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Istanbul : Gestaunt: Prachtentfaltung aus versunkenen Zeiten

  • -Aktualisiert am

Kapali Karsi, einer der unzähligen Basare Bild:

Der Dolmabahce-Palast entführt seine Gäste in die osmanische Vergangenheit. Seine goldene Pracht ist nur schwer zu überbieten.

          Dem Glücksrausch des Touristen sind Flügel gewachsen. Doch wird seine Zeit knapp. Der Topkapi Sarayi, der Sultanspalast als Wiege und Trutzburg der frühen Osmanischen Epoche, würde allein drei Tage zur Erkundung fordern. Und brauchte man für die 3.000 Moscheen der Stadt ein Leben lang, so ist es für den Dolmabahce-Palast immerhin noch ein halber Tag.

          Hier endet die Zeitreise durchs Osmanische Reich auf einer über einen halben Kilometer durch den Palast gelegten Spur aus Teppichläufern. Mit keinem Schritt darf man sie verlassen, dafür sorgen Aufpasser in jedem Winkel.

          Tonnenweise Edelmetalle verbaut

          Marmorne Säulenhallen und Treppenaufgänge führen zu 285 Prunkräumen und 43 Salons. Allein für deren Verzierungen sollen 14 Tonnen Gold und 40 Tonnen Silber verwendet worden sein. Und im Festsaal unter dem 4,5 Tonnen schweren Kronleuchter aus Bleikristall, einem der größten der Welt, empfing man Gäste wie den österreichischen Kaiser Franz Josef, den deutschen Kaiser Wilhelm II, den Schah von Persien und König Faisal von Irak.

          Voluminöse Vorhänge von den besten Seidenmanufakturen am Schwarzen Meer, Kamine aus Meerschaum und Alabaster, Kronleuchter aus farbigem Kristall bilden die Kulisse für ein Märchen aus dreitausend Jahren Weltgeschichte.

          Ein modernes Monument

          Bis heute dient der Palast zur Repräsentation beim Besuch hoher Staatsgäste. Und so wird das Monument, wo die letzten Sultane mit ihrer Macht und den Staatsfinanzen spielten, immer wieder belebt. 1876 erklärte das Reich seinen Bankrott. Doch selbst Atatürk, der Begründer des modernen Staates, der mit den Mythen des alten Reiches aufräumte, der die lateinische Schrift und das Frauenwahlrecht einführte, ließ es sich nicht nehmen, während seiner Aufenthalte in Istanbul den Dolmabahce-Palast zu bewohnen. 1938 starb er hier im Alter von 57 Jahren.

          Seelenpflege zum Abschluss der Reise

          Den Besuchern aber rücken die Originale vor Augen, an denen ihr Luxushotel Anleihe genommen hat. Ein letztes Mal werden sie sich dort im Hamam, einem edel getäfelten und reich verzierten Dampfbad, dem traditionellen Baderitual unterziehen. Auf dem heißen Marmorstein liegend im Wechsel von Aufgüssen, Hautpeeling und Massagen wird das Hamam nicht nur denn Körper reinigen, sondern auch die Seele.

          Abends schauen Reisende über den lichterfunkelnden Bosporus und auf den angestrahlten Dolmabahce Sarayi. Und wenn er heute auch nur zur Anregung der Touristenphantasie dient, nährt er doch auch eine der drei Tugenden, die der Staatserneuerer zur Republikgründung ausgerufen hatte: den Stolz der Türken.

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