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Katalanische Küche : Dann doch lieber Feinschmecker als Fanatiker

Die Provinz Girona ist geformt aus zweieinhalb Jahrtausenden kulinarischer Traditionen und einem knappen halben Jahrhundert gastronomischen Fortschrittfurors. Bild: Joan Pujol-Creus

Hinter der Costa Brava liegt das Schlaraffenland, Heimat avantgardistischer Köche wie der Roca-Brüder, deren Restaurant zweimal zum besten der Welt gewählt wurde. Das Glück dort ist vollkommen – beinahe zumindest.

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          Es ist eine Bar, wie es sie hunderttausendfach in Spanien gibt, „un bar de toda la vida“, so sagt man hier, ein Lokal fürs ganze Leben, in das man von Kindesbeinen bis ins Greisenalter jeden Tag geht, für ein Schwätzchen, für einen Kaffee oder eine „caña“, das frisch gezapfte Bier im schlanken Glas, oder für das Mittagsmenü mit katalanischer Hausmannskost. Montags gibt es im „Can Roca“ immer den Eintopf Escudella, mittwochs die dicken weißen Faves-Bohnen, donnerstags Arroz mar i muntanya, Kataloniens Nationalreis mit Zutaten aus Land und Meer. Und die Glotze läuft dazu ununterbrochen, meist lautlos, aber immer mit voller Lautstärke, wenn der FC Barcelona spielt.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Nur ein Detail stimmt nicht in diesem schlichten Lokal, das sich in einem Arbeitervorort von Girona versteckt: An den Wänden reihen sich leere Flaschen aneinander, die in einer „bar de toda la vida“ nichts verloren haben, Romanée-Conti, Roederer Cristal, Château Ausone, die teuersten Burgunder, kostbarsten Champagner, erlesensten Bordelaiser Grand Crus Classés. Und noch eine Kleinigkeit passt nicht so recht ins Bild: Jeden Mittag vor dem regulären Service essen dreißig Menschen in identischer Kleidung mit dem Schriftzug „El Celler de Can Roca“ in der Bar, und unter ihnen drei Brüder, Joan, Josep und Jordi Roca, die zu den besten und berühmtesten Köchen nicht nur Spaniens, sondern der ganzen Welt gehören und die sich in der Bar so ungezwungen bewegen, als sei sie ihr Zuhause – was kein Zufall ist, sondern eine glückliche Fügung, weil sich in der Geschichte dieser drei Brüder exemplarisch die kulinarische Seele ihrer Heimat widerspiegelt.

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