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ITB : Kann man denn nirgendwo mehr Urlaub machen?

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Vielleicht profitiert ja auch bald Usbekistan von der unglücklichen Lage einiger einst beliebter Destinationen.
Vielleicht profitiert ja auch bald Usbekistan von der unglücklichen Lage einiger einst beliebter Destinationen. : Bild: EPA

Torsten Richter, Global Chief Editor des Reiseschnäppchen-Portals Urlaubspiraten, ist da weniger optimistisch. Nach seinen Beobachtungen schreiben viele Nutzer vor allem auf Facebook, dass sich eine Reise in die Türkei oder auch nach Amerika derzeit nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren lässt. Mindestens genauso viele Nutzer des Portals sprechen laut Richter aber auch davon, dass der Hotelier in Antalya für die politische Situation nichts könne. „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es zur Zeit nirgendwo“, meint Richter zudem.

Den griechischen und italienischen Inseln, Kroatien, aber manchen türkischen Regionen wie Antalya sagt Richter aufgrund ihrer günstigen Preislage einen erfolgreichen Sommer voraus. Weiter zeichnet sich bei den Buchungen auf Urlaubspiraten ab, dass einige Länder von der misslichen Lage der Konkurrenz profitieren. So werden Ägypten und Marokko anstelle der Türkei wieder stärker nachgefragt, während Kanada an Urlaubern gewinnt, die die Vereinigten Staaten meiden. „Allerdings sind die Vereinigten Staaten günstiger geworden, seit Trump Präsident ist“, sagt Richter, betont jedoch zugleich, dass das auch an einem gerade herrschenden Preiskampf der Fluggesellschaften liegen könnte.

Trudeau statt Trump?

Der „Trump-Effekt“ manifestiert sich nicht nur in Kommentaren auf Facebook, sondern war auch auf der ITB das Gesprächsthema der Stunde. Die amerikanischen Urlaubsziele zeigten sich unterschiedlich nervös, was die Auswirkungen des Wahlergebnisses auf ihre Touristenzahlen betrifft. Annika Heckler von Texas Tourism hält es noch für zu früh, um die Auswirkungen von Trumps Wahl auf den Fremdenverkehr einschätzen zu können: „Ende des Jahres werden wir mehr wissen. Aber Texas gilt ohnehin schon immer als konservativer Staat.“ Florida bleibt selbstbewusst: „Wir haben den Touristen so viel zu bieten, dass die politische Situation das nicht beeinflusst hat“, sagt Claudia Claussen von Visit Florida. Auch Kathrin Berns vom Colorado Tourism Office betont das ungebrochene Interesse vor allem an der einzigartigen Landschaft der Vereinigten Staaten – und den Umstand, dass Colorado Trump nicht gewählt hat. Nachbarstaat Arizona, für den Deutschland der wichtigste Markt ist, hofft ebenfalls, dass etwa der Grand Canyon für die Touristen wichtiger bleibt als Donald Trump.

Die Internationale Tourismusbörse in Berlin fand vom 8. bis zum 12. März statt und war Plattform für mehr als 10.000 Aussteller aus über 180 Ländern.
Die Internationale Tourismusbörse in Berlin fand vom 8. bis zum 12. März statt und war Plattform für mehr als 10.000 Aussteller aus über 180 Ländern. : Bild: dpa

New York könne noch keinen Besucherrückgang nach der Wahl feststellen, bereite sich aber auf einen solchen vor, sagt Evelyn Dathe von NYC&Company. Zur Sicherheit startet die Stadt in diesem Jahr eine Kampagne mit dem Namen „Welcoming the World“, die auf den Eigenschaften New Yorks als multiethnischer Schmelztiegel aufbaut und auch in Mexiko lanciert wird. Eine ganze Reihe neuer Attraktionen soll zudem helfen, an den Besucherrekord vom Vorjahr mit 60,7 Millionen Besuchern anzuknüpfen. „Dass New York aufgrund seines Multikulturalismus eine Art Sonderstellung in den Vereinigten Staaten genießt, kann sich jetzt zu unseren Gunsten auswirken, aber wir wollen uns nicht nur darauf verlassen“, so Dathe. In Illinois, dem „Land of Lincoln“ und „Home of Obama“, gibt man sich hingegen gelassen: „Wir haben eine große Werbekampagne gestartet und hatten in den vergangenen Jahren bereits einen Anstieg der Besucherzahlen zu verzeichnen“, sagt Cory Jobe, der Direktor des Illinois Office of Tourism. Auf der ITB warb Illinois zudem für sich als besonders attraktives Ziel für „Reisende mit LGBTQ-Hintergrund“ und präsentiert sich somit ebenfalls als weltoffener Staat.

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