https://www.faz.net/-gxh-97fpv

Gasteinertal in Österreich : In weißer Voraussicht

Schön war die Zeit: Belle Époque im Gasteiner Tal Bild: Andreas Lesti

In keinem anderen Tal der Alpen bewegt sich gerade so viel wie hier: Bad Gastein, Hofgastein und Sportgastein erleben den schneereichsten Winter seit Jahren.

          Das ist schon eine Ansage in diesem außergewöhnlichen Winter: Oben, auf dem Gipfel des Kreuzkogels, hat es minus 17 Grad, der Wind pfeift und in den vergangenen 24 Stunden ist fast ein Meter Schnee gefallen. Sogar die Pisten – das konnte man in der Seilbahn auf dem Weg nach oben, auf 2640 Meter, genau sehen – sind mit einer Tiefschneeschicht bedeckt, weil auch die Raupenfahrer diesem Winter nicht mehr hinterherkommen.

          Andreas Lesti

          Freier Autor im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Auch die Panorama-Glaskugel des Salzburger Architekten Gerhard Garstenauer, die den höchsten Punkt des Skigebiets markiert, stemmt sich an diesem eisigen Morgen gegen Schnee und Kälte. Der silbrig schimmernde Aluminiumball mit den eisverkrusteten Scheiben sieht aus als wollte ein James-Bond-Bösewicht von dort aus die Weltherrschaft an sich reißen. Drinnen versuchen aber nur zwei harmlos wirkenden Angestellte der Bergbahn mit einem Heizlüfter die Temperatur Grad für Grad nach oben zu treiben. Sie bereiten gerade das Frühstück für jene Skifahrer vor, die das sogenannte „Ski amadé – made my day“-Package gebucht haben. Dieses neue Angebot soll Wintersportler an außergewöhnliche Orte führen und besondere Erlebnisse bescheren. Der Kreuzkogel, das muss man den Ski-Amadé-Leuten lassen, ist da schon mal kein schlechter Anfang.

          Vier sehr unterschiedliche Orte auf drei Ebenen

          Aber beginnen wir die Geschichte vielleicht besser von unten: Wenn man im Pongau im Salzburger Land in das Gasteinertal abbiegt, dann kommt man erst durch das beschauliche Dorfgastein und das skitouristische Bad Hofgastein, dann, etwas weiter oben, durch das morbid-extravagante Bad Gastein und erst dann über eine Mautstraße hinauf in die hochalpine Welt von Sportgastein. Von dort fährt die Bahn auf den Kreuzkogel, den höchste Punkt des Skigebiets. Das Tal, das sich touristisch als eine Destination vermarktet, hat somit drei Ebenen – und vier Orte, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Da diese Orte aber auch miteinander konkurrieren und dabei sind, ihre Profile zu stärken, bewegt und entwickelt sich im Gasteinertal gerade so viel, wie in keinem anderen Tal der Alpen. Erst vor wenigen Wochen hat das Salzburger Land drei wichtige historische Gebäude in Bad Gastein gekauft, um die Bausubstanz zu retten. Kosten: sechs Millionen Euro, die Sanierungskosten werden den Kaufpreis um ein vielfaches übersteigen. Das „Hotel Straubinger“, das ehemalige Postgebäude und das „Badeschloss“ standen zwanzig Jahre leer. Nun sollen sie saniert und dann an Investoren verkauft werden. Andere Hotels, wie der „Habsburger Hof“, stehen ebenfalls zum Verkauf oder wurden bereits von neuen Betreibern übernommen – wie unlängst der „Grüne Baum“.

          Wie die Zentrale eines Bond-Bösewichts: Kugel von Gerhard Garstenauer.

          In Bad Hofgastein dagegen wird an der neuen Bergbahn gebaut, die Wintersportler ab Dezember hochgeschwind auf die Schlossalm bringen soll. „Um wieder als Skidestination wahrgenommen zu werden“, wie es heißt. Kosten: 85 Millionen Euro. Das finden nicht alle Bad Gasteiner gut. Umgekehrt beäugt man in Hofgastein die Entwicklungen in Bad Gastein mit einer gewissen, nennen wir es: sportlich-herausfordernden Skepsis. „Das ist hier wie Villarriba und Villabajo“, sagt ein Hotelier aus Bad Gastein und der Umstand, dass Bad Hofgastein sich seit einem Jahr nur noch Hofgastein nennt, um nicht mit Bad Gastein verwechselt zu werden, scheint dieses Bild zu bestätigen.

          Nach dem Krieg ging es bergab

          Und doch ist allen klar, dass es um das gesamte Tal geht, das gerade dabei ist, ein ganz neues Kapitel in seiner langen Geschichte aufzuschlagen. Radonhaltige Quellen zogen schon im Mittelalter Gäste an. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts reisten sie dann aus ganz Europa in den Kurort und es wurden riesige Belle-Époque-Hotels gebaut, die noch heute das Bild prägen. Das Grandhotel „Gasteinerhof“ und das „Grand Hotel de l’Europe“ zählten damals zu den größten, bekanntesten und exklusivsten Hotels der Alpen. Doch dann kamen die Weltkriege und der schleichende Niedergang.

          Weitere Themen

          Schnapsidee oder ein Fall für Olympia?

          Snow-Volleyball : Schnapsidee oder ein Fall für Olympia?

          Baggern im Schnee: Jonas Schröder und Paul Becker sind Deutschlands beste Snow-Volleyballer. Im Interview erklärt Schröder, was die neue Sportart vom Beachvolleyball unterscheidet, ob sie Handschuhe tragen – und wie die Atmosphäre ist.

          Seltener Vogel gesichtet Video-Seite öffnen

          In New Yorks Central Park : Seltener Vogel gesichtet

          Seit zwei Monaten versammeln sich im New Yorker Central Park mehr und mehr Zuschauer, um das Mandarinenten-Männchen zu bestaunen und zu fotografieren. Doch warum schwimmt hier überhaupt ein Vogel aus Ostasien?

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.