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Istanbul : Gebettet: Prunk am Bosporus

  • -Aktualisiert am

Verwöhnmassage inmitten von purem Luxus im Ritz-Carlton Bild: SRT

Aufwachen zwischen Gold und Alabaster, in Samt und Seide, umrahmt von Kirschholz und Brokat: alles nur ein Traum?

          Durch den tiefhängenden Morgennebel bohren sich die schlanken Minarette der Moscheen, als könnten sie ihn mit den scharfen kleinen Halbmonden an ihren Enden zerteilen. Und aus Hunderten Lautsprechern versuchen ihn die Muezzine mit ihren heiseren Kopfstimmen über den Kuppeln zu vertreiben, damit Anatoliens Sonne ihre verdiente Chance bekommt.

          „Allahu ákbar! La ilahu illá“ - so klingt der Sound des Bosporus. Man wird von ihm aufgeweckt im königlichen Bett, vergräbt den Kopf noch mal kurz in die flauschige Tiefe der Daunenkissen und taucht dann auf in ein mit ottomanischer Herrlichkeit ausgestattetes Gemach. Ein in Gold gerahmter Gobelin aus Weinreben überdacht das Bett, die Füße der Tischleuchten sind aus Alabaster, an der Wand das eklektische Bild einer Haremsminne vor korinthischen Säulen. Brokat, Kirschholz und schwere Vorhangstoffe dominieren den Raum.

          Atatürks drei Tugenden leiten das Volk

          So gibt sich die Istanbuler Hotel-Kultur der Luxusklasse. In dick gestopfte Diwankissen gekuschelt und auf eine seidene Bettrolle gelehnt, genießt man den Ausblick über den Bosporus. Grosse und kleine Schiffsleiber kreuzen in unermüdlichem Gewimmel zwischen Europa und Asien. Welche Fracht bringt das eine herüber, welche Waren schafft das andere fort ins anatolische Hinterland? Der Tag ist noch jung, die Stadt muss so vieles in sich aufnehmen und wieder ausspucken bis die Muezzine zum Abendgebet rufen.

          "Türke, sei stolz, hab Vertrauen, arbeite", lautete der Wahlspruch des Republikgründers Atatürk, mit dem er das Land vom Sultansjoch befreit und zu morgenländischem Selbstbewusstsein geführt hat. Und Millionen Istanbuler besinnen sich täglich wieder in hektischem Morgenaufbruch auf eine der drei Tugenden.

          Türkische Welt der Wunder

          Der Kurzreisende aber ist gegen die unangenehmen Begleiterscheinungen des Alltags abgeschirmt. Der Verkehrslärm, Abgas, Braunkohlensmog, Dünste der Kebab- und Fischbratereien erreichen seinen Hotelpalast nicht.

          Bald wandelt er unterm tonnenschweren Kristallüster zum Empfang und nimmt die Portiers in Pluderhosen und die zierlichen Kellnerinnen in alttürkischer Frauentracht wahr wie Komparsen aus einem farbenprächtigen Historienfilm. Und selbst beim Devisentausch geschieht ein Wunder! Über Nacht ist der Reisende zum Lira-Milliardär geworden. Die schwere, anhaltende Wirtschaftskrise, die der Türkei den Atem abschnürt, hat die Inflation ins Unendliche getrieben. Und mit einem Packen zerfledderter Millionenscheine, der das Volumen des Portemonnaies sprengt, geht der Gast hinaus in die Wirklichkeit.

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