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Die spanischen Illas Cíes : Am schönsten Strand der Welt

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Schon Julius Cäsar machte auf den Illas Ciés Urlaub, so erzählt es zumindest die Legende. Der Imperator kam mit dem Floß, heute reist man eher mit der Yacht an. Bild: Rolf Neuhaus

Sie liegen vor der Nordwestküste Spaniens und gelten seit der Antike als die Inseln der Götter: die Illas Cíes. Doch auch Irdische fühlen sich hier fast wie im Paradies.

          Da lag sie, die Praia das Rodas, der mutmaßlich schönste Strand der Welt. Sie formte eine vollkommene Sandsichel und stach in der noch jungen Morgensonne weiß wie im Mondlicht aus dem tiefblauen Meer und smaragdgrünen Uferwasser und den bewaldeten Hängen und graubraunen Felsen zweier Inseln hervor, zwischen denen sie sich ausstreckte und eine Kurve wie die Taille einer Göttin beschrieb. Den nahen Küstenbergen Galiciens und dem tiefen Einschnitt der Ría de Vigo zugewandt, hatte sie im Rücken nur Dünen, eine Lagune und die endlose Wasserweite im Westen. Ein Strand schöner noch als die schönsten Strände Kolumbiens, Brasiliens, der Philippinen und aller anderen Länder: So jedenfalls postulierte es die britische Zeitung „The Guardian“, als sie im Jahr 2007 einen Schönheitswettbewerb unter den Stränden der Welt veranstaltete.

          Es erübrigt sich also, auf der Suche nach dem perfekten Meeressaum in die Karibik oder die Südsee zu segeln. Die Fähre vom europäischen Festland braucht weniger als eine Stunde für die Überfahrt auf die Illas Cíes vor der Küste Galiciens. Und sie bringt die Besucher direkt an die Praia das Rodas, an deren Nordende eine Pier ins Wasser ragt. Wir waren die ersten Menschen an diesem Morgen, der Strand war noch unberührt, und wir hätten ihn entweihen sollen, denn so paradiesisch leer sollte er nicht bleiben. Doch zogen wir es vor, zunächst die Inseln zu erkunden.

          Piratennest im Inselinnern

          Vom Meer stieg Nebel auf, zog die Hänge der Nordinsel herauf und fegte in so dichten Schwaden durch den Eukalyptus- und Kiefernwald, dass die Stämme und Kronen sich im keltischen Himmel verloren. Schreie hallten durch den Nebel, von allen Seiten drangen sie ans Ohr, ohne dass ihre Urheber sich dem Auge zu erkennen gaben. Als wären Kobolde durchs Gehölz geflitzt oder Hexen durch die Luft geflogen. Vielleicht war heute Hexentanz, oder die Druiden gaben ein Opferfest. Aber das konnte nicht sein, dieser Nebelwald war kein keltischer Forst, der ursprüngliche Eichenbestand war längst abgeholzt worden. Ihn hatte der Oberpriester des spanischen Nationalkatholizismus, Generalísimo Francisco Franco, durch schnellwachsende Bäume für die heilige nationale Papierproduktion ersetzt, natürlich nicht eigenhändig. Am winzigen Leuchtturm des Monte Agudo, der nicht auf diesem spitzen Berg, sondern weit unterhalb an einer lichten Stelle knapp über Meereshöhe steht, stellte sich heraus, von wem die Schreie stammten: gewöhnlichen Möwen. Der Leuchtturm war gleichsam ihr Taubenschlag.

          Weiter im Inselinnern stießen wir auf Mauerreste, niedrige, moosbewachsene Steinmäuerchen, die gestrüppüberwucherte Rechtecke bildeten. Relikte der keltischen Siedlung, die es auf den Cíes gegeben hatte, konnten es nicht sein, die Kelten hatten in Rundhütten gelebt. Es war auch nirgends so etwas wie eine Steinplatte auszumachen, die als Opferaltar hätte gedient haben können. Überreste eines der mittelalterlichen Klöster, die Benediktiner und Franziskaner errichtet hatten, konnten es ebenso wenig sein, denn die verortete unsere Karte auf den Schwesterinseln. Es handelte sich wohl um einen Weiler oder ein Gehöft aus dem neunzehnten oder zwanzigsten Jahrhundert. Die Inseln waren immer nur sporadisch besiedelt gewesen und stets aufs Neue aufgegeben worden, denn sie eigneten sich besser als Piratennest denn als Dauerwohnsitz. Was hatten die paar Mönche, Bauern und Fischer schon den Normannen, den Türken aus Nordafrika oder einem Francis Drake entgegenzusetzen, wenn es diesen beliebte, die Cíes als Versteck und Stützpunkt für Überfälle auf die Küstenorte und auf jene schwimmenden Schatztruhen zu nutzen, die, vollgestopft mit dem Gold und Silber Amerikas, den Hafen von Vigo ansteuerten? Über lange Zeiträume hinweg war es zu gefährlich oder nicht einträglich genug, auf den Inseln Fische einzusalzen, Schafe, Ziegen und Kohlköpfe heranzuziehen oder Gott zu dienen.

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