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: Hirschgulasch nach Art von Maria Riesch

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Bei Veranstaltungen vom Kaliber einer Skiweltmeisterschaft geschehen Dinge, die im normalen Leben undenkbar sind. Die Olympiaregion Seefeld in Tirol zum Beispiel, auf halbem Weg zwischen Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck gelegen, ...

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          Bei Veranstaltungen vom Kaliber einer Skiweltmeisterschaft geschehen Dinge, die im normalen Leben undenkbar sind. Die Olympiaregion Seefeld in Tirol zum Beispiel, auf halbem Weg zwischen Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck gelegen, bewirbt ganz offen die Ski-WM und bietet sich selbst als Basislager für Schlachtenbummler an. In einem normalen Winter würde kein gestandener Tiroler Wintersportort auf die Idee kommen, Ereignisse in deutschen Zielen auch nur wahrzunehmen. Aber eine Weltmeisterschaft ist eben eine Weltmeisterschaft.

          In Garmisch-Partenkirchen werden solche Details nur am Rande registriert. Da geht es eher um das bevorstehende Große - und das ganz Große: die Bewerbung für Olympia 2018. Es wurde natürlich kräftig investiert für die Weltmeisterschaft, die als "Festspiele im Schnee" beworben werden. Neue Lifte sind gebaut worden, Beschneiungsanlagen hat man erweitert, siebenundzwanzig Millionen Euro flossen alles in allem in die Aufwertung des "Classic"-Skigebiets. Um das besser einordnen zu können, muss man wissen, dass Garmisch-Partenkirchen zwei Skigebiete hat, die nicht miteinander verbunden sind: eines auf der Zugspitze unterhalb des Gipfels und eines zwischen Osterfeldkopf und Hausberg etwas weiter östlich, eben das "Classic"-Gebiet, in dem ein Großteil der Rennen ausgetragen wird. Der neue Kandahar-Express ist eines der Vorzeigeobjekte, von denen Tourismusmanager Peter Ries mit Leidenschaft erzählt. Ein moderner Sessellift mitten zwischen den geschichtsträchtigen Pisten, der Olympiaabfahrt und der alten und neuen Kandahar-Abfahrt. Letztere hat mit dem "Freien Fall" die steilste Passage aller Weltcupabfahrten und stellt damit selbst die legendäre Streif in Kitzbühel in den Schatten.

          Auf dieser Strecke unter dem Kreuzjoch sind schon 1936 bei den Olympischen Winterspielen Rennen ausgetragen worden. Und so begegnet man nicht nur hier einer Mischung aus Geschichte und modernem Tourismusgeschäft, die in keinem anderen deutschen Wintersportort so ausgeprägt ist wie in Garmisch-Partenkirchen. Man fährt auf Pisten, die schon bekannt waren, als es noch keinen Weltcup gab, sondern nur die Arlberg-Kandahar Rennen. Sie wurden in den zwanziger Jahren von den großen Skipionieren Arnold Lunn aus England und Hannes Schneider vom Arlberg initiiert und nach einem britischen Offizier benannt, der den Beinamen Earl of Kandahar trug. Historie und Moderne stehen sich auf noch augenfälligere Art auch etwas weiter östlich gegenüber: Direkt neben dem machtvollen alten Skistadion, das - sehr offensichtlich - für 1936 erbaut wurde, steht die neue Sprungschanze, die 2007 entstanden ist. Nur wenige Meter entfernt baut sich der Steilhang am Gudiberg auf, der Schauplatz der Slalomrennen sein wird und auf dem ebenfalls ein neuer Lift gebaut wurde. Er wird zunächst nur Rennläufer transportieren, später werden dann auf den Sesseln die Namen der Sieger fixiert. Das ist ein Brauch, den man auch in Kitzbühel auf der Streif pflegt, nur dass dort die Gondeln die Namen der Sieger tragen.

          Zwei der Sessel haben schon einen Paten. Der erste wurde Felix Neureuther gewidmet, der zweite seinem Vater Christian Neureuther. Neureuther junior ist in Garmisch omnipräsent. Poster, die ihn dynamisch zwischen Slalomstangen zeigen, zieren viele Schaufenster. Im vergangenen Winter gewann er beim Weltcupfinale den Slalom auf dem Gudiberg. Nicht nur Felix Neureuther, einziger deutscher Rennläufer in der Spitzenklasse, sondern auch Maria Riesch, die neben Lindsey Vonn derzeit weltbeste Rennläuferin, ist in Garmisch-Partenkirchen zu Hause. Für die Organisatoren der WM bringt das mehr Zuschauerinteresse als eine millionenschwere Werbekampagne. Werbeverträge zwischen der Marktgemeinde und den Skistars gibt es aber nicht. "Sie sind beide sehr kooperativ, aber einen Vertrag könnten wir uns mit ihnen nicht leisten", sagt Tourismusmanager Ries.

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