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ITB : Kann man denn nirgendwo mehr Urlaub machen?

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Tilo Krause-Dünow von Canusa Touristik, einem Spezialreiseveranstalter für Nordamerika, kann trotz der Wahl noch gut schlafen. Denn die Buchungszahlen für die Vereinigten Staaten entsprachen im Januar und Februar denen des Vorjahrs. Es gebe jedoch Kunden, die aufgrund der Wahl Trumps verunsichert seien und den Veranstalter darauf ansprächen. „Wir antworten dann, dass es beim Urlaub in San Francisco oder New York keine Rolle spielt, wer im Weißen Haus sitzt“, sagt Krause-Dünow. Das Land und seine „Willkommenskultur“ habe sich nicht verändert. Dass die Verunsicherung etwa aufgrund der Debatte um die Einreiseverbote Kunden von den Vereinigten Staaten nach Kanada führt, glaubt Krause-Dünow trotz zweistelliger Zuwachsraten für Kanada-Reisen bei Canusa Touristik nur bedingt: „Diese Steigerung machte sich schon vor Trumps Wahl bemerkbar und hängt mit anderen Faktoren zusammen – etwa einer starken Kampagne mit den Kanadiern oder der Beliebtheit des kanadischen Präsidenten Trudeau in Europa.“

„Get no fake news, get real news“

Destination Canada verzeichnete mit mehr als 18,6 Millionen Touristen im vergangenen Jahr die zweithöchste Besucherzahl seit dem Rekordjahr 2002. Aus Deutschland kamen 369000 Gäste. Kanada baut unterdessen 2017 nicht allein auf „Trudeau statt Trump“, sondern wirbt mit freiem Eintritt in alle Nationalparks im Zuge des hundertfünfzigsten Geburtstags der kanadischen Konföderation. Der anhaltend günstige Kanadische Dollar dürfte den positiven Reisetrend für Kanada weiter verstärken.

Die Unsicherheiten in den ehemaligen Reiseschwergewichten führen dazu, dass einige Länder jetzt ihre Chance wittern, die zuvor als Urlaubsziele eher ein Nischendasein führten. So präsentierte sich Uganda auf seiner Pressekonferenz während der ITB als „Insel des Friedens“ inmitten einer Welt terroristischer Attacken und wirbt neben Gorillas und Artenschutz mit einem einunddreißig Jahre währenden Frieden als touristischem Verkaufsargument. Auch die Tourismusministerin Äthiopiens, Hirut Woldemariam, zählte auf der Pressekonferenz von Ethiopian Airlines und der Ethiopian Tourism Organization nicht nur die historischen und landschaftlichen Sehenswürdigkeiten des Landes auf, sondern auch, welche internationalen politischen Kongresse in jüngster Zeit im Land reibungslos abgehalten worden sind.

Auf der diesjährigen ITB wurde es immer wieder politisch: Demonstranten halten in der Türkei-Halle ein Transparent mit dem Foto des in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel in die Höhe.
Auf der diesjährigen ITB wurde es immer wieder politisch: Demonstranten halten in der Türkei-Halle ein Transparent mit dem Foto des in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel in die Höhe. : Bild: dpa

Somit hat sich auf der ITB gezeigt, dass alles eine Frage der Darstellung ist. Auch auf der Pressekonferenz der Türkei fand man letztlich einen Schuldigen für die Missstimmungen, die sich auf den Tourismus des einst bei den Deutschen so beliebten Reiselandes auswirken. Es sind, wenig überraschend, „die Medien“. Minister Avci unterbreitete den anwesenden Journalisten gleich einen Verbesserungsvorschlag: Man müsse die Wahrnehmung der Menschen „moderieren“, die Türkei gut- und nicht schlechtreden, und die „Mainstream-Medien“ dürften sich nicht von manipulativen Internetquellen beirren lassen. „No fake news“ – und wenn, dann machen wir sie selbst. Für neue Missstimmung sorgte dann sogleich ein deutscher Fernsehjournalist, der fragte, ob der Minister garantieren könne, dass er als Medienvertreter bei einer Reise in die Türkei nicht verhaftet werde. „Dafür kann ich genauso garantieren, wie Deutschland dafür garantieren kann, dass Sie hier nicht verhaftet werden“, lautete Avcis Antwort.

„Get no fake news, get real news“, forderte auch der Präsident von Visit USA, Hans Gesk, und verlas während einer Veranstaltung der Vereinigten Staaten in Berlin einige seiner Ansicht nach lobenswerte Beispiele solcher „real news“ aus positiven medialen Berichten über die Vereinigten Staaten. Diese betonen immer wieder, dass man hinfahren müsse, um das Land zu verstehen. Vielleicht ist dies tatsächlich das konsequenteste Resümee der diesjährigen ITB: Man muss selbst reisen, damit niemand die Wahrnehmung moderieren kann.

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