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Insel Martinique : Bei Muttern Gottes gibt es keine Todsünden

Die Hauptstadt Fort-de-France: Nur wenige Kolonalgebäude, und überhaupt ist es im Süden schöner. Bild: Picture-Alliance

Der Name der Insel klingt wie die Verheißung eines karibischen Gartens Eden. Doch es ist gar nicht so einfach, Martiniques Paradiespforte zu finden. Mit ein bisschen Rum öffnet sie sich dann aber fast wie geschmiert.

          11 Min.

          Das ist nicht der Strand von Adam und Eva. Das ist der Strand von Kain, an dem sich der liebe Gott nie und nimmer eine Badehose anziehen würde. Also verzichten auch wir darauf, schlendern lieber am rabenschwarzen Lavasand von Le Carbet entlang, blicken dabei eher auf eine ramponierte Fototapete als auf eine postkartentaugliche Traumkulisse und suchen unverdrossen karibische Glücksmomente zwischen verschlissenen Autoreifen, verwitterten Bootsrümpfen, verschimmelten Europaletten, verfilzten Fischernetzen, verrosteten Eisengittern, verkommenen Betonklohäuschen und verrottetem Treibgut aller Art. Dann wird uns ein tadelloser Sonnenuntergang spendiert, und die Welt an Martiniques Westküste ist wieder in Ordnung. Denn einerseits sind nachts alle Strände grau, und andererseits findet im Beach Club „Le Petibonum“ am südlichen Ende von Le Carbet heute Abend eine Riesen-Rum-Party statt, zu der auch wir eingeladen sind.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Die Destillerie Clément präsentiert ihren neuesten Schnaps und lässt sich dabei nicht lumpen. Sie hat eine Bühne mit Lasershow aufgebaut, einen DJ mit Techno-Faible engagiert, Hostessen mit glitzergeschminktem Engelslächeln in Elfenkostüme mit Gaze-Röckchen gesteckt, Rum für Punch und Cocktails in Zisternenmengen bereitgestellt und Berge von Austern aus dem französischen Mutterland geordert – und das alles für zweihundert Gäste, die Hautevolée der Insel samt Freuden und Geschäftspartnern der Destillerie, Menschen ganz unterschiedlicher Haltung und Hautfarbe, von denen manche uns versichern werden, dass Martinique das Paradies auf Erden sei, andere hingegen das glatte Gegenteil behaupten.

          Mörderische Anstrengung und Mordsspaß

          Während wir uns durch die Cocktail-Karte trinken, erzählen uns die einen von einer sterbensschönen Insel der Glückseligen und die anderen vom unausrottbaren Postkolonialismus, von einem Verhältnis wie Herr und Hund zwischen den viertausend Békés, den alteingesessenen Weißen, und den vierhunderttausend Schwarzen, von der Handvoll französischer Familien, die seit vierhundert Jahren Martiniques Wirtschaft kontrollieren, und der Chancenlosigkeit der Schwarzen, die Phalanx der gallischen Aristokratie zu durchbrechen. Sie erklären uns den feinen Unterschied zwischen „la métropole“, so wird Frankreich traditionell voller Respekt bezeichnet, und „le continent“, so nennen die wütenden Schwarzen despektierlich das Mutterland. Und sie regen sich noch immer über die französische Tourismusministerin auf, die beim Ausbruch des Zika-Virus vor ein paar Monaten gefordert hatte, alle schwangeren französischen Frauen sofort auszufliegen, ohne auch nur ein Wort über die schwangeren Martiquinaises zu verlieren.

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