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Island : Heiße Quellen liefern Energie

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Baden in der blauen Lagune, gespeist mit Thermalwasser. Bild: AP

In großen Naturbecken wird das heiße Wasser aus dem Inneren der Erde in das Heilbad der Blauen Lagune geleitet, nebenbei gewinnen die Isländer daraus Strom - und eine Fußbodenheizung für die Straßen der Hauptstadt.

          Fernab von Island sind Klischees von einer Insel voller Geysire entstanden. Doch Fehlanzeige. Zwar dampfen reichlich Erdspalten und manche Wiese, denn es blubbern und gurgeln 700 heiße Quellen dort, wo Island dem Mittelatlantischen Rücken aufsitzt.

          Aber spuckende Geysire sind rar, es gibt nur 30 landesweit. Der weltberühmte Große Geysir (Stóri genannt) mit seiner 60 Meter-Fontäne, der allen gurgelnden Springquellen der Welt den Namen gab, schläft seit fast hundert Jahren. Erst seit einem Beben im Juni 2000 hat er sich wieder selbst unregelmäßig gerührt. Aktiv und zuverlässig schießt sein Nachbar Strokkur (Butterfass) etwa alle fünf Minuten bis zu 20 Metern in die Höhe, sorgt so für Islands berühmteste Attraktion. Zuvor präsentiert er eine imponierende Wasserkuppel, die an eine hellblaue Riesenqualle erinnert. Fotoliebling ist neben ihm die türkis glimmende Quelle Blesi.

          Fußbodenheizung für die Straßen Reykjaviks

          Doch die heiße Zone, wo amerikanische und afrikanische Kontinentalplatte jährlich zwei Zentimeter auseinander rücken und das Erdinnere Lava nachschiebt, bedroht nicht nur mit Vulkanen und Beben. Erdwärme und die Kraft der Wasserfälle spenden Island umweltfreundlich den gesamten Energiehaushalt. Die Reserven sind so üppig, dass warmes Restwasser sogar Reykjaviks Haupteinkaufsstraße eine Fußbodenheizung gegen Eis und Schnee verschafft.

          Heiße Quellen sind seit Beginn der Besiedlung beliebt. Ein Bad und Plausch in einem 35 bis 40 Grad warmen Hot Pot bei jedem Wetter gehört zum isländischen Alltag. Sei es in großen wie winzigen Schwimmbädern oder gleich inmitten wilder Natur. Die Wellness-Oase schlechthin ist die Blaue Lagune, Bláa Lonid. Aus 2000 Metern Tiefe gewonnenes Wasser dient der Heißwasser- und Stromgewinnung bevor es in das Heilbad der Lagune rinnt. Umgeben von Lavafeldern und den silbernen Rohren des Wasserkraftwerks lässt sich hier in einzigartiger Atmosphäre in mineralienreichem aquamarinen Nass dümpeln. Nah dem Flughafen wärmen sich auch viele auf dem Zwischenstopp in die Vereinigten Staaten hier auf.

          Der mächtigste Wasserfall Europas veranstaltet einen Höllenlärm

          Zu Gletschern und Wasserfällen ist der Weg weiter. Im nördlichen Jökulságlúfur-Nationalpark lassen sich unzählige Wasserfälle entdecken. Der Dettifoss, Islands und Europas mächtigstes Exemplar, stürzt gewaltige Wassermassen in 44 Meter Tiefe. Seine Sprühwasserwolken sind kilometerweit sichtbar, sein Donnern weithin hörbar. Durch Unmengen an mitgeführtem Gestein färben sich die Fluten des Falls braun. Sein heftiges Tosen spürt man bis hinter dem Brustbein. Dem großartigen Anblick angemessen, überspannt sofort ein wundervoller Regenbogen die Schlucht, sobald die Sonne ihre Strahlen dazu schickt.

          Der goldene Zirkel

          Diesen fotogenen Zauber entfaltet auch der Goldene Fall, der Gulfoss. Mit den Geysiren gehört er zum so genannten „Goldenen Zirkel“ im Süden. Mit über zwei rechtwinkelige Stufen rauschenden Wasserkaskaden ist er gleichzeitig groß und schön. Zu den elegantesten Wassererscheinungen gehört mit seinen Basaltsäulen sicher der Aldeyjarfoss im Hochland.

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