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Japans südlichste Insel : Alles wird gut, sagt der spuckende Gott

Aso ist zornig und spuckt Schwefel und Gas. Deshalb können wir heute nicht mit der Seilbahn zum Gipfel fahren.

Ein Zeichentrickjapan mit Gartenbonsais und Reisbäuerlein

Zum Beispiel in Fukuoka. Das heißt „Tal des Glücks“, schon wieder Glück, und, wirtschaftlich gesehen, steht Fukuoka auch unter einem guten Stern. Die Stadt, die anderthalb Millionen Einwohner zählt, ist die größte auf Japans Südinsel, Kyushu: wirtschaftlich bedeutend, landschaftlich unspektakulär, architektonisch so unansehnlich wie die meisten japanischen Städte, aber auf Kyushu ist das Grün nie weit weg. Für die Bewohner der Hauptinsel Honshu ist die Südinsel ohnehin ferne Provinz, hier wohnen ihrer Vorstellung nach Malocher, Fischer und Reisbäuerlein. Und so ganz von der Hand zu weisen ist dieser Verdacht auch nicht, wenn man durch die Dörfer fährt, diese Ansiedlungen aus Häuschen mit pagodenförmig gewölbten Dächern und wolkenförmig beschnittenen Gartenbonsais im schmalen Vorgarten. Hügel, mit Bambuswäldern bewachsen, Reisfelder, Kiefernwäldchen. Ein richtiges Bilderbuch-Japan. Oder, wenn man so sozialisiert ist wie ich, ein Zeichentrickfilm-Japan.

Einst war Kyushu das Lieblings-Naherholungsziel der Nation, inzwischen leistet man sich lieber eine Auslandsreise. Westliche Touristen verirren sich erst recht nicht in den Süden. Zwar gibt es auch hier interessante Schreine, Gärten und vor allem wunderbare Natur wie die „Neunundneunzig-Insel-Landschaft“, die man mit dem Ausflugsboot erkunden kann. Aber der gemeine Japan-Reisende steht sich nach wie vor lieber vor Kyotos Kulturdenkmälern die Beine in den Bauch.

Der wütende Geist des einstigen Hofgelehrten

Selbst schuld, denke ich mir. Am Aso-Schrein sind wir die einzigen westlichen Besucher. Selbst der Ansturm am bedeutenden Dazaifu-Schrein in der Nähe von Fukuoka kommt zum Großteil aus sämtlichen Ecken Asiens. Man hört Chinesisch und Koreanisch und natürlich Japanisch. In Dazaifu lebte der Gelehrte und Dichter Sugawara no Michizane, der durch Intrigen vom Hof in Kyoto verbannt wurde und fortan in der fernen Provinz als kleiner Beamter leben musste. Nach seinem Tod im Jahr 903 wurde die damalige Hauptstadt durch Unwetter schwer beschädigt, es gab Dürren und Seuchen, viele Höflinge starben und alle Söhne des Kaisers. Sofort ließ die Regierung einen Schrein bauen, um den wütenden Geist des einstigen Hofgelehrten zu besänftigen, dessen Rachegelüste man für die Stürme verantwortlich machte. Michizane bekam postum alle Ämter wieder zugesprochen, und dass er in die ferne Provinz Kyushu verbannt war, tilgte man aus den Chroniken. Heute besuchen viele Schulklassen den Schrein in Dazaifu, und Schüler bitten auf kleinen Holztäfelchen um gute Prüfungsergebnisse.

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