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Wildes Irland : Achterbahn am Ozean

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Von Ehrfurcht vor der elementaren Küstenlandschaft zeugen im Nordwesten Irlands sogar die Golfplätze, die anderswo in der Welt ein Gelände manchmal völlig umkrempeln. Hier jedoch hat man ein typisch irisches Freizeitvergnügen unaufdringlich mit der Natur verknüpft. Es handelt sich dabei um die traditionellen „links courses“, also Küsten- und Dünenplätze, die oft seit mehr als hundert Jahren existieren. Im landwirtschaftlich nutzlosen Korridor zwischen Meer und Weideland richteten sich sowohl Aristokraten als auch Bauern schon im neunzehnten Jahrhundert solche Spielplätze ein. In Donegal sind sie in der Regel so harmonisch in die Dünen eingepasst, dass sie mit dem spärlichen Badebetrieb auf den Stränden nebenan wie selbstverständlich in Einklang stehen. In Dunfanaghy führt der Zugang zum Strand sogar quer durch die Spielbahnen des Platzes, und in Portsalon bilden Strand und Golfplatz eine so perfekt gestaltete Einheit, dass der britische „Observer“ den Strand zum zweitschönsten der Welt gekürt hat. Der Rosapenna Golf Club in Downings ist ebenfalls ein Meisterstück dieser Rücksicht sportlicher Ambitionen auf die Vorgaben der Natur: 1891 wurde er von Tom Morris, dem schottischen Altmeister der Golfplatzarchitekten, so gekonnt in die Dünen eingebettet, dass man selbst aus kurzer Entfernung kaum erkennen kann, wie der Mensch hier in die Landschaft eingegriffen hat.

Und plötzlich ist Schluss

Von der Befestigungsanlage Grianán of Aileach aus nähert sich der Wild Atlantic Way langsam seinem Abschluss - einem passenden Abschluss. Denn er endet am Malin Head, dem nördlichsten Punkt der irischen Insel. Auf dem Weg dorthin gibt es noch einmal einen landschaftlichen Leckerbissen: die Lagg Sand Dunes. Es sind unbewegliche, von Gräsern dicht bewachsene Dünen, die zu den größten ihrer Art in Europa gehören und natürlich mit einem malerischen Strand verbunden sind. Dennoch verirrt sich kaum jemand hierher, während am Malin Head tatsächlich ein wenig Betrieb herrscht. Der eine oder andere Ire will wohl dort seine Haare einmal in den Wind halten, nach Möglichkeit einen Blick auf das gelegentlich aufscheinende Nordlicht erhaschen oder hinüber nach Schottland schauen, dessen Küste bei schönem Wetter in Sichtweite liegt. Kein Wunder, dass enge historische Bande zwischen diesem Teil Irlands und Schottland bestehen. Auswanderer aus Donegal hat es seit jeher weniger nach Amerika gezogen als nach Glasgow, Edinburgh und Aberdeen, und bis heute haben viele Iren deshalb familiäre Bindungen in den Norden der britischen Inseln.

Wie überdimensionale, prähistorische Geoglyphen erscheinen am äußersten Rand der Landzunge von Malin Head die vier Buchstaben des Wortes „Eire“, zusammengesetzt aus großen, weißgestrichenen Wackersteinen. Für die Reisenden auf dem Wild Atlantic Way zeigen sie den Abschluss ihrer Irland-Route an. Während des Zweiten Weltkriegs jedoch sollten amerikanische Bomberpiloten erkennen, dass sie an dieser Stelle das neutrale Irland erreicht hatten. Weitere Relikte des Krieges ruhen unmittelbar vor Malin Head im Meer. Dort haben die Briten nach dem Zweiten Weltkrieg hundert deutsche U-Boote versenkt, und direkt daneben liegt im glasklaren Wasser ein gesunkener amerikanischer Frachter mit Sherman-Panzern auf dem Deck - vereint zu einer kuriosen Unterwasserlandschaft. Die Wracks komplettieren einen der größten Schiffsfriedhöfe der Weltmeere. Denn früher verlief eine höchst ungemütliche und gefährliche maritime Route vor der irischen Westküste. Mehr als zwölftausend Schiffe sind dort im Laufe der Zeit zerschellt und versunken, darunter 1588 drei Karavellen der Spanischen Armada, 1884 der Großsegler Wasp und 1917 der Passagierdampfer „Laurentic“ der White Star Line. Sie wären die Protagonisten einer Geschichte über einen ganz anderen, einen mit menschlichen Schicksalen verketteten Wild Atlantic Way.

Wild Atlantic Way

Information: Die bestehenden Küstenstraßen von Kinsale im County Cork bis zum Malin Head im County Donegal sind zum Wild Atlantic Way zusammengeschlossen worden. An manchen Stellen wurden die Straßen verbreitert oder ausgebessert, hier und da zusätzliche Parkplätze und Aussichtspunkte eingerichtet. Die 2500 Kilometer lange Route ist durchgehend und übersichtlich beschildert. Auf zahlreiche Nebenrouten und lohnende Umwege wird unterwegs ebenfalls hingewiesen. Weitere Auskünfte: Irland Information, Gutleutstraße 32, 60329 Frankfurt, Telefon: 069/66800950, www.ireland.com. Die Reise wurde von Tourism Ireland unterstützt.

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