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Hotel „Borgo Egnazia“ : Das beinahe echte apulische Dorf

Für die Orechiette reicht das günstige Öl

„Oha, Orecchiette“, sagt der Spezialitätenhändler daheim in der Frankfurter Kleinmarkthalle angesichts des Mehlkaufs, „entweder man kanns, oder man kanns nicht.“ Die Autorin dieses Textes ist noch nicht die Schnellste, aber nach einem Pastakurs im Restaurant La Frasca äußerst motiviert. Und apulische Küche ist wirklich nicht komplex. Sie verlässt sich einfach nur darauf, die besten, frischesten Zutaten zu verwenden.

Ein Stern, zwei Kamine: Das Gourmetrestaurant Due Camini.

Apulien ist eine bäuerliche Gegend. Um das Fünfsterne-Dorf herum stehen Olivenbäume, dazwischen Kohl- und Spargelfelder. Bei einem Ausflug in die nahe gelegene Masseria Brancati – eine Masseria ist ein bäuerliches Anwesen – kann man zweitausend Jahre alte Olivenbäume bewundern, die alle Namen entsprechend ihrer Wuchsform tragen, und einen Keller tief unten in dem weißgekalkten Gebäude, in dem noch römische Sklaven am Mahlstein geschuftet haben. Damals diente Olivenöl vor allem als Lampenöl. Heute bekommt man hier erstaunlich günstig das Öl der Baumveteranen, den Liter zwischen neun und sechzehn Euro, je nach Qualität. Man kann auch einfach nur verkosten, sich den Unterschied zwischen „vergine“ und „extra vergine“ erklären lassen und zu Hause per Internet bestellen. Für die demnächst zu kochenden Orecchiette, erklärt man uns, reicht aber wirklich das weniger teure Öl. Das gute kommt im Schälchen auf den Tisch, um Brot hineinzutauchen, oder über den Salat.

Das Öl kommt im Borgo Egnazia aber auch auf die Haut, wenn man eine Spa-Behandlung bucht. Auch hier sucht man Buddhas und Tempelglöckchen vergebens. Durch einen kerzenerleuchteten Kellerraum tritt man an die Rezeption, wird ins Behandlungszimmer geführt, auch das konsequent hell und steinern, mit weißen Stoffen. Und dann wird es auch nicht exotischer, wenn die Ölbehandlung nach Rosmarin und Orangenöl, nach Mandeln und Oliven duftet. Näher ist eine Massage einem Strandspaziergang in mediterranen Gegenden noch nie gekommen.

Ein paar Gläser später tanzen alle

Echte Strandspaziergänge sind natürlich auch möglich. Man kann sich umstandslos ein Fahrrad ausleihen, das kostet nur eine Unterschrift, und Richtung Savelletri fahren. Das Städtchen ist unspektakulär, aber hübsch, mit ein paar Restaurants und einem kleinen Hafen ausgestattet. Am Strand führt ein Weg entlang, dort wird gejoggt und der Hund Gassi geführt. Das Hotel führt dort außerdem ein Fischrestaurant, das man auch per Golfwagen-Shuttle erreichen kann.

Weiß in Weiß: Eines der Häuser, im gleichen elegant-schlichten Stil wie das ganze Dorf.

Dort herrscht auch ein wenig Leben, denn tagsüber wirkt Borgo Egnazia mitunter wie ausgestorben, was sich in der Feriensaison vermutlich ändert. Dass die fast zweihundert Zimmer gut gebucht sind, merkt man spätestens bei der nächsten Festa. Diese monatlichen Feiern auf dem Dorfplatz gehören zu den Höhepunkten, die man als Gast hier erleben kann. Es gibt natürlich sehr viel zu essen und zu trinken, und zwar alles gleichzeitig. Dazu kommt eine Band, die etwas spielt, was man grob als Tarantella-Turbofolk umschreiben könnte. Madonna soll diese Band sehr gefallen haben, als sie hier ihren Geburtstag feierte, sagt man. Was Justin Timberlake und Jessica Biel gefallen hat, als sie hier geheiratet haben, ist nicht überliefert, aber Madonna verstehen wir gut. Einen riesigen Teller und ein paar Gläser später tanzen dann alle, lachen und singen. Das Dorf ist zwar künstlich, aber das ist immer noch Apulien, und die Stimmung, die Freude, die sind echt.

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