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Hotel „Borgo Egnazia“ : Das beinahe echte apulische Dorf

Sieht aus wie eine Gasse, ist aber eigentlich ein Hotelflur: im Borgo Egnazia. Bild: Jacob Sjöman

Minimalistisch und bäuerlich zugleich: Das Luxushotel Borgo Egnazia wurde in Form eines süditalienischen Gutshofes errichtet.

          So etwas geht leicht fürchterlich schief: Ein apulisches Dorf, ein sogenanntes „Borgo“, das man als Luxushotel nachgebaut hat. Im Jahr 2010 erst hat es eröffnet und damit noch nicht allzu viel Gelegenheit, sich Patina zuzulegen. Dafür stehen überall Körbe voller Äpfel und Nüsse, Laternen mit Kerzen, typische Bauernutensilien halt. Im Garten stehen umgepflanzte Olivenbäume, Bougainvilleen und Opuntien. Rosmarin tut, was Rosmarin am besten kann, nämlich duften. Im Zimmer ist alles vom Feinsten, Himmelbett, Klimaanlage, Marmorbad. Der Fernseher steht im Wandschrank, den man zuklappen kann, damit man ihn nicht dauernd sehen muss. Viel Luxus also, der sich den Anstrich des Einfachen gibt.

          Und dieses „Borgo Egnazia“ wäre vielleicht auch in etwas schrecklich Disneyhaftes gekippt, wenn es etwas weniger geschmackvoll gestaltet wäre, etwas bunter als die Erdtöne und Weißschattierungen, die alles dominieren, oder etwas barocker als die radikal einfachen Formen der süditalienischen Architektur. Und wenn es etwas steifer zuginge, aber wir sind ja in Apulien, und hier sind alle Menschen von selbstverständlicher Naturlässigkeit, wie überall in Italien. Sie grinsen, gestikulieren, fragen, ob man gleich essen will oder später, weil nichts so wichtig ist wie die regelmäßige und üppige Versorgung der Gäste mit Wein und Lebensmitteln, und schon fühlt man sich willkommen, sitzt an einem Tisch und hat sehr viele Nudeln vor sich stehen, bevor man auch nur irgendetwas gegen irgendetwas einwenden kann.

          Ein paar Zugeständnisse muss man schon machen

          Etwa eine Dreiviertelstunde fährt man vom Flughafen Bari nach Süden, bis man zu einem Städtchen namens Savelletri kommt und zu römischen Ruinen namens Egnazia. Zwischen den Ruinen und dem Städtchen befand sich lange eine leere Fläche, auf die Mussolini mal einen Militärflugplatz gebaut hat, aber das ist lange her. Dann kamen Camilla und Aldo Melpignano und bauten hier ihr Borgo, und zwar ziemlich genau so, wie solche Borgos wirklich einmal ausgesehen haben, nämlich aus hellem Tuffstein mit bröselig-kalkiger Oberfläche. In der Mitte steht der befestigte Gutshof, außen herum versammeln sich verwinkelte Gassen und kleine Häuser, eine Kirche und natürlich ein Dorfplatz.

          Und irgendwo da hinten das Meer: Blick über die Dächer des Borgo.

          Nur, dass der Gutshof heute keine Großbauernfamilie, sondern die Rezeption, die Bar und ein Restaurant namens Due Camini beherbergt, das seit rund einem halben Jahr auch einen Michelin-Stern trägt. Echte Borgos haben auch kein Schwimmbad, geschweige denn zwei Schwimmbäder, und liegen nicht neben Golfplätzen. Ein paar Zugeständnisse an die Kundschaft muss man schon machen.

          Im Tempel der Huldigung der heiligen Orechiette: Das Restaurant La Frasca.

          Sonst aber kann man nur bewundern, wie konsequent apulisch es zugeht. Fünf Restaurants hat das Borgo, alle italienisch. Nein, es gibt hier wirklich keinen Asiaten, nein, hier gibt es nirgends Burger, es gibt einfach nur verschiedene Abstufungen italienischer Küche von rustikal bis Gourmet. Das, was in die Töpfe kommt, ist durchgehend hochwertig, nur wird es anders verarbeitet. Im Due Camini isst man interessant dekonstruierte Dinge mit Kapernwasser, in der Trattoria geht es mit selbstgemachter Pasta zur Sache. Das mit der Pasta ist übrigens kein Hexenwerk, wer will, kann sich zeigen lassen, wie man Orecchiette formt und welches Mehl das beste ist.

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