien darstellen soll. Er sieht darauf wie ein pausbäckiges Kind aus und nicht wie ein gefürchteter Krieger. Gegenüber hat jemand ein ungelenkes Porträt von König Abdullah in den Stein gemeißelt. Die Jeeps halten hier gern. Mahmud hat Glück.

          Die Regierung versucht seit langem, die Beduinen sesshaft zu machen. Der einzige wirtschaftliche Anreiz nahe der saudiarabischen Grenze ist der Fremdenverkehr. Wie alle Mitglieder des Howeitat-Clans, einer von zwei lokalen Beduinensippen, lebt Mahmuds Familie davon, dass Menschen die monumentale Pracht des Wadi Rum erleben wollen - und dabei Geld ausgeben. Der Staat baute Häuser, in denen die Beduinen wohnen können, und Schulen für deren Kinder. Es gibt kostenlose Bildungsprogramme und Sprachunterricht. Das Besucherzentrum ist nagelneu. Für ihr Auskommen müssen die Menschen jedoch selbst sorgen. Wenn die Touristen ausbleiben, strauchelt das Konzept.

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