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Italien : Langsam sind wir drüber weg

Als „die schönsten Berge der Welt“ bezeichnet Reinhold Messner die Dolomiten. Das muss nicht jeder so sehen. Bild: Julia Schaaf

Wandern in den italienischen Dolomiten ist das Größte, sagen immer alle. Aber zwölf Tage lang? Vom Pragser Wildsee bis nach Belluno? Und das mit zwei Kindern?

          6 Min.

          Am dritten Tag unserer Wanderung wache ich eine halbe Stunde vor dem Weckerklingeln auf, weil ich mir Sorgen mache. Vor uns liegt die laut Reiseführer spektakulärste, aber auch längste und anstrengendste Etappe unserer Hüttentour. Und es soll regnen, den ganzen Tag. Die Wetter-App sagt sogar Gewitter voraus. Unser Ziel ist fünf Stunden Fußmarsch und 1100 Höhenmeter entfernt. Wie sollen die Kinder das durchhalten? Was haben wir uns da eingebrockt?

          Julia Schaaf
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenn wir im Vorfeld erzählt haben, dass wir in den italienischen Alpen wandern wollten, zwölf Tage vom Pragser Wildsee in Südtirol bis nach Belluno, reagierten die Leute erstaunt: „Was sagen eure Kinder dazu?“ Wir antworteten dann, dass wir mit den Zwergen schon auf Berge gestapft seien, als andere noch ausschließlich mit Kinderwagen unterwegs waren. Dass Bekannte von uns den Dolomiten-Höhenweg Nummer eins mit Nachwuchs in ähnlichem Alter bewältigt und uns vorgeschwärmt hätten, so gut erholt hätten sie sich im Urlaub noch nie. Außerdem würden wir auf die gemeinschaftsstiftende, mitreißende Kraft des Familienabenteuers vertrauen.

          Der Höhenweg Nummer 1 führt quer durch die italienischen Dolomiten - von Südtirol nach Belluno.
          Der Höhenweg Nummer 1 führt quer durch die italienischen Dolomiten - von Südtirol nach Belluno. : Bild: Julia Schaaf

          Wir kauften Funktions-T-Shirts und Wanderhosen mit Hosenbeinen zum Abtrennen. Den Kindern schenkten wir Wasserbeutel mit Trinkschlauch, damit sich das Gewicht am Rücken besser verteilt und jederzeit ein Schluck Erfrischung parat ist. Die richtigen Gimmicks, dachten wir, machen jede Herausforderung attraktiv. Der Rucksack unserer zwölfjährigen Tochter wog gerade einmal viereinhalb Kilo, zuzüglich Wasser. Zwei T-Shirts, drei Unterhosen. Ist doch toll, mit wie wenig man auskommen kann! Das Gepäck unseres Sohnes sollte mein Mann tragen.

          Trotzdem liegt der Achtjährige in der Nacht vor dem Aufbruch wach und raunt mir zu, ihm gefalle dieser Urlaub nicht. Unsere Tochter stöhnt gleich nach der ersten Viertelstunde Anstieg, sie könne partout nicht mehr. Der Pragser Wildsee mit seinem unverschämten Türkis liegt erst einen Steinwurf weit entfernt. Wir trösten: Der erste Aufstieg sei der schlimmste.

          Vater, Tochter, Mutter, Sohn.
          Vater, Tochter, Mutter, Sohn. : Bild: Julia Schaaf

          Drei Stunden später stehen wir vor unserer Hütte, eingebettet in eine rauhe Landschaft aus kargem Gras und Felsbrocken. Über uns erhebt sich der Gipfel des Seekofel in 2800 Metern Höhe, in der Ferne ist zwischen Wolkenschwaden die Silhouette der berühmten Drei Zinnen zu sehen. Zu unseren Füßen Edelweiß. Die letzte Strecke sind die Kinder vorgeprescht, wir sind alle stolz, glücklich und nassgeschwitzt. Der Junge darf sich eine Cola bestellen, abends bringen wir den Kindern Doppelkopfspielen bei. Achtbettzimmer und keine Dusche. Unser Sohn schreibt in sein Ferientagebuch: „In den Bergen ist es cool.“

          Zwischen Kaiserschmarrn und Carport-Kies

          Am zweiten Tag wandern wir gut gelaunt durch Bergblumen und machen eine frühe Hüttenrast zum Kartenspielen und Kaiserschmarrn-Essen. Dann jedoch führt der Weg so steil bergab ins Tal, dass die Knie schmerzen, anschließend müssen wir genauso weit wieder hinauf. Der Blick geht auf Schluchten und Felswände, die vielleicht Caspar David Friedrich und die deutsche Romantik inspiriert hätten. Ich finde die Landschaft doof, Nadelbäume mochte ich nie. Zwei Stunden kämpfen wir uns bergan, über kalkweißen Kies, der sich auch unter dem Carport einer Neubausiedlung gut machen würde. Ohne Müsliriegel hätte ich auf dem letzten Stück versagt. Dann jedoch die Belohnung: ein kristallklarer Bergbach in der Abendsonne, eine gute Dusche und ein Zimmer für uns vier allein.

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