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Hotel am Gardasee : Lass doch den Bademantel an

Im weitläufigen Park mit den alten Bäumen ist genug Platz, seinen Mitmenschen aus dem Weg zu gehen.

Das Lefay ist das erste Fünf-Sterne-Superior-Hotel am Gardasee, einer Gegend, in der es an teuren Unterkünften nicht gerade mangelt. Allerdings, – und damit sticht das Lefay von vornherein heraus – hat es sich dem Nachhaltigkeitsgedanken verschrieben. Der Energieverbrauch ist auf ein Minimum reduziert worden: 85 Prozent der benötigten Wärme erzielt das Resort aus erneuerbaren Energiequellen, beim Strom sind es hundert Prozent – sechzig Prozent davon durch die eigene, auf der Rückseite des Resorts liegende technologische Zentrale. Auf dem Dach des großen Restaurants wurde eine Photovoltaikanlage zur Senkung des Kohlendioxidausstoßes installiert. Die Liste der Auszeichnungen, mit denen das Lefay seit seiner Eröffnung 2008 geradezu überhäuft wurde, ist lang. 2018 soll das nächste Resort eröffnen, in Madonna di Campiglio, ein drittes ist in der Toskana geplant.

Vom Stahlunternehmer zum Hotelier

Dass das Lefay tatsächlich ein außergewöhnlicher Ort ist, liegt sicherlich auch daran, dass hinter dem Eco-Resort kein renditeorientierter Konzern steht, sondern eine Familie. Alcide und Liliana Leali sind die entscheidenden Protagonisten hinter dem Konzept, die Geschäfte führt ihr Sohn. Dabei lag ein Einstieg in das Hotelgeschäft gar nicht auf der Hand: Zunächst arbeitete Alcide Leali nämlich im familieneigenen Stahl- und Eisenbetrieb, bevor er 1989 gemeinsam mit seiner Gattin Liliana, einer Architektin, die Fluggesellschaft Air Dolomiti gründete, die sie 2003 an die Lufthansa verkauften. Anstatt die Menschen weiterhin von einer Destination zur nächsten zu transportieren, konzentrierte sich das Ehepaar nun darauf, einen Ort zu erschaffen, der Licht und Raum und Ruhe bietet, eine luxuriöse, geschmeidig in die Landschaft eingebettete Spa-Oase, in der man idealerweise zumindest für einen Moment bei sich selbst ankommt.

Nichts, was stört oder ablenkt: Blick vom Balkon einer der Suiten.

Und da auch wir uns nach diesem Gefühl des Einklangs sehnten, ließen wir uns ausgiebig massieren, trieben in der märchenhaften Salzwassergrotte und schwitzten im Hamam, wo unsere Haut derart durchfeuchtet wurde, dass sie sich wie ein nasser Schwamm anfühlte. Da ständiges Liegen und Sitzen freilich nicht tagesfüllend ist, schlenderten wir durch die sehr große Parkanlage, die sich auch joggend erkunden lässt. Die Jogging-Strecke beträgt etwa 2,5 Kilometer, der Höhenunterschied liegt bei 150 Metern. Man sollte jedoch höllisch aufpassen, sich nicht vom Blick auf den See ablenken zu lassen, sonst stolpert man womöglich noch über eine Wurzel.

Einladung zur Abschottung

Ungefährlicher ist der energetisch-therapeutische Garten, für den wir uns ohne Zögern entschieden. Seine Konzeption orientiert sich an der Theorie der „Fünf-Elemente-Lehre“ der chinesischen Medizin. Alle fünf Elemente – Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser – stehen miteinander in Verbindung. Die einzelnen Stationen der Wanderung repräsentieren jeweils ein Element. Los geht es mit der im kühlen Wald gelegenen Station „Il Drago verde“ (Der grüne Drache), die das Holz-Element repräsentiert, das wiederum für Lebensenergie steht, für den Frühling, für die Erneuerung der Natur. Etwas unheimlich, aber auch düster romantisch ist die sogenannte schwarze Schildkröte, ein verwunschener, dicht bewachsener Rückzugsort mit einer kleinen Höhle. Eine Einladung zur Abschottung, die das Gegenstück zum auf einer grünen Terrasse gelegenen roten Phönix bildet, wo alles weit ist und hell.

Das Restaurant La Grande Limonaia ist für die Öffentlichkeit zugänglich und bietet leichte mediterrane Küche.

Nichts gegen Kontemplation, doch hin und wieder tut es gut, die Ruhe kurz zu durchbrechen. Wir fuhren also hinunter nach Gargnano und ließen uns mit dem Schnellboot nach Salò bringen, wo niemand einen Bademantel trug und die Menschen sonnenbebrillt und weintrinkend die Cafés an der Uferpromenade bevölkerten. Man muss in Salò gar nicht an die Geschichte und an Mussolini denken, der hier einst die Italienische Sozialrepublik ausrief, der Blick aufs Wasser genügte erst einmal. Als die Sonne dann langsam unterging und wir müde wurden vom Sehen und Gesehenwerden, kehrten wir froh an jenen Entschleunigungsort oberhalb des Sees zurück und vergaßen schnell wieder, dass es irgendwo da draußen noch einen Alltag gab, in dem der Wind bisweilen ziemlich rauh weht.

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