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Historische Karten : Hic sunt dracones!

  • -Aktualisiert am

Zeichnerische Fabulierkunst: Historische Karten schildern oft unglaubliche Geschichten, bis ins kleinste Detail. Hier will sich ein Seeungeheuer ein Schiff samt Mannschaft holen. Man erkennt sogar, welche Segel die Crew setzt, um dem Unheil zu entrinnen. Bild: Stefan Nink

Egal, ob sie ungenau oder frei erfunden sind: Historische Karten nehmen uns mit in eine Ferne, die es nicht mehr gibt. Zu Besuch im Old Map Center in Hamburg.

          5 Min.

          Qualitätsarbeit, sagt Wolfgang Sarges. Das Papier. Die Farben. Der Druck. Die Details. Er tritt zur Seite, sein Kollege Carsten Juwig hält eine Lupe über die Karte. Man erkennt die Frisuren der Ruderer in ihren Kanus und das Entsetzen im Gesicht eines zentimetergroßen Seemanns, dessen Schiff soeben von einem Wal zerschmettert wird. „Obsessive Akkuratesse“ nennen die Kunsthistoriker und Kartenhändler im Old Map Center das. Natürlich habe der Zeichner zeigen wollen, wie gut er war. Selbstverständlich wollte er suggerieren, dass er all die Wunder selbst gesehen hatte, die Löwen und Tiger und furchterregenden Seeschlangen. „Vor allem aber waren diese kleinen Details über Jahrhunderte hinweg ein Versuch, die Welt in all ihren Nuancen zu erfassen. Man wollte ihre Vielfalt verstehen. Man wollte ihre Geheimnisse begreifen.“ Juwig richtet sich auf. Von oben gesehen, sind die Kanuten und Matrosen nur noch Punkte auf einer großen Weltkarte. Sie ist beinahe ein halbes Jahrtausend alt.

          Im Pandemiejahr haben viele ihre Liebe zu alten Landkarten entdeckt. Seit Reisen in ferne Länder unmöglich geworden sind, gehen immer mehr Leute auf Entdeckungsfahrt wie die Menschen in früheren Jahrhunderten: Mit dem Finger auf der Landkarte, mit der Lupe über dem aufgeschlagenen Atlas. Bei Online-Auktionen sind historische Karten beliebte Objekte geworden. In den Buchhandlungen stapeln sich Neuerscheinungen über erfundene Orte, verschwundene Inseln und verschollene Länder. Und in Fachgeschäften wie dem Old Map Center in der Nähe von Hamburgs Binnenalster merken Wolfgang Sarges und Carsten Juwig die neu entflammte Liebe zu den alten Karten. Tausend Exemplare aus fünfhundert Jahren liegen hier in Safe und Regalen.

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