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Sommerserie: Von A nach B : Wie wird man ein Königlich Bayerischer Luftadmiral?

Die friedvollste Art des Reisens: Am verblüffendsten bei einer Ballonfahrt ist die Stille im Korb, in dem man nicht einen Windhauch hört oder spürt. Bild: Bavaria Ballonfahrten

Beim Ballonfahren weiß man immer, wo die Reise beginnt, aber nie, wo sie endet. Das hat viel mit Physik und ein bisschen auch mit Metaphysik zu tun. Ein Selbstversuch im Allgäu.

          Es ist ein aberwitziger Gedanke, dass wir uns in wenigen Minuten von einem Erdenbewohner in ein Himmelswesen verwandeln werden. Es ist eine absonderliche Vorstellung, dass die Gesetze der Schwerkraft für uns gleich nicht mehr zu gelten scheinen. Es ist eine abenteuerliche Idee, dass ein Menschheitstraum spätestens seit den Zeiten des Archimedes in einer Viertelstunde für uns in Erfüllung gehen wird. Es ist halb sechs Uhr in der Früh und für unsere laienhafte Vorstellung Werwolfwetter statt Flugwetter, weil dichter Morgennebel über dem Ostallgäu hängt und den Schwaltenweiher nahe dem Bauerndorf Seeg gierig verschluckt, den Kaiser Maximilian vor einem halben Jahrtausend für die Fischzucht anlegen ließ, um bei seinen Jagdausflügen in der Gegend ein wenig Abwechslung auf den Teller zu bringen. Noch liegt das Ausflugslokal am Weiher im tiefen Schlaf, und anstatt Theo Waigel und Irene Epple, die berühmtesten Einwohner von Seeg und gern gesehenen Gäste in der Gastwirtschaft, steht Klaus Schweiger vor uns. Er ist zwar nicht berühmt, hat es aber zu einiger Bekanntheit gebracht, denn er führt eine der größten Ballonfahrtenfirmen in Bayern und wird an diesem Morgen die erste Himmelfahrt unseres Lebens pilotieren.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Für den Start hält Klaus, der uns als Allererstes mit dem Duz-Dogma unter Ballonfahrern vertraut macht, nach einer gemähten Wiese Ausschau, und zwar aus doppelt praktischem Grund, wie er uns erklärt: damit der Schaden an Gras und Grund für ihren Besitzer möglichst gering bleibt, und damit wir keine nassen Füße bekommen. Sie ist schnell gefunden, und genauso behende haben Klaus und seine beiden Helfer nicht nur den Korb aus dem Anhänger am Firmenjeep gehievt, sondern auch die Ballonhülle aus ihrem Sack befreit. Jetzt liegt sie als fünfundzwanzig Meter lange Kunststoffbahn im feuchten Gras, unsere Lebensversicherung gegen die tödlichen Tücken der Schwerkraft aus schockierend dünnem Polyester, nicht dicker als eine leichte Regenjacke, die für unseren Dilettantenblick außerdem so aussieht, als käme sie direkt aus der Altkleidersammlung.

          Ein überdimensionierter Einkaufskorb

          Doch Klaus fällt es nicht schwer, uns zu beruhigen. Er erklärt uns, dass Polyester im Gegensatz zum früher verwendeten Nylon den Vorteil hat, leichter, strapazierfähiger und unempfindlicher gegenüber UV-Licht zu sein. Eine Spezialbeschichtung sorgt dafür, die Luftundurchlässigkeit der Hülle zu erhöhen, die aber trotzdem höchstens tausend Flugstunden hält. Ob sie kurz vor dem Reißen steht, wird mit einem simplen Materialtest festgestellt, bei dem der Kunststoff ein vierzehn Kilo schweres Gewicht aushalten muss. Aber selbst kleine Löcher, sagt Klaus, seien für den Polyester kein Problem, und sogar dann würden wir nicht abstürzten, wenn der Brenner die untere Ballonhülle schmelzen ließe, weil solch unfassbar große Mengen Luft in der Hülle seien und wegen ihrer riesigen Ausmaße nur ein Druck von einem Kilogramm Gewichtskraft pro Quadratmeter Fläche ausgeübt werde. Wir betasten noch einmal die Hülle, denken an das Ende unserer letzten Regenjacke, sagen aber lieber nichts.

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