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Wunderwelt La Réunion : Vom Werden und vom Vergehen

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Ein Werk der Vulkane: In den Überresten der Krater von La Réunion fühlt man sich wie in einem verborgenen Garten Eden. Bild: Christoph Schrahe

Mitten im Indischen Ozean haben fünf Millionen Jahre Erdgeschichte und dreihundert Jahre menschlicher Besiedlung einen fesselnden Mikrokosmos geschaffen: die Île de la Réunion.

          9 Min.

          Der Boden aus feinkörniger, dunkelroter Basaltasche knirscht unter der Last der Bergstiefel wie verharschter Schnee. Eis überzieht die hingewürfelten Gesteinsbrocken auf dem Gipfelgrat, der Sturm drückt die gefühlten Temperaturen weit in die Minusgrade. Wolkenfetzen wringen ihre nasse Last in Gesichtern und Kleidung der Bergsteiger aus. Sie sind des Sonnenaufgangs wegen in der Dunkelheit der Nacht hier hinaufgestiegen. Doch wird es die Sonne überhaupt gegen die Wolken schaffen, die der Passatwind vom Ozean hinaufdrückt?

          Schneemänner in den Tropen

          Das ist die allmorgendliche Frage auf dem Piton des Neiges, der seinem winterlich klingenden Namen in der Dämmerung dieses Julitages alle Ehre macht. Der höchste Punkt der Insel La Réunion ragt 3070 Meter aus dem Indischen Ozean empor, hoch genug, um trotz der Lage in den Tropen im Südwinter regelmäßig ein weißes Haupt in den Morgenhimmel zu recken. Meist ist es nur Raureif oder überfrorene Nässe. Eine Schneedecke hat sich zuletzt 2013 gebildet, wie die Bilder im Flur der Gîte Caverne Dufour belegen, die Schneemänner vor der Berghütte zeigen. Diese Hütte war um fünf Uhr früh bei noch sternenklarem Himmel Ausgangspunkt für den Gipfelangriff gewesen.

          Insel der Kontraste: In den tropischen Wäldern der Insel stößt man ständig auf exotische Bewohner - und auf den Berggipfeln steht man manchmal im Schnee.
          Insel der Kontraste: In den tropischen Wäldern der Insel stößt man ständig auf exotische Bewohner - und auf den Berggipfeln steht man manchmal im Schnee. : Bild: Christoph Schrahe

          Vom Meeresboden aus gemessen ist der Berg mehr als sieben Kilometer hoch. Bis vor zwanzigtausend Jahren waren es noch neun. Dann stürzte die Spitze des Vulkans ein, er erlosch, und Wind und Regen fügten der entstandenen Caldera tiefe Narben zu. Drei davon wurden zu riesigen Talkesseln, die mit ihren messerscharfen, von Grün überwucherten Graten, den zahllosen Schluchten und kleinen, urbar gemachten Plateaus das heutige Bild der Insel prägen: die Cirques von Salazie, Mafate und Cilaos. Bei klarer Luft schlägt der Blick in deren schattige Abgründe sogar das Erlebnis des Sonnenaufgangs am Gipfel. Heute aber sieht man weder etwas von den Cirques noch von der Sonne, geschweige denn vom zweihundertzwanzig Kilometer entfernten Mauritius. Im dichten Nebel dieses ganz und gar unwirtlichen Morgens bleibt das tropische Eis das einzig Bemerkenswerte – und steht als Oxymoron für nur einen der vielen Gegensätze, die für La Réunion so charakteristisch sind. Einen passenderen Namen als Insel der Vereinigung könnte sie nicht tragen.

          Ein Opfer eingeschleppter Ratten

          Am Fuß der eisigen Höhen warten weiße, palmengesäumte Sandstrände an türkisgrünen Lagunen voller Korallen und Tropenfische. In den Städten stehen schreiend bunte hinduistische und pagodenförmige buddhistische Tempel neben Minaretten und Türmen katholischer Kirchen. Tamilen, Chinesen, Araber, Ostafrikaner und die Nachfahren europäischer Siedler teilen sich den Inselheiligen Saint Expedit, der Gebete erhört, aber auch für Vodoo-Zauber zu haben ist. Mittags kommen als Vorspeise vietnamesische Nem und indische Samosas auf den Tisch, als Hauptgang folgt ein reich mit Knoblauch, Ingwer und Kräutern gewürztes kreolisches Cari, begleitet von Reis und Grains, einer dunklen Sauce aus Linsen oder Bohnen, sowie feurigem Rougail aus Piment, Tomate und Zwiebeln. Als Dessert gibt es mit heimischer Vanille zubereitete und mit einer Karamellkruste aus lokal erzeugtem Rohrzucker überzogene Crème brûlée, denn trotz der fast zehntausend Kilometer, die zwischen Mitteleuropa und La Réunion liegen, gehört die Insel als Überseedepartement zu Frankreich und damit zur EU.

          Rekordverdächtig: Kaum irgendwo auf Erden fällt so viel Regen wie auf La Réunion. Und wunderbare Wasserfälle entschädigen für das viele Nass.
          Rekordverdächtig: Kaum irgendwo auf Erden fällt so viel Regen wie auf La Réunion. Und wunderbare Wasserfälle entschädigen für das viele Nass. : Bild: Christoph Schrahe

          Das sorgt für allerlei Annehmlichkeiten, von der Einreise mit dem Personalausweis über das tadellos funktionierende öffentliche Busnetz, bestens sortierte Supermärkte, perfekt beschilderte und markierte Wanderwege und die gute medizinische Versorgung bis hin zum kostenlosen Roaming. Europäisch ist die Insel auch noch in ganz anderer Hinsicht: Wegen der isolierten Lage oder weil die Evolution schlicht nicht genug Zeit hatte, ist sie völlig frei von den üblichen Geißeln der Tropen wie Malaria, giftigen Schlangen oder sonstigen gefährlichen Tieren. Säugetiere kamen nicht vor den ersten Siedlern im siebzehnten Jahrhundert auf die Insel, die Insekten, Vögel und Reptilien bis dahin exklusiv für sich hatten. Besonders Letzteren bekam die Besiedlung nicht gut. Noch bevor Frankreich die Insel 1649 annektierte, reichten sporadische Besuche niederländischer Seefahrer auf dem Weg nach Indien zur Ausrottung der Elefantenschildkröten aus. Der Dodo, der Réunion-Ibis, ein wohl flugunfähiger Laufvogel, wurde 1708 zuletzt lebend gesehen. Die zutraulichen Tiere landeten in den Kochtöpfen hungriger Schiffsbesatzungen, die Eier fielen den eingeschleppten Ratten zum Opfer.

          Rettung für entlaufene Sklaven

          Nicht nur die natürlichen Ressourcen beutete man rücksichtslos aus. Die neuen Herren der Insel, Gros-blancs genannt, die „fetten Weißen“, brachten auch Massen von Sklaven aus Madagaskar, Mosambik und Senegal nach La Réunion. Ende des achtzehnten Jahrhunderts standen 37 000 Leibeigenen neuntausend freie Bürger gegenüber, und daran änderte selbst die Französische Revolution zunächst nichts. Wer konnte, floh. Die besten Verstecke vor den unbarmherzigen Sklavenjägern boten die schwer zugänglichen, stark zerklüfteten und von einer alles verschlingenden Vegetation überwucherten Cirques. Auf den kleinen Plateaus zwischen den Steilhängen, den sogenannten Îlets, ließen sich Sklaven und verarmte weiße Kleinbauern, die Petits-blancs, nieder und ernährten sich von dem, was der Boden hergab. Im ­Cirque de Mafate leben bis heute siebenhundert Nachfahren der Sklaven, teilweise immer noch in Subsistenzwirtschaft. Inzwischen sichern sie sich ihr Einkommen jedoch dank der Vermietung einfacher Unterkünfte an die Touristen. Das sind ausschließlich Wanderer, denn bis heute erschließt keine einzige Straße das ursprüngliche Herz von La Réunion.

          Mondlandschaften: Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich die Vulkanwüsten in fruchtbares Land verwandelt haben - doch genauso wird es eines Tages geschehen.
          Mondlandschaften: Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich die Vulkanwüsten in fruchtbares Land verwandelt haben - doch genauso wird es eines Tages geschehen. : Bild: Christoph Schrahe

          Nur zu Fuß gelangt man dort hinein, zum Beispiel über den Sentier Scout, der in 1640 Metern Höhe unterhalb des Col des Bœufs startet. Man erreicht ihn vom Küstenstädtchen Saint-André aus über eine Straße, die sich in Hunderten, teils extrem engen und steilen Kurven durch den Cirque de Salazie zum Übergang nach Mafate hinaufschraubt. Am kleinen Parkplatz wartet Wanderführerin Julie Férard. Sie arbeitet für die Verwaltung des 2007 gegründeten Nationalparks Réunion, der zweiundvierzig Prozent der Inselfläche umfasst und 2010 von der UNESCO in den Rang eines Weltnaturerbes erhoben wurde. Julie Férards Spezialgebiet ist die Flora der Insel, die Hunderte endemische Arten zählt und die Wanderer auf ihrem Weg hinunter in den Talkessel von Mafate sofort mit ihrer überbordenden und fremdartigen Vielfalt in den Bann schlägt. Der Pfad schlängelt sich durch einen Tamarindenwald, Orchideen wuchern wie Unkraut an den Stämmen und Ästen, dichte Vorhänge aus Baumbart zeigen, wie rein die Luft und wie nebelreich der Bergwald hier ist. Im Wald schwirren handtellergroße Schmetterlinge vorbei, der Duft von falschem Patschuli und Geranium schwängert die Luft. Hier und da überspannen die im Zwielicht golden schimmernden Netze der Bibe, einer riesenhaften, aber harmlosen Kugelweberspinne, den Weg. Die fächerförmigen Kronen hochstämmiger Baumfarne spenden Schatten. Am Himmel kreist ein Papangue, ein Vertreter der einzigen Greifvogelart Réunions.

          Wanderung zwischen Guaven und Bambus

          Nach einer Stunde durch das Dickicht erreicht man den offenen Felskamm von Les Deux Fesses, der wie ein Ausleger in die Mitte des Cirque hineinragt und zum ersten Mal einen ungehinderten Blick auf dessen bizarre Topographie erlaubt. Sie brandet wie ein aufgewühlter, grün schäumender Ozean gegen die senkrechten Waldwände des Grand Bénare und der Crête de la Marianne am Rand der Caldera und umspült in deren Zentrum die übersteilte Pyramide des Piton Cabris – es wirkt wie das überlebensgroße Diorama einer längst vergessenen Welt.

          Sehr gegenwärtig ist dagegen das Knattern der Helikopter. Sie bringen Lebensmittel, Baumaterial oder Gasflaschen in die Dörfer. Auf dem Rückflug erledigen sie die Müllabfuhr. Für Julie passen die lärmenden, kerosinhungrigen Hubschrauber nicht zum Ökotourismus, den man in Mafate eigentlich propagiert. Die Nationalparkverwaltung versucht, die Bewohner wieder zu mehr Eigenversorgung mit Obst und Gemüse zu bringen. Früchte dieser Initiative sieht man kurz vor Îlet à Malheur, dem ersten Dorf, das man auf dem Sentier Scout erreicht. Das letzte Wegstück dorthin säumen Guavenbäume, die im Winter köstliche, kirschgroße Früchte tragen, Bambushaine und zahlreiche Chouchou-Pflanzen. Das vielseitig verwendbare, birnenförmige Kürbisgewächs ist ein Grundnahrungsmittel der Insel. Die Kaffeepflanzen in den Gärten sind für den Eigenbedarf, die ungewöhnlich koffeinarmen Bohnen röstet jede Familie selbst.

          Idyll auf der Insel des Unglücks

          Das Zentrum der „Insel des Unglücks“, wie das Dorf seit einem Massaker von Sklavenjägern heißt, dem hier einst vierzig Menschen zum Opfer fielen, bilden eine grüne Wiese mit Tischen und Bänken zur Rast, die kleine, rot gestrichene Holzkirche, der „boutique“ genannte Dorfladen mit dem typisch kreolischen Schnitzwerk als Giebelverzierung und die Schule, an der genau zwei Kinder unterrichtet werden. Mit ihnen hat Julie einen Garten angelegt. Die Schulkinder sollen von klein auf lernen, wie man welche Nutzpflanzen kultiviert. Auch das fast verloren gegangene alte Wissen will man wieder verbreiten. „Die Sklaven brachten eine spirituelle Verbindung zur Natur und viele Kenntnisse über Heilpflanzen aus ihrer Heimat mit. Sie durften sie aber bei Strafe nicht anwenden, da die Großgrundbesitzer fürchteten, sie würden sie gegen sie verwenden, sei es in Form von Gift oder Zauberei“, sagt Julie.

          Kraft des Meeres: Der Indische Ozean zeigt sich bei Saint-Gilles von seiner gewalttätigen Seite.
          Kraft des Meeres: Der Indische Ozean zeigt sich bei Saint-Gilles von seiner gewalttätigen Seite. : Bild: AFP

          Das Wissen hat neben der kulturhistorischen eine wirtschaftliche Dimension. Schließlich gibt es so gut wie kein Kraut, das auf Réunion nicht prächtig gedeihen würde. Das wussten schon die frühen Siedler und brachten von überall auf der Welt Pflanzen, Samen und Setzlinge mit, von Ananas und Avocados – die hier bis zu einem Kilogramm schwer werden – über Kakao bis Zimt und Zuckerrohr, zweitausend Arten insgesamt. Auch die Vanille kam so auf die Insel, deren Bestäubung von Hand 1841 erstmals dem Sklaven Edmond Albius gelang und die heute ein wichtiges Exportgut Réunions ist.

          Einer der aktivsten Vulkane der Erde

          Ihre Fruchtbarkeit verdankt die Insel den vulkanischen Böden. Aurère, „gute Erde“, heißt folgerichtig das Dorf am Ziel der heutigen Tagesetappe. Neben den bunt gestrichenen Häusern ergänzen dort ganze Wälder aus leuchtend roten Weihnachtssternen und Singvögel in allen Farben das Kaleidoskop der Grüntöne. Es ist Abend geworden, längst verhüllen Wolken die Berge um den Col des Bœufs, ein vollkommener Regenbogen steht jenseits der Schlucht des Bras Bémale über Îlet à Malheur, das Störfeuer der Rotoren ist verstummt, die untergehende Sonne taucht die Szenerie in warmes Licht. Doch wie alle Schönheit ist auch die Réunions vergänglich. Das zeigt sich am folgenden Morgen exemplarisch an Le Petit Rein, einem nur fußbreiten Übergang zwischen dem Plateau von Aurère und dem Steilhang unter der ­Crête de la Marianne. Gefühlt noch ein, zwei Regenzeiten, und es braucht eine Brücke, um den Sentier Augustave zu erreichen, der teilweise über Stahlstege und Leitern die Felswand entlang zurück in Richtung Salazie führt. Julie bestätigt diesen Eindruck: „Allein aus dem Cirque de Cilaos schwemmt die Regenzeit jährlich sechshunderttausend Kubikmeter Gestein in den Indischen Ozean.“ Irgendwann wird der Regen den gesamten Piton des Neiges mitsamt seiner Cirques fortgespült haben.

          Eine langfristige Fortbestandsprognose verdankt die Insel indes ihrem ganz im Süden aufragenden zweiten Berg: dem Piton de la Fournaise. Die Réunionesen nennen ihn schlicht „Le Volcan“. Er ist einer der aktivsten Vulkane der Erde. Regelmäßig setzen seine Kräfte dem Vergehen der Insel im Norden ein großartig inszeniertes Landgewinnungsschauspiel entgegen, wenn sie Lavafontänen in den Himmel speien und Flüsse aus geschmolzenem Gestein den Berg hinabschicken. Alle strömen dann zum Vulkan, um das Spektakel aus nächster Nähe zu betrachten, was wegen der überwiegend effusiven Magmenförderung weitgehend ungefährlich ist. Den Stoff für diese Inszenierung liefert eine tief im Erdinnern liegende Magmakammer, über der einst der Piton des Neiges stand und die drei Millionen Jahre vor La Réunion die Insel Mauritius aus dem Indischen Ozean steigen ließ. Deswegen ist der Scherz, mit dem Frédéric Mélon vermutlich jede seiner Touren durch die Unterwelt der kilometerlangen Lavatunnel des Volcan beendet, nicht ganz aus der Luft gegriffen: „Willkommen auf Mauritius!“ bekommt zu hören, wer aus dem Dunkel wieder ans Tageslicht steigt.

          Selbst der Laie erkennt die Korallenbleiche

          Schön ist die unterirdische Welt nicht nur wegen ihrer Farben- und Formenvielfalt – je nach Erstarrungstemperatur schimmert das stark eisenhaltige Basaltgestein in Orange, Grün oder Schwarz – sondern auch wegen ihrer Wetterunabhängigkeit. Oberirdisch ist der 2621 Meter hohe Piton de la Fournaise nämlich einer der regenreichsten Orte der Erde. Die 3929 Millimeter Regen, die zwischen dem 19. und 22. Februar 2007 binnen zweiundsiebzig Stunden fielen, sind Weltrekord. Umso erstaunlicher ist es, dass sich ausgerechnet hier eine Wüste ausbreitet. Die Plaine des Sables liegt rotbraun und vegetationslos in der Caldera des Volcan. Das Geheimnis: Die vulkanische Schlacke ist so porös, dass aller Regen sofort in die Tiefen des Berges versickert.

          Höllenschlund: der Vulkan Piton de la Fournaise bei seiner Eruption kurz vor Weihnachten 2021.
          Höllenschlund: der Vulkan Piton de la Fournaise bei seiner Eruption kurz vor Weihnachten 2021. : Bild: dpa

          Dieses Problem haben die Zuckerrohrbauern nicht, deren Felder die tieferen Lagen der Insel beherrschen, immer wieder durchschnitten von Tälern, durch die das Wasser über zahllose, bis zu dreihundert Meter hohe Kaskaden und durch breite Kiesbetten dem Ozean entgegen schießt. Doch die Bauern verursachen andere Probleme: Außer Geröll und Erde spült das Wasser auch Unmengen von Pestiziden ins Meer. Deren weitgehend ungehemmter Einsatz auf den Zuckerrohrfeldern macht fassungslos, schließlich lohnt sich der Anbau des Süßgrases finanziell schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Doch das Zuckerrohr ist Teil der Identität der Réunionesen. Kein Essen, das nicht mit einem Rhum arrangé, einem Rum aus lokalem Zuckerrohr, aromatisiert mit Früchten und Gewürzen, als Aperitif eröffnet oder als Digestif beendet wird. Sichtbar werden die Folgen des beharrlichen Ignorierens der französischen Umweltgesetze, wenn man die Schnorchelbrille aufsetzt und in der Lagune von Salines-les-Bains in die Unterwasserwelt eintaucht. Zwar lassen Artenreichtum und Farbenvielfalt der Fische im glasklaren Wasser jeden Schnorchler staunen, die Korallenbleiche ist aber selbst für Laien unübersehbar.

          Zum Tod der Nesseltiere trägt auch bei, dass die Abwässer der Insel Haie in Küstennähe locken, weshalb die mit Sonnenschutzmittel eingecremten Touristen nur noch in der Lagune ins auch im Winter mit vierundzwanzig Grad angenehm temperierte Nass gehen. Dort reichert sich dann der für Korallen tödliche UV-Filter Oxybenzon an. Faktor Nummer drei sind die auch auf Réunion steigenden Temperaturen. Der Piton des Neiges kann es verschmerzen, dass er seit 2007 nur ein einziges Mal von Schnee bedeckt war, während das in den zwanzig Jahren zuvor siebenmal geschah. Unter Wasser sorgt die Wärme für ein letales, endgültiges Weiß. Selbst vor Paradiesen machen die Probleme dieser Welt eben nicht halt.

          Das Tückische und so ungemein Verlockende ist, dass all die Probleme so weit weg wirken, wenn man in der Schwärze der früh hereingebrochenen Nacht in lauer Luft auf der Veranda eines Strandhauses sitzt, das Kreuz des Südens und die Milchstraße am Himmelszelt leuchten, hinter den vom Wind bewegten Kokospalmen der dünne weiße Strich der Brandung das nahe Riff markiert und die sich daran brechenden Wellen den Grundton für die von irgendwoher erklingende kreolische Musik bilden, die mit ihren getrommelten Rhythmen und melancholischem Gesang die Magie des Augenblicks vollendet.

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