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Japans südlichste Insel : Alles wird gut, sagt der spuckende Gott

Origami-Kormorane für den Frieden: Das Hypozentrum, Punkt des Einschlags der Atombombe „Fat Man“ in Nagasaki.

Japan hat Angst vor der Panik

Größere Teile der Kirchenfassade stehen gleich nebenan im Atombombenmuseum. Dort kann man sehen, wie extreme Hitze Fassadenskulpturen und Rosenkränze schmelzen lässt. Man sieht deformierte Glasflaschen, verkohlte Baumstümpfe und eine ziemlich mitgenommene Wanduhr, deren Zeiger auf zwei Minuten nach elf Uhr stehengeblieben sind - dem Zeitpunkt der Detonation. Diese Alltagsgegenstände, die die Spuren einer der größten, menschengemachten Katastrophen tragen, sind in ihrer Einfachheit anrührend.

Mindestens so interessant wie das, was erklärt und ausgestellt wird, ist aber das, was das Museum nicht erwähnt. So geriet Japan anscheinend ohne jegliches Verschulden in einen hässlichen Weltkrieg hinein, der von einem üblen deutschen Diktator ausgelöst wurde, der vermutlich auch mit irgendwem verbündet war, aber wohl eher nicht mit Japan, das einfach nur unschuldig vor sich hin lebte. Das hatten wir irgendwie anders in Erinnerung.

Die großen Verlierer waren am Ende die Einwohner in den verseuchten Städten: Sie verloren nicht nur Gesundheit, Familie, Besitz und Heimat, sie verloren auch ihr Ansehen in der starren japanischen Gesellschaft, die so sehr auf Anpassung und Unterordnung ausgerichtet ist, dass sie für Atombombenopfer keinen Platz finden konnte. Wer erwähnte, aus Hiroshima oder Nagasaki zu stammen, dem wurde eine Arbeitsstelle verweigert und kam nicht als Ehemann oder Schwiegersohn in Frage. Die ältere Generation denkt noch immer so: Besser über das Schlechte hinwegsehen, Schweigen ist besser. Oder, wie es unser auch schon etwas betagter Guide formuliert: „Wir in Japan haben Angst vor der Panik.“ Deshalb möchte er mit uns auch lieber nicht über Fukushima reden.

Die Jüngeren sind aufgeschlossener

Die jüngere Generation ist da zum Glück aufgeschlossener. Wir treffen sie in Gestalt von Yuki, die uns erst einmal in eine Bar verschleppt. Die Bar ist in einem uralten Häuschen untergebracht, von einem Gärtchen gesäumt und für japanische Verhältnisse äußerst plüschig. Der Barmann stellt uns Knabbereien hin, wie in Japan üblich, und widmet sich dann wieder seiner umfangreichen Musiksammlung. Yuki arbeitet beim lokalen Touristenbüro, spricht hervorragend Englisch und hat mehrere Monate in New York gelebt. Neben ihrer Arbeit besucht sie regelmäßig Grundschulen, unterrichtet und organisiert Projekte zum Thema Frieden. Ja, die ältere Generation habe so gedacht, sagt sie, aber das ändert sich langsam.

Und dann unterhalten wir uns über die Zeichentrickfilme von Hayao Miyazaki, den wir beide sehr verehren. Der Barmann schnappt den Namen auf, legt den Soundtrack zu „Nausicaä“ ein, und Yuki erzählt vom neuesten Werk des Regisseurs, das in Deutschland noch nicht angelaufen ist, mich aber brennend interessiert. „The Wind Rises“ heißt der Film, und er handelt von einem Mann und seinem Traum vom Fliegen. Das klingt harmlos, doch der Film lehnt sich an die Biografie von Jiro Horikoshi an, der das erfolgreichste japanische Kriegsflugzeug entwickelte, die „Zero“, hergestellt im Mitsubishi-Werk von Nagoya. Er habe nur etwas Schönes herstellen wollen, soll Horikoshi nach dem Krieg gesagt haben, nachdem sein Flugzeug als effektivste Maschine der Luftwaffe für unzählige Tote verantwortlich gewesen war.

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