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Hotelbibliotheken : Von einem Buch zum anderen

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Lesevergnügen in der Hotelbibliothek Bild:

In der charmanten Bibliothek im Madrider Hotel „Lope de Vega“ gibt es Bücher des Dramatikers de Vega - verschlossen hinter einer Vitrine. Diese ungewöhnliche Bibliothek ist eine der elf, die die Autoren bei ihren Reisen aufsuchten.

          New York, Jordan Mejias

          Vor 130 Jahren erfand der amerikanische Bibliothekar Melvil Dewey die seitdem nach ihm benannte Dezimalklassifikation menschlicher Erkenntnis. Seinetwegen weiß der Bibliotheksbesucher, wo er was wie findet. Zum Beispiel im Hotel: Das Library Hotel hält sechstausend Bände parat, die keineswegs alle in einem zentralen Leseraum dezimalklassifiziert wurden. Das gesamte Hotel hat sich a la Dewey organisiert: Wer ein Zimmer bucht, muß damit eine Lektüre auswählen. Jedes Stockwerk ist einer der zehn Hauptkategorien des Wissens gewidmet, wie Dewey sie sich ausdachte, und folglich stapeln sich im Haus die Bände von den Sozialwissenschaften über die Künste und die Literatur bis zur Philosophie und die Religion (im obersten). Das Zimmer mit der erotischen Literatur ist allerdings möglichst zeitig zu reservieren. Es ist öfter ausgebucht als jedes andere.

          Mekong, Michael Winter

          "Alle lesen, außer mich", war mal eine auf T-Shirts verbreitete Klage während der Frankfurter Buchmesse. Vergeblich durchstöbert der Autor mit niedrigen Verkaufszahlen und hohen Vorschüssen im Nacken sogar Hotelbibliotheken an Ferienorten. Leider sind die entweder zur Repräsentation in die Kaminecke gestellt und enthalten Meterware aus dem 18. oder 19. Jahrhundert, oder es sind kniehohe Regale neben Tischtennisplatten voller ausgelesener Bestseller. Die Bordbibliothek des Mekongdampfers stand neben der Bar. Die Bücher waren in ein vierstöckiges Bambusgestell gestopft, das Boot dümpelte ohne Fahrtwind vor der Grenze nach Kambodscha. Zuerst kam der Schock, mein Buch ausgerechnet hier zu entdecken. Ungelesen, entsorgt, den Tropen ausgeliefert, zurückgelassen wie ein Hund auf dem Rastplatz. Dann kam der Stolz: sogar hier! Das Buch hatte auf der Titelseite den Stempel der Rederei. Und dann kam die Erschütterung: Auf dem Vorblatt fand sich die Widmung an einen guten Freund. Mit Datum und Unterschrift.

          Tokio, Silke Pfersdorft

          Das alte Tokio riecht nach Yakitori-Hähnenspießen und warmem Licht hinter geheimnisvollen Reispapier. Im Stadtteil Ningyo-cho zum Beispiel, hier liegt das kleine Hotel "Kitcho". In seiner Bibliothek stehen Bildbände zu Japans berühmtesten Theaterschauspielern, zu den schönsten Bonsai-Gärten, zum Zauber der Geishas. Auf dicken Holzborden reihen sich japanische Anleitungen zum Briefeschreiben, zur Etikette bei Hochzeiten, Essays über Gesichter. Bücher, die nach Flohmarkt riechen und amerikanische Billigkrimis gnädig in ihre Mitte nehmen. Da, ein Fundstück mit spanischer Widmung "für die wunderbaren Menschen, den wir in dir getroffen haben, deine Lora und Marco". "A perfect landing", ein Heftchen mit Lore-Roman-Format. Andrea Camilleris "Der Kavalier der späten Stunde", sogar in Deutsch. Wer mag sie hier gelassen haben? Und wann? "Japanese love poems", "Adventures in old Japan" - ein Fotobildband in Schwarzweiß. Im "Kitcho" landet man immer wieder in der Vergangenheit. Früher oder später.

          Indien, Verena Mayer

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