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Jean-Paul-Weg : In ferne Welten aus den Stuben über Sterne

An diesem Samstagnachmittag war tatsächlich zum ersten und einzigen Mal während der gesamten Wanderung für ein paar Minuten die Sonne am Himmel erschienen, und ich bin ziemlich erschrocken, als ich plötzlich meinen Schatten neben mir herlaufen sah. Aha, dachte ich, mein Doppelgänger, weil ich gerade erst gelesen hatte, welche Vokabeln die deutsche Sprache dem wortmächtigen Jean Paul alle zu verdanken hat: vom Angsthasen, dem Schmutzfink und den Gänsefüßchen bis zum Abbild, der Gefallsucht und dem Fremdwort - und eben auch den Doppelgänger. Aber der kam ihm sicher nicht angesichts von Sonne und Schatten in den Sinn. Da holte er weiter aus und ließ im „Hesperus“ geschwollene Wolkenklumpen im weiten Blau zu Flocken eingehen, „bis endlich das blaue Meer alle Nebelbänke verschlang und nichts auf seiner unendlichen Fläche trug als die herunterlodernde Sonne“ - wenn auch von ihm nicht als meteorologischer Befund gemeint, sondern als Seelenmetapher. Mir wären unterwegs vermutlich die Vokabeln Waldeinsamkeit und Wirtshaussterben eingefallen, wenn es sie nicht schon gäbe.

Dann machten wir uns auf den Weg in die Stadt, Frau Fohrbeck und ich, und kehrten in Bayreuth in einem Brauereigasthof ein und unterhielten uns gepflegt, bis das Lokal schloss. Ich hatte Bauernente, die beste Bauernente, die ich in meinem Leben gegessen habe, und dazu, ich traue es mich kaum zu sagen, zwei große Bier. Mehr nicht. Jean Paul möge es mir verzeihen.

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