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Japans südlichste Insel : Alles wird gut, sagt der spuckende Gott

Doch nicht immer war Kyushu nur das japanische Ende der Welt, in das man in Ungnade gefallene Beamte entsorgte. Ziemlich lange befanden sich hier auch die Handelskontore der europäischen Mächte Portugal und Holland - zuerst im beschaulichen Hirado ganz oben im Nordwesten Kyushus, später in Nagasaki. Doch das ging nicht lange gut. Als der Shogun berechtigterweise befürchtete, eifrig missionierende Jesuiten und aufklärerische Gedanken könnten zu viel Unruhe in sein Reich bringen, warf er sämtliche europäische Händler und Missionare aus dem Land, verbot das Christentum und riegelte Japan für fast dreihundert Jahre völlig ab. Der einzige Handelsposten war die künstliche Insel Dejima vor Nagasaki, auf der sich die niederländische Ostindien-Kompanie niederließ, denn die Niederländer hatten kein Interesse an der Missionierung. Sie importierten lieber Seide und Baumwolle und exportierten Lackwaren, Kampfer, Metalle und, von der nahen Hafenstadt Imari aus, auch das kostbare Porzellan aus dem Dorf Arita, das sich der Produktion für den europäischen Geschmack verschrieben hatte. Noch immer ist Arita eine Porzellanstadt, und in einem verkleinerten, etwas deplaziert anmutenden Nachbau des Dresdner Zwingers kann man die Produktion der vergangenen Jahrhunderte besichtigen.

Einst war Nagasaki ein kleines Fischerdorf. Doch über die kleine Landbrücke der Handelsinsel Dejima fand ein reger Kulturaustausch statt.

Paravents und Patchworkdecken auf der Handelsinsel

In Nagasaki, an dessen Hafen die Mitsubishi-Werft Kreuzfahrtschiffe in die halbe Welt schickt, wurde die Handelsinsel Dejima liebevoll rekonstruiert. In den Holzhäuschen herrscht eine wilde Mischung aus japanischem und holländischem Stil, strenge Sprossenfenster und Blümchentapeten, japanische Paravents und Patchworkdecken, japanisch gestutzte Bäumchen und Pendeluhren. Die Anwesenheit der Niederländer im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert sorgte auch dafür, dass aus dem abgelegenen Nagasaki ein Zentrum des Fortschritts wurde. Niederländische Ärzte und Wissenschaftler hielten Vorträge und gaben ihr Wissen an japanische Schüler weiter. Die Dolmetscherfamilien hüteten wertvolle niederländische Bücher und gehörten zu den einflussreichsten Häusern weit und breit. Und nicht zuletzt hatten viele Niederländer japanische Geliebte. Durch ein kleines Nadelöhr, über die Landbrücke zur Dejima, fand trotz Abriegelung und strengster Auflagen in der hintersten Ecke des Landes ein reger Kulturaustausch statt. Und nach der Meiji-Restauration, der erzwungenen Öffnung des Landes, schlich sich die Industrialisierung hier zuallererst ein.

Nagasaki ist auch die Stadt, in der die kurze Zeit des japanischen Christentums noch am stärksten sichtbar ist. Nicht nur die allgegenwärtigen Bisquitkuchen namens „Castella“, an jeder Ecke erhältlich in Vanille- und Grünteegeschmack, erinnern an das portugiesische Erbe. Zahlreiche Kirchen sind noch erhalten, auch wenn der christliche Glaube lange nur im Verborgenen ausgeübt werden durfte. Die größte zentrale Kirche allerdings, die Urakami-Kathedrale, wurde nur zwanzig Jahre nach ihrer Fertigstellung völlig zerstört. Sie stand zu nahe am sogenannten Hypozentrum, dem Einschlagspunkt der Atombombe „Fat Man“, die eigentlich das Mitsubishi-Werk treffen sollte, das zu diesem Zeitpunkt der größte Waffenhersteller Japans war. Neben einer Stele, die das Hypozentrum markiert, ragen neugotische Säulenfragmente auf. Schulklassen haben Origami-Kormorane gefaltet, auf Schnüre gezogen und dort abgelegt.

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