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Familienurlaub in Italien : Der schönste Schutzengel des Universums

  • -Aktualisiert am

Es ist nicht schwer, in den Marken sein Urlaubsglück zu finden. Und die Fontana della Fortuna in Fano hilft dabei. Bild: Imago

Blaue Fische, gruselige Burgen, rollende Köpfe und ein Italien fast nur für Italiener: Wer seinen Familienurlaub in den wilden Marken verbringt, muss sich auf allerhand Abenteuer gefasst machen.

          6 Min.

          Hätte ich Friedrich Rückert zur Hand gehabt, wäre mir manches erspart geblieben. „Denn nur aufs Ziel sehen verdirbt die Lust am Reisen“ heißt es in seiner „Weisheit des Brahmanen“, aber ich dachte im Zug nur an die Ankunft in unserem frisch erworbenen Häuschen in Italien. Dahin sollte es in den Ferien gehen, mit Musetta, Luca und Lara, zehn, acht und fünf Jahre alt. Mit Ersterer ging es noch am leichtesten, ich steckte sie einfach in einen Korb, nachdem ich von der Ärztin Wohlfühlpillen auf pflanzlicher Basis für sie aufgetrieben hatte. Unsere Katze streckte sich nieder und miaute kein Wort. Schwieriger war es mit den Kindern. Die redeten drauflos und fanden rasch ein Thema, von dem sie nicht ließen: „Warum fliegen wir nicht?“, „Wann sind wir da?“, „Ich kann nicht mehr.“ Kurz, die Weisheit aus dem Japanischen „Schicke das Kind, das du liebst, auf Reisen“ verschweigt, dass solches Tun zeitlichen Bedingungen unterliegt. Ab einer gewissen Länge ist der Spaß vorbei. Für uns geschah das ungefähr auf der Höhe von Jena, zwei Stunden nach unserem Aufbruch.

          Der Plan: mit der Eisenbahn von Berlin nach München, meine Frau einsammeln, die dort arbeitet, und am nächsten Tag weiter mit dem Zug bis nach Fano in den Marken, insgesamt 1300 Kilometer zu unserem Haus. Das hatten wir vor einem halben Jahr gekauft, mehr als zweihundert Jahre altes Gemäuer inmitten des Viertels Piatt’lett mit seinen engen Gassen und gedrungenen, buntbemalten Häusern. Über die Zugfahrt gibt es kaum Erhellendes zu berichten. Die Kinder beschlossen an deren Ende, nie wieder mit der Eisenbahn nach Italien zu reisen.

          Liebe auf den ersten Blick

          Am Bahnhof empfing uns schließlich die Familie meiner Frau, ihre Eltern, ihre beiden Schwestern und Schwager bildeten einen Konvoi bis zum keinen Kilometer entfernten Centro Storico. Und als wir in die Via Monaldi eintauchten, jene Gasse, die kaum je ein Auto sieht, bestrich die Abendsonne die Mauern mit einem satten Rotgold. Dabei sind die Marken ein Flecken in der italienischen Landschaft, der sein Licht eher unter den Scheffel stellt. Am Meer stehen Städte mit Bauten wie in Florenz, unmittelbar dahinter erstreckt sich eine Hügellandschaft wie in der Toskana. Zum gegrillten Fisch aus der Adria gesellt sich die rustikale Hinterlandküche mit ihrem geschmorten Fleisch, den Hülsenfrüchten und frischem Gemüse. Und dennoch ist zum Beispiel Wein aus den Marken in Deutschland weithin unbekannt, bleiben Touristen in der Toskana stecken oder reisen gleich weiter in den Süden. Die Marken bleiben den Italienern vorbehalten; vor allem Mailänder urlauben dort gern.

          Ich hatte mich nie nach eigenem Grund und Boden gesehnt. Ich scheute den Aufwand und möglichen Stress. Aber irgendwann hatten wir es satt, für unseren Familienurlaub in Fano happige Ferienhausmieten zu zahlen. Und dann stolperten wir über ein Häuschen, das der Friseur der Familie verkaufen wollte: ein stiller Innenhof zwischen zwei Gassen, eine Treppe zu Schlafzimmer und Balkon, dicke Holzbalken an den Decken, nur das Surren der Schwalben darüber. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ein paar Monate zäher Suche nach einem Kreditgeber, dann wechselten die Schlüssel ihren Besitzer. Einen Namen für das Schmuckstück hatten wir schon vorher gefunden: „Casa Vecchia Fano“ - wegen der Steine aus vergangenen Zeiten und der Ruhe und der Vorstellung, dass in jedem Moment William von Baskerville aus „Der Name der Rose“ um die Ecke reiten könnte. Was wir sonst noch brauchten, besorgten wir uns bei Ikea in Rimini. Schließlich wollten wir das Häuschen auch vermieten, an Touristen und an Zeitarbeiter.

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